Geniales Bewässerungskonzept

Als Delinat-Winzerberater erlebe ich immer wieder, wie sich unsere Winzer für ökologische Massnahmen zugunsten eines Weinbaus im Einklang mit der Natur begeistern lassen. Ein Paradebeispiel liefert Carlos Laso vom Weingut Pago Casa Gran in der Region Valencia.

Seit 8 Jahren arbeiten wir mit Carlos zusammen. In dieser kurzen Zeit haben sich seine Weinberge in ein Naturparadies verwandelt. Mit der Anpflanzung von Fruchtbäumen, Sträuchern und Kräutern wurden Monokulturen aufgebrochen und die Biodiversität gefördert. Eine besonders grosse Herausforderung aber blieb: Die immer längeren Trockenperioden und immer intensiveren Starkregen und Wetterextreme machen wie allen anderen Winzern auch Carlos und seinen Reben schwer zu schaffen.  Ohne Bewässerung können die Pflanzen kaum überleben.  Doch woher das Wasser nehmen in einem derart trockenen Gebiet, ohne den Grundwasserspiegel weiter zu senken?

Carlos Laso (rechts) und der Autor in den trotz Trockenheit reichhaltig blühenden Weinbergen von Pago Casa Gran.

Die Folgen des Klimawandels sind im Weinbau bereits erschreckend sichtbar. In den letzten 10 Jahren hat die Geschwindigkeit deutlich zugenommen. Alle Delinat-Winzer berichten über Trockenstress der Reben, frühere Reife der Trauben, höheren Zucker- und damit Alkoholgehalt usw. Schon vor Jahren war uns bewusst, dass die Probleme, die auf den Weinbau zukommen, eine völlig neue Dimension haben. Die üblichen Massnahmen helfen da wenig. Deshalb haben wir Strategien entworfen, die grösseres Potenzial zur Lösung haben.

Die vielversprechendste war die Permakultur. Sie entstand in den 1970er in den Halbwüsten Australiens, mit dem Ziel, das wenige Regenwasser möglichst optimal zu nutzen. Im Laufe der Jahre haben Bill Mollison und seine Begleiter viele weitere Aspekte in ein umfassendes System eingewoben, das sie «Permakultur» nannten. Noch immer staunt die ganze Welt darüber, wie es möglich ist, in so trockenen Regionen bestens funktionierende Farmen zu betreiben, mit hohen Erträgen, wenig Aufwand und ohne Gift.

Natürliches Wassermanagement als Lösung im Weinbau

Ein natürliches Wassermanagement ist die zentrale Bedingung für das Funktionieren der Permakultur. Es stärkt gleichzeitig das Ökosystem und erhöht die Bodenfruchtbarkeit. Als ich im April 2016 bei Carlos auf Beraterbesuch war, hatte ich ein innovatives Bewässerungskonzept mit im Gepäck. Es brauchte nicht viel, um den dynamischen Winzer zu überzeugen, dass die topografischen Verhältnisse auf Pago Casa Gran ideal sind, um das System ohne teure Investitionen umzusetzen. Mit einem Wasserrückhaltebecken und mehreren horizontal verlaufenden Gräben entlang der Parzellenränder sollte Regenwasser vom Wegfliessen gehindert werden, so dass es langsam versickern und den Grundwasserspiegel auf hohem Niveau halten kann. Dann können die tiefen Wurzeln der Reben auch in langen Trockenzeiten genug Feuchtigkeit schöpfen.

Draussen auf dem Feld schauen wir uns mögliche Standorte für dezentrale Wasserrückhalteflächen an.

Als Carlos im vergangenen Frühling an unserem internationalen Winzerseminar zum Thema Permakultur in Spanien und Portugal mit eigenen Augen sah, dass dieses ausgeklügelte Bewässerungssystem in der Praxis so gut funktioniert, dass innerhalb von wüstenähnlichen Gebieten Oasen mit saftigem Grün, Blumen, Büschen und Früchten möglich werden, zögerte er keinen Moment mehr. Kaum wieder zu Hause, setzte er das von uns vorgeschlagene Bewässerungskonzept in kürzester Zeit um. Nur drei Monate später waren die Massnahmen zugunsten einer natürlichen Wasserretention abgeschlossen. Ob alles wie erhofft funktioniert, wird sich beim ersten grossen Regen zeigen. Bis das Rückhaltebecken ganz gefüllt ist, dürften allerdings etwa drei Jahre vergehen. In dieser Zeit sollte auch der Grundwasserspiegel langsam wieder ansteigen. Dann dürften auch lange, trockene Sommer den Reben auf Pago Casa Gran nicht mehr mehr viel anhaben können.

Daniel Wyss

Daniel Wyss

Ökologe und Winzerberater bei Delinat
Ich freue mich sehr, dass ich bei Delinat mein Hobby zum Beruf machen kann. Mit Forschungs- und Beratungsprojekten unterstützen wir unsere Produzenten, ihre Produktion noch ökologischer zu gestalten.
Daniel Wyss

15 comments

  1. Bei all den Nachrichten über Klimawandel und zunehmende Zerstörung unserer Umwelt sind das Berichte, die Hoffnungsschimmer für mich darstellen Und meine ganze Hochachtung für diese Arbeit und den Einsatz von Delinat. Und das neben dem Einsatz für Nachhaltigkeit auch noch ein leckerer Wein dabei herauskommt, ist das Sahnehäubchen.
    Vielen Dank!

  2. Danke für jedes erfolgreich umgesetzte Permakultur Projekt. Der Erfolg wird für sich sprechen und es werden mehr Permakulturen folgen – und dann, dann wird es wieder bunt und gesund!

  3. Eine Wundervolle Studie und Vorrichtung um den folgen des Klimawandels zu begegnen.in Italienmit Lehmhaltigen BödenSind schon Lange 2.00meter tiefe Gräben um die Felder gezogen wordenum das Wasserlanger im Feld zu halten. JETZT NOCH WASSER-RESERVARE DAZU AUSZUHEBEN FINDE ICH EINE GENIALE ERFINDUNG.
    Danke Hern Wyss und Delinat für die verbreitung dieser Studie.

  4. Dieser Bericht ist fruchtbarer Balsam für alle Besorgten Seelen zum vielschichtigen Thema Wasser. Viel positives geschieht bereits zu hören und lesen überwiegen besorgniserregende Nachrichten.

  5. Ich habe das Wasser-Retentionskonzept in Verbindung mit Permakultur in Tamera kennengelernt, einer Lebensgemeinschaft in Südportugal. Durch einen Staudamm wird verhindert, dass das selten, aber dann reichlich fallende Regenwasser das Tal nicht verlässt. Auf diese Weise ist der Grundwasserspiegel wieder gestiegen und bereits versiegte Brunnen fließen wieder.
    Ich finde es schön, dass gelingende Konzepte, die mit der Natur arbeiten, immer mehr publik werden gerade in den Gebieten der Erde, in denen der Klimawandel bereits zu einer wirklichen Herausforderung geworden ist.

  6. Sehr viele Projekte dieser Art, unter anderem auch Tamera, beruhen auf den Ideen und vor allem den Erfahrungen von Sepp Holzer (www.seppholzer.at/cms/index.php?id=5).

    Eigentlich schade, dass unsere Schweizer Landwirtschaft keine solch wachen Geister mehr hervorbringt.

    Das Klima wird sich weiter ändern, aber nicht wegen, sondern trotz den Menschen. Wer es nicht glaubt, möge dem Vortrag des Nobelpreisträger für Physik von 1973, Ivar Giaever folgen, welchen er an den Lindauer Nobelpreisträgertagen im Jahr 2015 gab (www.youtube.com/watch?v=Dk60CUkf3Kw).

    Es tut gut zu sehen, dass sich Ideen und Erfahrungen von Menschen wie dem Holzer Sepp, den ich vor einigen Jahren persönlich kennen lernte, trotz der unsäglichen Hysterie um Wetter und Klima, stetig weiterverbreiten.

    1. es gibt in der Schweiz mittlerweile eine ganze reihe permakulturdesignerInnen, permakultur.ch, und einige beschäftigen sich intensiv mit der landwirtschaft.
      ich freu mich, dass delinat auch auf die permakultur gestossen ist, eigentlich eine logische folge der früheren aufbauarbeiten
      so schaffen wir’s!

  7. Ich bin sowieso fasziniert vom ganzen natürlichen Kreislauf des Wassers. Der „moderne Mensch“ hatte diese Ressource, besonders das Grundwasser welches eine sehr empfindliche Ressource ist und für den Kreislauf immens wichtig, nahezu kopflos angezapft in allen Teilen der Welt. Würde man aber einen Weg finden wie man diesen vielerorts stark gefährdete Kreislauf stabilisieren kann dann wäre es von enormem Wert für viele gefährdete Ökosysteme.

  8. Wenn ich PERMA höre ruft dieses Wort zuerst Permafrost hervor. Etwas Beständiges. Ich wohne an einem Ort, wo Permafrost ein Begriff ist. Mit meinen Gedanken schweife ich weiter und mit der Permakultur steigen Bilder in mir hoch von den Suonen im Wallis, den historischen Wasserwegen. Ich finde es wunderbar, dass kluge Köpfe die Permakultur fördern.
    Danke!

  9. Es ist so wunderbar, dass mit der Permakulturidee das Wasser mit diesen minimalistischen Methoden aufgenommen und in einen Kreislauf in wasserarmen Gebieten erhalten und genutzt werden kann für das heiligste Getränk dieser Welt.
    Wenn auch die Gärten ein Heil durch das Wasser finden, wird dies so überaus wertvoll für unsere Enkel sein.

  10. Ich bin mir jedoch nicht sicher ob die „Ertragsrebe“ als vergorener Rebensaft (Wein) oder Granatapfel in Form von Granatapfelsaft am heiligsten ist da er in vielen heiligen Schriften erwähnt wird und der Wein vergleichsweise bescheiden dasteht. Um dieser unsicheren Sachlage auszuweichen mische ich auch gerne diese beiden Säfte zu einem Cocktail bei eher bescheidenen aber günstigen Weinen. Wobei die Qualität dieser „heiligen“ Frucht immer mehr in den Keller geht dank Industrieproduktion wo man es noch mit Absicht extraflach und mit platter Süsse hinzüchtet, woran der Mainstream sich aber freut da sie sich nicht am komisch-aromatischen Aroma aufregen können, man kann sich ja schlecht über „Nichts“ aufregen. Ebenfalls ist es auf schlechten Böden gezogen welche noch nie etwas von Permakultur gesehen haben und selbst als Bio (man fragt sich oft was dieses Label heute noch wert ist) aus Spanien schmeckt es so lasch wie der unterste aller flachgebügelter „Süffelweine“, während ein guter Granatapfel eine im Aroma ehrfürchtige Charakteristik hat welche perfekt zu Wein harmoniert. Die Qualitätsunterschiede sind leider brachial und nicht zuletzt hängt es auch mit überdüngten und verwässerten, wo der Boden ständig durchgespült wird da er das Wasser kaum noch halten kann, sowie Stickstoff- und Phosphatböden zusammen wo eine unheimliche Armut an Biodiversität herrscht und aus solchen Böden entspringt kein Geschmack noch Essenz sondern lasche Quantität wo wenige sich regen. Aufregen ist jedoch verlorene Liebesmüh in der Massendiktatur, denn Regung ist meist unerwünscht in einer Welt aufgefüllt mit oft eiskalter Berechnung und fast alles auf Profit ausgerichtet: Wenn man sich da noch ernsthaft regt hat man oft verloren dennoch ist es noch nicht verloren. Selbst industrielle Pflanzenzüchter geben immerhin zu dass die Landwirtschaft in weiten Teilen Biodiversität vernichtet, Grundwasser nicht nachhaltig nutzt, Wasser vergiftet oder verschmutzt und die wohl stärksten Emissionen verursacht. Das wird vorwiegend emotionslos als Fakt angenommen und schnell wieder aus dem Blickfeld verdrängt sobald man ein noch leistungsfähigere Pflanze mit noch höherer Stickstofftoleranz erschaffen hat. Bei Ertragsreben, so nennt man z.B. Merlot im „Pflanzenzucht-Deutsch“, eine Art welche übrigens bei der Sortenvielfalt vermutlich hundert Mal mehr Namen hat als natürliche Sorten und bei der effektiven Sortenvielfalt nicht die obersten Plätze der Kulturpflanzen belegt, sieht es zwar noch besser aus: Allerdings war es unglaublich wie man seit dem zweiten Weltkrieg mit dem Boden umgegangen ist, hier wurde kaum ein Kultur-Boden insgesamt dermassen malträtiert. Umso wertvoller ist hier die jahrzehntelange Tätigkeit von Minderheiten wie Delinat und auch alle welche dem Boden mithilfe Massnahmen wie Biodiversität und eher neuartig mit Permakultur gutes tun wollen. Alles fängt beim Boden an und es hört auch dort wieder auf, dazwischen steht Umwelt, Pflanze/Tiere und Mensch welche in Harmonie symbiotisch agieren sollen und stets dem Boden sowie dessen Lebenselixier, das Wasser, Sorge tragen. Momentan können noch viele wasserreiche Gegenden kurzfristig denken und alles mit Intensivlandwirtschaft übernutzen aber sie werden ohne harmonischere Macharten langsam die Fogen einkassieren, das ist unfeiner als Geldeinheiten, das kann ich versichern denn der Boden wird ab einem Punkt nicht mehr vergeben und das wird nicht lustig werden. Man kann ja dann von mir aus bei der Industrie anklopfen; Nährlösungen und Steinwolle (Hors-Sol) beantragen wo man den Boden damit ersetzen kann und das Ganze noch in kilometerlange Plastikzelte einhüllen, ob daraus Geschmack und gesunde Nahrung entsteht muss jeder selber entscheiden. Lassen wir es besser nicht soweit kommen und geben Gegensteuer: Biodiversität und Permakultur ist enorm wichtig und der einzige nachhaltige Weg. Alles andere wird den Boden auf lange Sicht schwer schädigen, ob man es glaubt oder nicht. Sofern kleinere Ernten beklagt werden: Erstens sind Mischkulturen ergiebiger als man meint, verlagert aber die Arbeit mehr in Menschenhände als Maschine, zweitens hat man ganz einfach über die Verhältnisse geerntet; Denn nur die Zahl im Computer ist theoretisch unbegrenzt, selbst wenn die Pflanzenzüchter kontinuierlich fast unbegrenzte Ertragsverbesserungen weismachen wollen und jede neue Statistik verbessert wurde. Der weise Mensch schaut voraus und nicht hinüber zu neuen anzapfbaren Ressourcen.

  11. Wobei Wassermanagement nur ein Teilbereich der Permakultur ist. In der Grundidee ist es einfach so dass die Natur sich immer bedecken möchte. Selbst die Baumrinde fängt an sich mit Moos zu bedecken und später kommt die Mistel u.a., die Rinde ist nicht das Äusserste. Sofern die Natur freien Lauf hat fängt es erst bei Moos und Gras an und irgendwann endet es im Urwald, der höchsten Vegetationsform mit der höchsten Biodiversität. Landwirtschaftlich ist sowas aber nicht machbar und es sollte ein Kompromiss zwischen dem Willen der Natur und dem Willen des Menschen mit symbiotischer Machart entstehen. Der Wille der Natur ist es dass sie sich bedecken möchte und auch nicht „auf den Kopf gestellt“ durch Pflügen und ähnliches. Wobei man das industrielle Pflügen nicht mit dem „biblischen Pflügen“ vergleichen kann wo der Boden nur minimal „angekratzt“ wurde um es aufzulockern, auch der „biblische Wein“ war etwas völlig anderes, echter Naturwein welcher glücklicherweise immer mehr auch bei Delinat Zugang findet. Auflockerung ist manchmal nötig weil die Vegetationsstufe nicht ausreicht um der Verdichtung genug entgegenzuwirken. Wenn man es aber nicht mehr schonend machen kann sondern mit industrieller Machart ist es ein echtes Problem. Wobei es seit längerem auch hierzulande erfolgreiche Anbauer von Mischkulturen gibt welche komplett pfluglos anbauen und wo das ganze Jahr über das Land immer bedeckt ist, ausser bei einer kurzen Aussaatperiode. Das ist eigentlich die tiefere Philosophie der Permakultur und nicht einfach nur Wassermanagement betreiben: Sprich dem Boden die Möglichkeit zu geben „sich permanent und mit hoher Diversität zu bedecken“, daraus entstehen gesunde und fruchtbare Böden und jegliche Bodenlockerung sollte zurückhaltend und harmonisch erfolgen. Im Optimum fällt das Pflügen sogar ganz weg und ein für sich stabiles permanentes Ökosystem entsteht welches sogar ohne Bewässerung auskommen kann als die höchste dieser Form. Permakultur ist also eigentlich eine Weiterentwicklung der Biodiversität welche aber die Diversität für dessen Gesundheit voraussetzt und es sollte daher die nächste Stufe sein welche Delinat anstreben und unterstützen sollte.

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