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Neue Bäume am Hirschhof: Vitiforst als Lernprojekt

In der Bechtheimer Gemarkung weht der Wind über die Hänge. Reben, Äcker und kaum etwas dazwischen. Genau in diese strukturarme Landschaft pflanzt Tobias Zimmer vom Weingut Hirschhof mit seiner Familie gerade etwas Neues: einen Vitiforst-Streifen, also eine Reihe Büsche und Bäume, 200 Meter lang, mitten zwischen PIWIs im Westen und Grauburgunder im Osten.

Text

Stefanie Zillner
Social Media Managerin
22.04.2026

Zwei von dreissig Rebzeilen weichen dort nun Bäumen und Sträuchern. Was Familie Zimmer dafür gewinnt: Windschutz gegen Verdunstung im Sommer, mehr Lebensraum für Insekten und Kleintiere, und langfristig einen Weinberg, der besser mit Wetterextremen klarkommt.

Vom Hörsaal in den Weinberg

Henri Zimmer, der Sohn von Tobias, hat sich mit Vitiforst schon wissenschaftlich beschäftigt. In seiner Bachelorarbeit hat er untersucht, was Winzer dazu motiviert, überhaupt damit zu beginnen, Bäume anzupflanzen. Das Ergebnis: Es braucht konkrete Anstösse von aussen, Projekte, Förderungen oder Begleitstrukturen. Die Idee allein reicht selten. Mithilfe eines digitalen Tools aus einem Uni-Projekt hat er das neue Vitiforst-Projekt der Familie geplant.

Drei Anläufe, drei Lektionen

Die ersten Pflanzversuche machten die Zimmers vor einigen Jahren. Obwohl die Bäume gut angewachsen waren, haben sie den damaligen trockenen Sommer ohne konsequentes Giessen nicht überlebt.

Vor Weihnachten 2024 folgte ein zweiter Pflanzanlauf mit rund 110 Sträuchern, darunter mit Trüffelpilzen beimpfte Hainbuchen. Der Austrieb erfolgte im Frühjahr 2025, aber dann kam der Wassermangel. Die meisten Bäume haben sich glücklicherweise erholt, aber der Giessaufwand war bald grösser als das, was die Familie nebenbei stemmen konnte.

Im Frühjahr 2025 folgte schliesslich die dritte Charge: drei Aprikosenbäume, sechs Quitten, 13 Haselnuss-Sträucher, 13 Weissdornsträucher und drei Granatapfelbäume. Diesmal geht es den Zimmers nicht nur darum, dass die Pflanzen anwachsen. Sie wollen verstehen, wie sich die neuen Gehölze auf Boden und Tierwelt auswirken, wie sich Aufforstung in den Betriebsalltag integrieren lässt und welche Arbeitsschritte und Routinen es wirklich braucht. Kurz: Erfahrungen sammeln, die man sich nicht anlesen kann.

Rein in den Betriebsalltag

«Das grösste Problem ist die Unsicherheit», sagt Henri Zimmer. «Man kennt sich nicht aus, es ist alles neu.»

Das zeigt sich auch in der Organisation: Gegossen und gepflegt hat die Familie bisher in der Freizeit, weil das Projekt schlicht nicht in den normalen Betriebsablauf eingeplant war. Genau das soll sich im neuen Anlauf nun ändern. Statt alles auf einmal aufzuforsten, arbeitet sich Familie Zimmer Stück für Stück voran und sammelt auf dem Weg wichtige Erkenntnisse. Denn darum geht es beim Vitiforst letztlich: nicht darum, von Anfang an alles richtig zu machen, sondern überhaupt anzufangen. Und dann natürlich dranzubleiben.

Kurz gesagt

  • Vitiforst als ökologisches Projekt: Das Weingut Hirschhof in der Bechtheimer Gemarkung pflanzt einen 200 Meter langen Streifen mit Bäumen und Sträuchern zwischen bestehende Rebzeilen. Ziel ist mehr Windschutz, weniger Verdunstung sowie mehr Lebensraum für Insekten und Kleintiere.
  • Aus der Praxis lernen: Die Familie Zimmer hat bereits drei Pflanzanläufe hinter sich – von trüffelpilzbeimpften Hainbuchen bis hin zu Aprikosen, Quitten und Haselnüssen. Jeder Anlauf brachte neue Erkenntnisse, vor allem rund um die Herausforderungen bei der Bewässerung.
  • Integration in den Betriebsalltag: Das grösste Hindernis ist laut Winzersohn Henri Zimmer nach wissenschaftlicher Betrachtung die Unsicherheit beim Neuanfang. Künftig soll das Projekt schrittweise und fest im Betriebsalltag verankert werden. Ganz klar mit dem Ziel, praxisnahe Erfahrungen zu sammeln, die man sich nicht anlesen kann.

Über die Autorin

Stefanie Zillner

Stefanie Zillner, Social Media Managerin

Lässt man der Natur ihren Lauf, entwickeln sich gesunde Ökosysteme. Unsere Winzer sorgen für die optimale Bedingungen rundherum. Bei Delinat bringt jeder seine Stärken und Ideen ein – und erhält Orientierung und Ressourcen, um Gutes zu schaffen. Deshalb arbeite ich gerne hier.

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