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Schatztruhe Portugal

Landschaftliche, kulturelle und kulinarische Reize machen Portugal zu einer einzigartigen Schatztruhe. Zu den Perlen in dieser Truhe gehören auch die beiden Delinat-Weingüter von Carla Ferreira im nördlichen Dourotal und Vale de Camelos im südlichen Alentejo. Deren Weine gedeihen in einem Umfeld von reicher Biodiversität und sind bei Natur- und Terroir-Liebhabern gleichermassen beliebt.

Text

Hans Wüst
Redaktor
08.10.2026

Carla Ferreira im Weingarten
In den terrassierten Rebbergen von Carla Ferreira auf dem Weingut Conceito Vinhos im Douro Superior geht es steil bergauf.

Von der spanischen Grenze her hat sich der Fluss Douro im Norden Portugals über Jahrmillionen tief ins Gebirge eingefressen um in der Hafenstadt Porto in den Atlantik zu münden. Die grandiose landschaftliche Kulisse, die er hinterlassen hat, wurde auch stark von Menschenhand mitgestaltet.

Weinbauern haben die steilen Hänge links und rechts vom Ufer mit unzähligen Rebstöcken bepflanzt. Steil bergauf gehts auch in den terrassierten Rebbergen von Carla Ferreira auf dem Weingut Conceito Vinhos im Douro Superior. Ihre feinen und frischen Weine entstehen aus autochthonen Rebsorten wie Touriga Nacional, Touriga Franca oder Tinta Roriz (Tempranillo). Und weil Carla Hand in Hand mit der Natur arbeitet, spiegeln sie das örtliche Terroir unverfälscht wider. Im Umfeld des Weingutes warten neben der spektakulären Landschaft weitere Höhepunkte auf Reisefreudige.

Douro Superior
Die Schönheit des Douro-Tals beeindruckt immer wieder aufs Neue.

Die Gastronomie glänzt mit Fleisch- und Käseplatten als Vorspeisen. Wildschwein (und anderes Wild), Reisgerichte und Bacalhau stehen als Hauptspeisen oben auf der Menükarte. Neben vielen einfachen Lokalen mit guter Küche hat auch die Spitzengastronomie ihren Platz. Mit Rui Paula stammt einer der renommiertesten Köche Portugals aus dem Dourotal. Sein Restaurant DOC direkt am Ufer des Duero bietet gehobene Küche mit grossartiger Weinauswahl in traumhafter Umgebung.

Vollmondnacht in der Altsteinzeit

Ganz weit hinten im Tal, fast an der spanischen Grenze, führt Ana Berliner im historischen Dorf Castel Rodrigo das Casa da Cisterna. In dieser stilvollen Anlage lässt sich wunderbar ausspannen. Man kann von hier aus aber auch eine Zeitreise in die Anfänge der Menschheit unternehmen. Wir hatten dafür eine Vollmondnacht «gebucht». Über holprige Strassen gings per Jeep ins Côa-Tal.

In diesem Seitental des Douro liegt ein einzigartiger Kunstschatz: Im hellen Schein von Vollmond und Taschenlampe staunten wir über guterhaltene Felsmalereien und Gravuren, von denen die ältesten 25'000 Jahre zurück in die Altsteinzeit reichen. Ein mystischer Augenblick in magischer Sommernacht.

Facettenreiches Alentejo

Weniger bekannt ist das Alentejo, die einstige Kornkammer Portugals. «Das Alentejo ist wahnsinnig vielseitig – meine Lieblingsregion in Portugal», sagt Delinat-Reiseleiterin Nora Beck, die seit sechs Jahren in Portugal lebt. Sie empfiehlt, die Reisezeit so zu legen, dass es nicht zu heiss ist: Frühling oder Herbst sind ideal. Die Gastronomie erinnert hier mitunter an Spanien. In den typischen Restaurants des Südens ist beispielsweise das Porco Preto beliebt, die portugiesische Variante des Pata Negra. Zu einem Gastronomie-Hub hat sich Évora, die lohnenswerte Hauptstadt des Alentejo, entwickelt.

Vale de Camelos im Alentejo
Weniger bekannt, ist das bezaubernde Alentejo im Süden Portugals.

Moderne portugiesische Küche mit Fokus auf saisonale und regionale Produkte geniesst man im Restaurant Origens. Als Herberge ist die Pousada Convento Évora, ein altes Kloster aus dem 15. Jahrhundert, eine gute Adresse. Das Alentejo ist auch als Zentrum der Korkproduktion bekannt. Die Korkgewinnung gilt hier als jahrhundertealtes Handwerk, das seit jeher auf Qualität bedacht ist. Beim Weinbau hat der Qualitätsanspruch die Massenproduktion erst um die Jahrtausendwende abgelöst.

Weinbau als Herausforderung

Ein Aushängeschild des Qualitätsweinbaus mit höchsten ökologischen Ansprüchen ist das Weingut Vale de Camelos. Ich erinnere mich noch gut an den Sommer 2013, als wir zusammen mit den Gutsbesitzern Antje und Thorsten Kreikenbaum in den Korb eines Heissluftballons gestiegen und lautlos durch die schwülen Lüfte über dem riesigen Anwesens geschwebt sind. Aus der Vogelperspektive war eindrücklich zu sehen, wie es dank jahrzehntelanger Anstrengungen gelungen ist, die Biodiversität in dieser wüstenähnlichen Umgebung zu fördern. Das Weingut erschien von oben als grüne Oase mit fünf grossen Regenwasserteichen, unzähligen Rebstöcken, Oliven-und Johannisbrotbäumen sowie Stein- und Korkeichen in einer ansonsten braunen, ariden Landschaft. Würden wir heute die Ballonfahrt wiederholen, wäre das Bild noch wohl noch imposanter: In den vergangenen 13 Jahren wurden weitere Pinien- und Korkeichenwälder aufgeforstet und bei den Weinbergen nochmals viele Bäume und Sträucher gepflanzt.

Luftaufnahme Vale de Camelhos
Eine Luftaufnahme von besagter Ballontour im Jahr 2013. Seither hat man es auf Vale de Camelos geschafft, noch mehr Grünraum für Tiere, Pflanzen und letztendlich auch den Menschen zu schaffen.

Viel mehr als nur Reben

2023 sind auch einige neue lokale Rebsorten mit grossem Potenzial für Widerstandsfähigkeit und Anpassungen an die klimatischen Veränderungen hinzugekommen. Viel wurde zudem in Gebäudesanierungen und Gewinnung von Sonnenenergie investiert. In einem neuen Verkaufsraum lassen sich die feinen Weine von Vale de Camelos jetzt in einem ansprechenden Rahmen verkosten. Besonders viel Freude bereitet auch das umgesetzte Projekt zur Erhaltung einer lokalen Schafrasse. Antje: «Die Herde wächst und gedeiht …». Ein weiteres Projekt ist die Wiederansiedlung des iberischen Luchses. Dafür werden die Schutzflächen entlang des Flusses erweitert.

Über die Autorin

Hans Wüst

Hans Wüst, Redaktor

Die Natur fasziniert mich. Und Wein, als eine Facette davon, ganz besonders. Bei Delinat gibts beides in einer wunderbaren Symbiose.

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