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Medaillen sind kein Garant

Weinprämierungen sind im Trend. Medaillen und Parker-Punkte sind gute Marketinginstrumente und Motivationspritzen für die Winzer. Als Entscheidungshilfe für Weinliebhaber taugen sie dagegen nur bedingt. Nur wer selber verkostet, weiss, ob ihm ein Wein wirklich schmeckt. Und letztlich zählt nur das.

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Dirk Wasilewski
Diplom-Sommelier
02.06.2016

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Wettbewerbe und Prämierungen sind in der Weinwelt besonders beliebt. Parker-Punkte, Gold- und Silbermedaillen, Empfehlungen aus Weinführern und Magazinen – das alles können durchaus nützliche Hilfestellungen für unschlüssige Weinfreunde sein. Doch aufgepasst: Blindes Vertrauen zahlt sich meist nicht aus.

Medaille Expovina

Gegen Weinwettbewerbe und professionelle Weinverkoster lassen sich nämlich einige Vorbehalte ins Feld führen. So macht es die inflationäre, kaum noch zu überblickende Vielfalt an Prämierungen schwierig, den Überblick über Seriosität und Bedeutung der einzelnen Anlässe zu behalten. Manchmal lassen sich einzelne Ergebnisse kaum nachvollziehen – etwa wenn derselbe Wein an zwei verschiedenen Anlässen völlig unterschiedlich bewertet wird. Vielfach sind die Ergebnisse auch deshalb nicht repräsentativ, weil viele Spitzenweingüter an Prämierungen gar nicht teilnehmen.

Berlin Weintrophy

Aus solchen Gründen halten auch wir uns zurück und nehmen jährlich nur an vier ausgewählten, seriösen Wettbewerben teil. Es sind dies die Berliner Weintrophy, die MUNDUSvini, (der grösste internationale Weinwettbewerb), die MUNDUSvini Biofach in Nürnberg sowie die Expovina in Zürich. Hier werden nicht einfach massenweise Weine ausgezeichnet, sondern es gelten die Normen der Internationalen Önologenunion (UIOE) für Weinwettbewerbe, wonach in jeder Kategorie höchstens 30 Prozent der eingereichten Weine von einer ausgewiesenen Fachjury mit einer Medaille prämiert werden dürfen. Seit 7 Jahren nehme ich selbst als Jurymitglied an der Expovina teil. Der Ablauf der Degustationen ist beispielhaft: Im letzten Jahr wurden an vier Tagen ca. 2\'200 Weine degustiert. Die Jurymitglieder sind Spezialisten aus der Weinbranche: Einkäufer, Weinhändler, Winzer, Weinakademiker, Sommeliers. Pro Tag sind 60 Weinprofis vor Ort, die vor der eigentlichen Degustation "geeicht" werden: Drei Weine werden als Eichweine blind verkostet und bewertet. Dann beginnt die eigentliche Degustation. In Gruppen von 5 Personen mit jeweils einem "Tischchef" werden ca. 45 Weine in drei Blöcken mit kurzen Pausen blind degustiert und bewertet. Diese Weine haben jeweils eine ähnliche Stilistik und kommen in der Regel aus einer Region (z.B. Valpolicella Amarone), auf die  die jeweiligen Degustatoren sich spezialisiert haben. So gehört die Expovina zu den professionellen und seriösen Weinprämierungen - nicht alle Wettbewerbe führen diesen aufwändigen Ablauf durch.

Selbstverständlich freuen auch wir uns darüber, wenn die Weine unserer Winzer an solchen renommierten Anlässen mit Medaillen ausgezeichnet werden. Erfreulicherweise ist das oft der Fall. Klar aber ist auch: Statt einfach auf Namen und Marken, auf Gold und Silber oder hohe Bewertungspunkte zu vertrauen, lohnt es sich immer, einen Wein selber zu probieren. Erst dann weiss man wirklich, ob er einem zusagt oder nicht. Dafür hat Delinat übrigens den DegustierService erfunden – nach unserer Überzeugung nach wie vor der verlässlichste «Weinwettbewerb». Mit diesem Wein-Abo lassen sich zu Hause in aller Ruhe regelmässig neue Weine entdecken und bei Gefallen nachbestellen.

Konnten Sie bisher auf Medaillen und Punkte vertrauen? Oder sind Sie schon einmal von prämierten Weinen enttäuscht worden? Wir freuen uns über Ihre Erfahrungen - schreiben Sie einfach unten in die Kommentare.

Über die Autorin

Dirk Wasilewski

Dirk Wasilewski, Diplom-Sommelier

Als Sommelier stehen für mich Genuss und Qualität an erster Stelle. Für den Genuss ohne Reue brauchen wir aber ökologisches Denken und Handeln. Dies zu erreichen ist mein Wunsch und täglicher Antrieb.

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