Wie viel ist ein Wein wert?

Das Spektrum der Weinpreise ist enorm: Es reicht von unter 3 bis zu mehreren tausend Franken bzw. Euro pro Flasche. Was macht diese riesigen Unterschiede aus?

Weine im Billigstsegment stammen meist aus Massenproduktion und kommen nach einer Vinifikation im Schnellzugstempo möglichst rasch auf den Markt. Weine am andern Ende der Preisskala sind meist gehaltvolle, aufwändig produzierte Gewächse aus kleinen Erträgen. Da bestimmt oft der Markt den Preis: Renommée, Prestige, knappe Menge und geschicktes Marketing steigern die Nachfrage und treiben damit den Preis in astronomische Höhen.

Weinkeller im Château Duvivier
Lagerung im kleinen Barrique oder gar im Beton-Ei macht die Wein-Herstellung aufwändiger. Im Bild der Weinkeller von Château Duvivier.

Ich behaupte: Jede Flasche Wein, die mehr als 60 Franken kostet, ist im Prinzip zu teuer. Selbst bei den besten Tropfen belaufen sich die reinen Produktionskosten kaum je über 20 Franken. Nur in Ausnahmefällen – etwa bei ganz kleinen Mengen oder bei besonders aufwändigen Produktionsmethoden (Amarone) – können sie deutlich höher ausfallen.

Bei Delinat gibt es keine Weine aus den beiden erwähnten extremen Preissegmenten. Es zählen weder Masse noch berühmte Namen und Prestige, sondern ein optimales Preis-Genuss-Verhältnis. Aber auch bei unseren Winzerweinen aus vorwiegend familiären Betrieben, die sich einem konsequent ökologischen Weinbau verschrieben haben, gibt es deutliche Preisunterschiede. Diese ergeben sich aus vielen verschiedenen Faktoren. Aussergewöhnliche Jahrgänge steigern Nachfrage und Preis. Wein aus eher unbekannten Regionen wie Corbières, Navarra oder Sizilien ist meist günstiger zu haben, als aus berühmten Appellationen wie Bordeaux, Ribera del Duero oder Bolgheri.

Steillage Mosel
Steillagen wie hier im Urstromtal der Mosel bei Timo Dienhart erfordern Handarbeit im Weinberg.

Auswirkungen auf den Preis hat auch die Lage des Weinbergs: Top- oder Steillagen mit optimaler Sonneneinstrahlung, vielfältiger Geologie und reicher Biodiversität ergeben eine bessere Traubenqualität als überdüngte Böden im Flachland. Ein wichtiger Faktor ist die Arbeit des Winzers: Kleinstrukturierter Weinbau mit grosser Naturvielfalt verlangt mehr Handarbeit als eine grossflächige Rebplantage, wo Maschinen eine zeitsparende und rationelle Bearbeitung ermöglichen. Winzer, die ihre Erträge zugunsten der Qualität tief halten, dürfen zu Recht mit besseren Preisen rechnen. Schliesslich beeinflussen Kellerausstattung, Qualität der verwendeten Gebinde (alte oder neue Barriques; Qualität des Eichenholzes) sowie Dauer der Reife- und Lagerzeit den Preis.

Weinernte Vollernter
Der Vollernter ermöglicht eine schnelle und rationelle Lese. Aufwändige Selektionierung des Leseguts ist dabei allerdings nicht möglich.

Für mich sind längst nicht immer die edlen und teuren Gewächse die beste Wahl. Fruchtbetonte, elegante Tropfen aus reicher Natur, die schon in jungen Jahren volles Trinkvergnügen bieten, kosten vielleicht die Hälfte und passen bei vielen Gelegenheiten perfekt. Was meinen Sie? Wie viel darf ein Wein kosten?

Und noch ein Tipp: Sündhaft teure Kultweine gegen Delinat-Spitzengewächse: Machen Sie die Probe aufs Exempel bei einer Blinddegustation in unserem Weinkurs «Königsklasse».

Hans Wüst

Hans Wüst

Redaktor bei Delinat
Der Mensch kann die Natur malträtieren oder in Harmonie mit ihr zusammenarbeiten. Egal, wofür er sich entscheidet, sie ist immer stärker. Weine, die im Einklang mit der Natur hergestellt werden, sind deshalb nicht nur besser, sie haben auch eine ganz andere Aura.
Hans Wüst

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21 comments

  1. Auch bei Delinat sind Weine unter Fr. 10 im Angebot. Da kommt bei mir immer die Frage: „Wie ist das möglich?“. Sind das Rebplantagen mit maschinellem Einsatz bis hin zum Wimmet und sehr tiefen Personalkosten?
    Wir sind eine Gruppe von Hobbyrebbauern, bewirtschaften eine Fläche von 0.3ha. Wir haben keine Lohnkosten, nur Kelterungskosten von ca. Fr. 5.– pro Flasche (7.5dl) plus die Bewirtschaftungskosten des Rebbergs.
    Mein bevorzugtes Preissegment liegt bei 10-20 Fr., was ich als fair und angemessen betrachte. Beim Delinat Angebot finde ich immer wieder neue hervorragende Weine und habe natürlich meine bevorzugten Klassiker dabei.

    1. Ja, auch bei Delinat gibt es einige Weine unter 10 Franken. Auch in diesem Segment können gute Weine aus ökologisch nachhaltigem Anbau hergestellt werden. Meist stammen diese Weine von Winzern oder Kooperativen, welche grössere Mengen herstellen und deshalb Kostenvorteile erwirtschaften können. Auch kann ein höherer Ertrag pro Hektar erzielt werden.

      Selbstverständlich müssen aber auch diese Produzenten die strengen Delinat-Richtlinien erfüllen, welche neben Punkten zu Anbau und Ausbau auch soziale Mindestanforderungen beinhalten.

    2. Hallo,
      Meine Meinung ist wie die von Herrn Hans Wüst.
      Weine die im Einklang mit der Natur hergestellt werden, sind immer besser und haben eine sehr, sehr gute Aura.
      In diesem Sinne grüßt Renate van Schöll
      P.S. Mein Vater war Destillateur/ Kellermeister.

  2. Ich gebe Herrn Wüst völlig Recht. Klar, dass ein Wein mit den Standards von Delinat nicht im untersten Billigsegment landen kann, aber das soll er ja auch gar nicht. Es ist doch wie bei allen Lebensmitteln:Qualität hat ihren Preis. Und was die ganz teuren Weine angeht:ich brauche so etwas nicht, wäre wahrscheinlich auch gar nicht in den Lage hier einen Unterschied zu schmecken (wenn es denn überhaupt einen gibt…). Aber wer will soll sich gerne einen Chateau Margaux von 2009 gönnen, wenn er denn ca. € 1000 pro Flasche bezahlen kann. Schmecken kann er so gut gar nicht…

  3. Vielen Dank für den Artikel. Der Preis sollte zweitrangig sein. Eine Flasche Wein sollte man mit einem guten Gefühl öffnen und dann genießen können. Bei Delinatweinen ist das zum Glück der Fall. Man weis welche Personen hinter dem Wein stehen und man hat immer das Gefühl ein Stück der Natur zu genießen. Das einige Weine bei Delinatweinen trotz des Aufwandes so günstig angeboten werden ist dann noch so ein schönes Bonbon.

  4. Es ist bestimmt richtig, dass auch Weine verschiedene Preise haben dürfen, wie alles, was auf dem Markt angeboten wird. Unter den Lebensmitteln und den Genussmitteln- den Wein rechne ich beiden zu – kann vor allem der Wein der Gesundheit sehr dienen. Ich denke dabei an meine Schwester, die im Kloster bis in ihr hohes Alter von 93 Jahren, täglich ein Gläschen ROTEN zum Mittagessen trinken durfte und dabei erklärte, dass ihr dieser Genuss spürbar sehr gut tue.
    Und der Klosterwein war sicher nicht von den teuersten.
    Ob nun aber jemand nur den teuersten Wein als besten erklärt und dank seinem Einkommen oder Vermögen lediglich diesen trinkt, ist schliesslich seine Sache. Nur sollte der Preis nicht seinen persönlichem Dünkel kitzeln.

  5. „Watt nix is, koss‘ nix““ sagt z.B. der Kölner. Da ist was dran. Und dennoch, manchmal habe ich das Gefühl (und nicht nur ich), dass bei vielen Weinhändlern gewaltig geschummelt wird. Lassen Sie mal auf allen Flaschen das Etikett weg und dann ran an die edlen Tropfen. Da versagen dann auch die besten sog. Sommeliers. Und warum? Weil der eigene Geschmak entscheidend ist und der ist bekanntlich bei allen verschieden. Und, das ist auch gut so.
    Nur schade, dass man – beim Weinhandel – immer erst eine Kiste kaufen muss, um dann festzustellen, dass „der“ es doch nicht ist. Da helfen keine noch so gut formulierten Adjektive.
    Fazit: Es gibt gute und weniger gute Weine, aber bei 20 € für eine Flasche ist auch bei mir Schluß.
    Und, es gibt jedes Jahr neue und gute Weine. Probieren, immer wieder auf‘ Neue!

  6. Was für uns beim Wein zählt ist in etwa ähnlich wie bei Lebensmitteln – wir wollen Naturschutz und Artenvielfalt – wir wollen faire Arbeitsbedingungen und Einkomen für die Menschen – wir wollen natürlichen Geschmack ohne Künstlichkeit – wir wollen faire Preis für faire Produkte.
    Dieser, einer unserer Lebensgrundsätze erklärt was uns wieviel Wert ist – ein Wein um € 3,- fällt da genauso wenig hinein wie einer um € 300,-
    Das Delinat-Angebot bietet ein breites Spektrum und immer wieder finden wir auch bei Reisen Weinbauern, die zwar (leider) nicht bei Delinat vertreten sind – aber nichts desto trozt sehr guten Wein erzeugen – letztes Beispiel vom vorigen Wochenende das Weingut Herrgott in der Steirmark
    in St. Stefan ob Stainz – ein kleiner Demeterbetrieb der unseren Kriterien zu 100 % entspricht.

  7. Ich glaube,dass alle „Lebensmittel“ihren Wert haben und man gute Qualität auch schmecken kann. Viele Menschen sind nur erstaunlicherweise nicht bereit den angemessenen Preis zu bezahlen . Schade eigentlich.Meine persönliche Preisspanne bei Weinen liegt bei maximal 40 €. Irmela Mengel

  8. Vielen Dank. Es beruhigt mich, dass auch deutlich bessere Weinkenner als ich es bin, es auch so sehen. Delinat ist für mich ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, dass es ausgezeichnete Tropfen zu einem vernünftigen Preis gibt. Für mich ist auch etwas unter den 60 Euro Schluß, ähnlich wie es Frau Mengel schreibt. Ich habe den Eindruck, dass das was drüber ist, in vielen Fällen mit viel Show und „möchtegern“ zu tun hat.

  9. Danke für den Artikel und alle bisherigen Kommentare. Ich unterschreibe Ihren Artikel, Herr Wüst, und alles, was dazu an Kommentaren verfasst wurde (im Prinzip).
    Ich selbst habe einen kleinen Weinberg, den ich von meinen Eltern geerbt habe und auf dem vor einigen Jahrzehnten Wein (besser: „Amerikaner“) gepflanzt, gepflegt und geerntet wurde. Somit trinke ich vor allem Weißwein, der mich „gar nichts kostet“. Die letzte Formel setze ich in Anführungszeichen, weil ich sehr wohl weiß, was ich jährlich ausgebe allein für Korken, Helfer, Kellermeister usw. (meine persönliche Arbeit ist immer Hobby).
    Und so sind all die, die ständig im ALDI auf Rotwein-Schnäppchenjagd sind und immer meinen, das Billigste sei das Beste, für mich geradezu schlimme Menschen – wie alle Discounter selbst, die ihre Winzer in die Tragik des Kniefalls bringen.
    Nein, ich kaufe oft bei Delinat ein, und ich sage allen:
    Ein Wein unter 5 Euro ist ein Kniefall oder ein „In die Knie zwingen“. Aber genauso wenig Verständnis habe ich für Winzer und Menschen, die für einen Wein mehr als 30.- € verlangen und bezahlen.

    Mit herzlichem Gruß –

    Fredy Weber

  10. Wir sind froh, das es Delinat, – Weine aus reicher Natur gibt, von der (Natur) es nicht mehr viel gibt.

    „Kritisch sollte man immer damit umgehen und Delinat geht Fair damit um, so glauben Wir“!

    Jeder Verkoster hat eine annehmbare Chance seinen Wein vom Geschmack und PREIS bei Delinat zu bekommen, wenn Kunde und Anbieter (Delinat) offen und ehrlich damit umgehen und bei Delinat haben WIR den Eindruck!

  11. Zwei Dinge sind für mich elementar; zum einen die Ökologie, d.h. ein nachhaltiger, verantwortingsvoller Umgang mit unseren natürlichen Resourcen und das richtige Maß, z.b. beim Preis/Leistungsverhältnis. Bei Delinat finde ich beides erfüllt und genieße deshalb zu 90% Bioweine. Vielen Dank dafür.
    Werner Nenning

  12. Ich trinke seit einigen Jahren Wein. Ich persönlich teile die Weine, unabhängig vom Preis, in schmackhafte und nicht trinkbare Weine ein. Ein Preislimit für eine Flasche Wein habe ich für mich bei 20 € gesetzt.

    Ansonsten ist der Weinpreis eine Frage von Angebot und Nachfrage. Wenn jemand bereit ist 900 € für eine Flasche Wein zu zahlen, soll er das machen. Ich werde Ihn nicht daran hindern.

    Irgendwie müssen „reiche Menschen“ ja Ihr Geld ausgeben, wenn Sie schon alles haben.

  13. Delinat Weine haben schon viele Jahre mein Vertrauen. Ich schätze sehr den nachhaltigen Umgang der Natur, die Biodiversität, Ökologie und Herzblut nach welchen die „Delinat-Winzer“ ihre Weine anbauen.

    Bin bereit für (besonderen Anlass) eine Flasche Wein auch mal 30-40CHF auszugeben. Meine Preisvorstellung bewegt sich meist aber im Bereich zwischen
    13-20CHF.

  14. Delinat hat durchaus sehr gute Weine und die Auswahl entspricht sicher einem breiten Publikum.
    Ich kann bei Delinat in einem Preissegment von 12.- bis 20.- Franken einen sehr guten Wein kaufen, dass ich sehr zu schätzen weiss. Mir haben es vor allem die spanischen Weine angetan, diese haben gegen früher enorm an Qualität aufgeholt. Die Ambiance und die Beratung der Weinkenner sind mir in Geschäft sehr wichtig. Es passt einfach!

  15. Beim Preis und Leistung habe ich schon vieles erlebt. Sehr günstige Weine welche sehr gut waren und teure Weine welche kaum etwas taugten oder einfach nur zu teuer trotz guter Aromatik. Einige Weine sind zwar gut aber z.B. der „Orgno Merlot“ (für mich fast der einzige gute Merlot) ist zwar delikat aber für bischen mehr als 30 CHF habe ich einen „L’Angelet Crianza“-Wein bekommen mit fast gleicher Charakteristik (aromatisch, würzig, gut abgelagert, dicht) welcher auch ähnliche Freude bereitete. Ich bin deswegen der Meinung dass es in Ausnahmefällen bis 50 CHF (bischen mehr als 40 EUR) gehen darf aber allgemein ist 30 CHF so ziemlich die Grenze was ein exzellenter Wein kosten muss und auch nur bei aufwendigen Kleinproduktionen mit weniger als 15 000 Flaschen. Bei Grossproduktionen, über 15 000 Flaschen würde ich schon bereits die 20-25er Marke als ziemliches Maximum ansehen, aber wie immer keine Regel ohne Ausnahme. Am Ende muss man einfach sehen, jeder verlangt üblicherweise „was er kann“, nicht „was er muss“… solange jemand es schafft durch diverse Marketing oder Prestige-Methoden etwas als besser anzupreisen als es wirklich ist dann wird es auch mehr kosten, ganz egal was es effektiv wert wäre oder in der Produktion gekostet hatte. Das ist das Resultat der heutigen profitorientierten Marktwirtschaft und ein wenig gesunde Skepsis ist nie verkehrt. Den Wert einer Ware soll und darf man immer hinterfragen, selbst wenn Emotionen im Spiel sind und man es sich einfach leisten möchte.

    Bei der Frage ob Genuss- oder Nahrungsmittel: Würde ich jeden Tag 3 KG Ananas essen mit etwa 450g Monosacchariden und gleich 1.5 KG auf einmal, zweimal pro Tag für sehr lange Zeit dann würden mich diese anscheinend gesunde Ananas irgendwann genau so krank machen wie wenn es mehr als einen halben Liter Wein am Tag wäre für lange Zeit. Genuss war beides und schädlich kann auch beides sein. Sowohl ein Übermass an Alkohol (Alkohol ist eine Zuckerart) wie auch andere Zuckerarten z.B. von riesigen Mengen Früchten, kann eine Fettleber erzeugen. Jetzt kommen wir zur Lösung des Problems, es kommt wie immer auf die Menge an, selbst Wein ist in der richtigen Menfe ein gesundes Nahrungsmittel. Genuss wie auch Verdruss kann absolut jedes Nahrungsmitttel sein, selbst Wasser kann im Übermass Ödeme verursachen und sogar den Tod als Folge haben. Hier muss ich sogar den „Wasserfürsprechern“ widersprechen, selbst hier gibts ein maximales Mass ehe es bedenklich wird. Eine wissenschaftlich klare Definition „Genussmittel“ gibt es nicht, es ist rein wirtschaftlicher Natur. z.B. kann man mehr Steuern verlangen und muss nichts mehr deklarieren.

  16. Ich möchte noch hinzufügen dass es fragwürdig ist irgendwelche Preisvorstellungen so pauschal als ultimativ zu betrachten, sowohl gegen unten wie gegen oben. Um das Thema aber etwas tiefergründig zu verstehen müsste ich einen kleinen Essay machen, denn es ist wichtig etwas zu hinterfragen ehe man urteilen kann; So reine Gefühle/Urteile basierend auf gesellschaftlichen Mentalitäten (sehr selten die eigenen) reichen da kaum aus.

    Das Problem ist dass heutzutage viele Betriebe immer grösser werden und die quantitative Kosteneffizienz auch immer grösser. Delinat hat viele Weine von Kleinanbietern nicht im Sortiment da einfach zu bescheiden in der Quantität. Für Grossanbieter (Delinat gehört heutzutage mit mehreren Millionen Flaschen/Jahr auch dazu) richtig interessante Betriebe haben an die 50 Hektaren und mehr Land, mit Spitzengrössen von bis zu 200 Hektaren. Das entspricht etwa 200 Fussballfelder der höchsten Grössenklasse. Der Ertrag von Wein liegt enorm variabel zwischen 10 und 200 hl/ha = Hektoliter pro Hektare, was etwa 2 bis 30 Tonnen Weintrauben pro Hektare oder Riesenfussballfeld entspricht. Ausserdem macht es einen grossen Unterschied wie man es erntet/anbaut, wo man es erntet/anbaut, sowie auch wie und wie lange es gelagert wird. Das alles sind grosse Kostenfaktoren. Der Kunde kann diese Daten aber kaum beurteilen da diese Daten nur selten richtig offengelegt werden. Man kann auf Umwegen die Betriebsgrösse rausfinden, wenn man jedoch Flaschenanzahl, Ertrag, effektiven Aufwand u.a. wissen möchte kommt man sofort an fast unüberwindbare Intransparenz-Mauern. Nur schon die Offenlegung von den Inhaltsstoffen im Wein ist oft fast unmöglich und wenn man den Winzer fragt dann wird er bestimmt nichts konkretes sagen ausser es hört sich toll an, so ist es auch mit fast allem was das Thema betrifft.

    Das was überhaupt je klar sichtbar offengelegt wird sind kleine Vorzeigebetriebe mit kaum mehr als 25 Hektaren und Kleinstproduktionen. Mit diesen verdient man aber nicht das grosse Geld, sie haben vorwiegend eine Marketingrolle. Erst bei dem was oberhalb 25 ha, eher sogar 50 ha stattfindet, erst dort wirds für Profit so richtig interessant. Ich möchte hier niemanden anprangern, es ist einfach die Konsequenz des herrschenden Systems. So lange man sich nicht zu schade ist um auch kleinere Betriebe zu unterstützen und dort faire Abnehmerpreise bezahlt ist es auch ethisch in Ordnung. Diese Kleinbetriebe geben auch etwas zurück in Form von Werbung und Prestige.

    Ein Betrieb mit 50 ha kann durchaus mindestens 5 Weinlinien (separate Weine) haben, das entspricht 10 ha pro Linie was am Ende etwa 75 000 Flaschen je Linie entspricht: Das ist die typische Grossproduktion. Kleinere Betriebe haben oft nur einen Bruchteil davon. Richtig klein wirds jedoch erst unterhalb 15 000 je Linie (Abfüllung) nach meiner Einschätzung, diese Betriebe werden heutzutage immer seltener und nur hier sind richtig hohe Preise oberhalb 30 CHF wirklich angemessen. Auch Delinat hat eine handvoll dieser Anbieter auch wenn sie sich rar machen z.B. „Viñas del Cámbrico“ (13 ha) oder „Bauer-Pöltl“ (16 ha).

    Jetzt, wie man sieht kann man nichts pauschalisieren. Es ist möglich für 10 CHF guten und fair bezahlten Wein zu produzieren aber ebenso können mickrige Produktionen (unter 15 000 Flaschen je Weintyp) schonmal 30 bis 50 CHF kosten ohne dass es überrissen wäre. Es kommt stark auf die Produktionsweise an, eine vereinheitlichte Kostenbeurteilung ohne dass man die Situation bis ins Detail kennt ist unmöglich. Wie schon gesagt macht die Intransparenz diese Beurteilung meistens fast unmöglich. Insofern kann man aber davon ausgehen dass es sich um grössere Produktionen handelt wo ich die Obergrenze bereits bei 20-25 CHF ansetze.

    Selbstverständlich, jeder beurteilt einen Geschmack anders. Es ging beim kurzen Essay nicht darum um zu sagen wie viel mir oder sonstwem ein bestimmter Wein effektiv wert ist bezüglich Preis/Leistung sondern nur darum rein sachlich eine Kostenbeurteilung in ein nachvollziehbares Schema zu bringen und dass Äpfel nunmal keine Birnen sind und erst recht keine Weintrauben.

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