Winzertreffen auf Sizilien

Starke Regenfälle und Überschwemmungen auf Sizilien machten Mitte März nicht nur die Anreise zum diesjährigen Winzertreffen bei MaggioVini in Vittoria ziemlich kompliziert, sie beeinflussten auch das Programm.

Winzer-Treffen Italien 2012 bei Salustri

Winzerberater Rolf Kaufmann (Delinat, 4.v.l.) mit den italienischen Winzern im Weinberg.

Schwerpunkt: Delinat-Richtlinien

Unser Winzerberater Rolf Kaufmann präsentierte die Neuerungen 2012 bei den Delinat-Biorichtlinien. Diese werden aufgrund von neuen Erkenntnissen laufend weiterentwickelt und verbessert. Weiter konnte Rolf über neue Projekte auf verschiedenen italienischen Weingütern und erste Erfahrung mit dem Einsatz von Pflanzenkohle als Bodenverbesserer berichten. Diese weisen darauf hin, dass die Rebe auf einen mit Pflanzenkohle angereicherten Boden mehr Nährstoffe aufnimmt, was sich sehr positiv auf die Gärung auswirken kann.

Praktischer Anschauungsunterricht

Das Weingut von Massimo Maggio ist als italienischer Partner im Forschungsnetzwerk des Delinat-Instituts prädestiniert für praktischen Anschauungsunterricht. Daher wurde viel Zeit in die Betriebsbesichtigung investiert. So konnten die andern Winzer Ideen sammeln, die sie auch auf dem eigenen Weingut umsetzen können. Besonders beeindruckend war für uns alle, wie es Massimo im heissen und trockenen Sizilien immer wieder schafft, mit unterschiedlichen Einsaaten und Begrünungsversuchen die Biodiversität in seinen Weinbergen optimal zu fördern.

Grosses Interesse zeigten die Winzer auch für alternative Spritzmittel gegen den falschen Mehltau, wie sie Winzer Walter Fromm in der Toskana getestet hat. Winzer Claudio Menicocci aus der Region Lazio nördlich von Rom präsentierte seinerseits einen Versuch mit Brutkästen. Mit der Förderung der Biodiversität durch Pflanzen von Bäumen und Büschen und dem Installieren von Brutkästen im Weinberg möchte er herausfinden, ob dadurch der Weinberg als Habitat für Vögel attraktiver wird.

Einstein interessiert sich für Pflanzenkohle

Am 24. November 2011 hat das Schweizer Fernsehen im Wissenschaftsmagazin «Einstein» eine Reportage über die Arbeit des Delinat-Instituts gesendet. Hauptthema war die Produktion und der Einsatz von Pflanzenkohle im Weinbau. Der Beitrag zeigt leicht verständlich, wie Pflanzenkohle aus Grünabfällen entsteht und welche grossen ökologischen Erwartungen in dieses Substrat gesetzt werden.

Am Delinat-Institut laufen mehrere Versuche, welche das Potenzial von Pflanzenkohle als Boden- und Qualitätsverbesserer im Weinbau sowie ihre Wirkung als Treibhausgas-Bremse ausloten. Das Wissenschaftsmagazin Einstein will das Projekt weiterverfolgen und plant einen zweiten Beitrag, sobald die Versuche erste Aufschlüsse über die Auswirkungen von Pflanzenkohle auf die Weinqualität liefern.

Hier sehen Sie das Video:

Einstein vom 24.11.2011

Anmerkungen:

  • Im Filmbeitrag ist noch von «Biokohle» die Rede. Hersteller und Forscher haben sich inzwischen auf den neuen Begriff «Pflanzenkohle» geeinigt. Mehr dazu lesen Sie hier.
  • Für Kundinnen und Kunden, die kein Schweizerdeutsch verstehen: Nach dem Vorspann geht es auf Hochdeutsch weiter.

Aus «Biokohle» wird «Pflanzenkohle»

Bis vor zwei Jahren etwa, als sich eigentlich nur die Wissenschaft mit dem Thema Pflanzenkohle beschäftigte, wurde ausschliesslich der englische Begriff «Biochar» dafür verwendet. Erst als die Entwicklung der Technik einen grossflächigen Einsatz in der Landwirtschaft möglich machte, schlich sich die etwas unglückliche Übersetzung «Biokohle» in den Sprachgebrauch. Das «Bio» des englischen «Biochar» steht jedoch lediglich als Abkürzung für Biomasse und nicht für das «Bio» eines bio-zertifizierten Produktes wie Bioapfel oder Biowein. Das «Bio» im Begriff «Biokohle» kennzeichnet also nicht die ökologisch nachhaltige Herstellung des Produktes, sondern besagt lediglich, dass organische Ausgangsmaterialen, also Biomasse, als Rohstoff verwendet wird. Vertreter der Biobranche monierten deshalb eine fälschliche Verwendung des Bio-Kürzels.

Pflanzenkohle

Klimafarming: Neben ihrer Eigenschaft als Bodenverbesserer kann Pflanzenkohle durch Nutzung natürlicher Prozesse gezielt Kohlendioxid aus der Atmosphäre entziehen

Neuer Name

Die führenden Hersteller und Forscher haben sich jetzt auf eine Namensänderung geeinigt: Aus «Biokohle» wird «Pflanzenkohle». Damit wurde nun ein korrekter deutscher Begriff geprägt, denn Pflanzenkohle entsteht aus Pflanzen. In der Landwirtschaft sowie im Wein- und Gartenbau kommt sie zusammen mit Kompost und Mist als Bodenverbesserer, Wasser- und Nährstoffspeicher sowie als Klimagas-Bremse zum Einsatz. Auf den Partnerweingütern des Delinat-Forschungsnetzwerkes laufen derzeit in allen wichtigen Weinländern Europas grossangelegte Versuche mit Pflanzenkohle. Für Delinat wird sie bald als Bio-Pflanzenkohle zertifiziert.

Experimentieren Sie in Ihrem Garten

Pflanzenkohle wurde schon in alten Indiokulturen am Amazonas verwendet. Dort kommt sie in der fruchtbaren schwarzen Erde «Terra Preta» vor. Pflanzenkohle lässt sich aus organischen Reststoffen herstellen. Erhitzt man Biomasse (Grünabfälle, Stroh, Trester, Küchenabfälle usw.) unter Ausschluss von Sauerstoff auf über 350°C, entsteht reine Pflanzenkohle. Im Frühling 2010 wurde in Lausanne die europaweit erste professionelle Anlage zur Herstellung qualitativ hochwertiger Pflanzenkohle in Betrieb genommen. Wer im eigenen Garten oder Weinberg mit Pflanzenkohle experimentieren möchte, kann bei www.swiss-biochar.com Pflanzenkohle oder fertige Terra-Preta-Substrate bestellen.

Grösster Biokohle-Versuch gestartet

Der Weinbau entwickelt sich zur Pionierkultur für Biokohleforschung: In diesem Frühjahr wurde unter der Ägide des Delinat-Instituts für Ökologie und Klimafarming der bisher mit Abstand grösste Biokohle-Netzwerkversuch gestartet. Involviert sind rund ein Dutzend Bioweingüter quer durch ganz Europa. Eine zentrale Rolle übernehmen die vier zum Delinat-Forschungsnetzwerk gehörenden Betriebe Château Duvivier (Frankreich), Maggio Vini (Italien), Pago Casa Gran (Spanien) und Römerkelter (Deutschland).

Biokohle MaggioVini

Einsatz von Biokohle, hier auf dem Weingut Maggio Vini auf Sizilien: Biokohle wurde mit Mist vermischt und in den Rebzeilen ausgebracht.

Erste Resultate liegen vor

Auf einer jeweils rund einen Hektar grossen Fläche wird die Wirkung von Biokohle als Bodenverbesserer, Nährstofflieferant und Klimagas-Bremse erprobt. Der europaweite Grossversuch baut auf ersten Resultaten eines bereits 2007 angelegten Versuchs am Delinat-Institut auf. Die neusten Resultate dieses Versuchs deuten darauf hin, dass der Einsatz von Biokohle insbesondere die Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit verbessert, was zu Qualitätsverbesserungen und weiteren Vorteilen führt. Im Vordergrund stehen:

  • Erhöhung der Widerstandsfähigkeit der Reben und damit Reduktion von Pflanzenschutzmitteln.
  • Stimulation der mikrobiellen Bodenaktivität und der Symbiosen zwischen Pflanzen und Bodenorganismen.
  • Reduktion des Düngemitteleinsatzes durch Optimierung der Nährstoffversorgung.
  • Verbesserung des Geschmacks, der Nährstoffgehalte und der Haltbarkeit des Erntegutes.
  • Verringerung von Klimagasemissionen und Grundwasserbelastung.

Der im Frühling 2011 gestartete Grossversuch, der sich auf unterschiedlichste Bodentypen und Klimazonen erstreckt, soll innerhalb von 3 bis 5 Jahren definitiven Aufschluss über den Einfluss der Biokohle auf das Rebenwachstum und die Weinqualität liefern.

Im eigenen Garten experimentieren?

Biokohle wurde schon in alten Indiokulturen am Amazonas verwendet. Dort kommt sie in der fruchtbaren schwarzen Erde «Terra Preta» vor. Biokohle lässt sich aus organischen Reststoffen herstellen. Erhitzt man Biomasse (Grünabfälle, Stroh, Trester, Küchenabfälle usw.) unter Ausschluss von Sauerstoff auf über 350°C, entsteht reine Biokohle. Diese wird im Weinberg immer mit Kompost oder Viehmist vermischt eingesetzt. Wer im eigenen Garten oder Weinberg mit Biokohle experimentieren möchte, kann bei www.swiss-biochar.com Biokohle oder fertige Terra Preta Substrate bestellen.

Mit erhöhter Pulsfrequenz auf Tournee

Zu meinen Kernaufgaben gehört es, unsere Winzer in Spanien, Frankreich und Deutschland in ökologischen Belangen zu beraten und ihnen bei der Umsetzung der anspruchsvollen Delinat-Biorichtlinien zu helfen. Neu dagegen ist für mich die Rolle als Biowein-Botschafter: Für «Delinat on tour» reise ich durch Deutschland, um Kundinnen und Kunden von unserer Arbeit am Weinberg der Zukunft zu berichten – und natürlich habe ich die ein oder andere Flasche zur Degustation dabei.

Biohotel Alter Wirt

Das Biohotel Alter Wirt in München bot nicht nur den passenden Rahmen für Delinat on tour, sondern auch äusserst leckere Häppchen für den kulinarischen Genuss.

Gerade  von meinen Winzerberatungen in Südfrankreich zurück, konnte ich an den letzten Tour-Stationen in München und Stuttgart aus dem Vollen schöpfen und  über die aktuellen spannende Forschungsprojekte berichten.

Die Besucher waren bei beiden Anlässen entweder beruflich oder privat ökologisch engagiert und daher stiessen die strengen und ambitiösen Delinat-Richtlinien auf grosses Interesse – deren Einhaltung soll die Weinberge unserer Winzer wieder in intakte Ökosysteme verwandeln.

Kupfer und Schwefel im Bio-Weinbau?

Da ich die Winzer genau zu diesem Thema berate, kam schnell ein reger Austausch zustande. Auch kritische Fragen wurden gestellt – vor allem zum Einsatz von Kupfer und Schwefel gegen den echten und falschen Mehltau im Weinberg. Auf beides können leider auch wir nicht völlig verzichten. Ich konnte das Publikum aber informieren, dass wir intensiv an einer Mengenreduktion arbeiten und forschen. Unsere Richtlinien begrenzen die ausgebrachten Mengen bereits massiv. Durch den Einsatz von Kalium und Natriumbicarbonat beim flüssigen Schwefel sowie von Gesteinsmehl beim Stäubeschwefel konnten wir eine Reduktion der ausgebrachten Mengen von 50% erzielen.

Biokohle als Bodenverbesserer

Der Einsatz von Biokohle zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit hat viele beeindruckt. Wie so oft wurde ich gefragt, wo man denn Biokohle beziehen könne, um im eigenen Garten damit zu experimentieren. Leider konnte ich (noch) nicht mit Bezugsquellen dienen – für einen Verkauf an Endverbraucher wird noch nicht genug produziert. Erste Versuche mit gestampfter Holzkohle, die man mit Kompost vermischt, sind aber durchaus möglich.

Gute Resonanz in München…

Im Biohotel Alter Wirt in München interessierten sich 40 Personen für die aktuellsten Trends im Bioweinbau. Die abschliessende Degustation war nicht nur für mich ein Höhepunkt. Ich war einmal mehr beeindruckt, dass unser Wein aus gesunder Natur unsere Kundinnen und Kunden auch qualitativ begeistert. Mich begeisterten zusätzlich das Ambiente und das konsequent umgesetzte Konzept im Biohotel Alter Wirt. Es hat mir eine erholsame Nacht beschert.

… und in Stuttgart

Davon konnte ich auch zwei Wochen später noch zehren, als ich mich auf den Weg nach Stuttgart machte. Weil die Bahnstrecke Basel – Freiburg gesperrt war, musste ich mit erhöhtem Puls einen Umweg in Kauf nehmen. Den 43 Weinliebhabern, die im Stuttgarter Bio-Restaurant Lässig während dreiviertel Stunden gedulden mussten, schien die Warterei nichts auszumachen. Sabine Lässig und ihr Team verstanden es zum Glück bestens, die Gäste bei Laune zu halten. Auch die abschliessende Degustation  entschädigte für die Wartezeit.

Die nächsten Tour-Termine:
Berlin am 4. Juni -> mehr Info
Freiburg am 10. Juni -> mehr Info

Trockenheit als grosse Herausforderung

Seit 10 Jahren sind Marlena und Volker Paul Weindel auf dem Weingut La Tour des Vidaux in der Provence. Immer wenn ich bei ihnen auf Besuch bin, ist die grosse Trockenheit ein Thema. Sie erschwert Massnahmen zur Förderung der Biodiversität, denn wo wenig Wasser vorhanden ist, geraten Begrünung, Rebstöcke und Sekundärkulturen rasch in eine Konkurrenzsituation.

Restanques

Restanques ist die südfranzösische Bezeichnung für diese Terrassen. Um den Trockenstress zu lindern, startet Volker Weindel hier Versuche mit Biokohle.

Biodynamie hilft

Dass Volker punkto Artenvielfalt in den vergangenen Jahren trotzdem beachtliche Fortschritte erzielen konnte und er Jahr für Jahr neue Pflanzengattungen in seinem Weinberg entdeckt, führt er auf gezielte Mäharbeiten in den begrünten Weinbergen und die biodynamische Arbeitsweise zurück. Diese sorgt für gesunde, starke Reben, die tief in die trockenen Schieferböden vordringen und so ihren Durst zu stillen vermögen.

Wie mir Volker jetzt schreibt, haben segensreiche Regenfälle im letzten Halbjahr dazu geführt, dass das Problem mit den trockenen Böden für einmal etwas in den Hintergrund gerückt ist. Der Winzer hat das gleich zum Anlass genommen, punkto Biodiversität einen Schritt weiterzugehen. Auf einer Versuchsparzelle hat er zwischen den Rebstöcken einen eigentlichen Gemüse- und Kräutergarten mit Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch angepflanzt. Zudem fügen sich 50 neue Obstbäume harmonisch zwischen die 250 bestehenden Olivenbäume ein.

Kartoffeln im Weinberg

Die Kartoffeln hat Volker Weindel direkt zwischen die Rebzeilen gepflanzt.

Konzert der Tiere

Solche Massnahmen wirken sich auch sofort positiv auf die Vielfalt bei der Tierwelt aus. Es tummeln sich immer mehr Wildbienen und Schmetterlinge in den Rebbergen. In und um den Teich beim Weingut haben sich neben Kröten, Laubfröschen und Libellen neu auch Unken und ein Wasserhuhn niedergelassen. Ein durch Nachtigallen und junge Eulen verstärktes Tier-Orchester beschert Marlena und Volker derzeit fast jeden Abend ein vielstimmiges Gratiskonzert.

Ich selber bin auf ein weiteres Projekt des Biowinzers gespannt: Mit Sträuchern und Blumen bewachsene Terrassenzwischenräume im Weinberg leiden in der Regel ganz besonders stark unter der Trockenheit. Hier setzt Volker nun Biokohle ein, um das Wasserrückhaltevermögen im Boden zu steigern, damit es auch während den heissesten Perioden grün bleibt. Wer weiss, vielleicht ist ja schon bei meinem nächsten Besuch auf La Tour des Vidaux die Trockenheit nicht mehr das dominierende Thema.

Das Delinat-Forschungs-Netzwerk

Wie lassen sich praktisch identische ökologische und wirtschaftliche Probleme in Weinbaugebieten mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen und Bodenbeschaffenheiten lösen? Mit dieser zentralen Frage beschäftigt sich das Delinat-Institut für Ökologie und Klimafarming intensiv. Es geht darum, neuen Methoden der Begrünung, der Bodenaktivierung, der Biodiversifizierung und der Reduktion von Klimagasen zum Durchbruch zu verhelfen – europaweit.

Weingut Mosel

Timo Dienhart, engagierter Jungwinzer an der Mosel, hat bereits einige Biodiversitäts-Projekte auf den Weg gebracht. Hier zeigt er ein in die Rebzeile integriertes Insektenhotel.

Vier Delinat-Modellweingüter

Das Delinat-Institut im Wallis wählt dafür einen pragmatischen Ansatz: Die in den erwähnten Bereichen bereits bestehende und bewährte Forschungspartnerschaft mit dem Weingut von Château Duvivier in Frankreich wird auf drei weitere Güter in Ländern mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen ausgedehnt. Zu neuen Delinat-Modellgütern werden somit ein sommertrockenes Gut in Spanien (Pago Casa Gran, Valencia), ein extrem sommertrockenes italienisches Gut (Maggio Vini, Sizilien) sowie ein regenreicheres deutsches Gut (Römerkelter, Mosel.

Ausbildungszentren für Delinat-Winzer

Das Institut und die vier Weingüter bilden neu das Delinat-Forschungs-Netzwerk. Sie nehmen an gemeinsamen, vom Delinat-Institut koordinierten wissenschaftlichen Versuchen teil, um die Praxistauglichkeit neuer Methoden für einen klimaneutralen Qualitätsweinbau mit hoher Biodiversität international unter Beweis zu stellen. Konkret geht es zum Beispiel um den Einsatz von Biokohle, die Optimierung der Begrünungssysteme und die Entwicklung neuer Mischkulturen.

Gleichzeitig werden alle Modellgüter zum Ausbildungszentrum für die Delinat-Winzer des jeweiligen Landes. Um ihre Vorbildfunktion wahrnehmen zu können, sollen sie möglichst rasch die höchste Qualitätsstufe der Delinat-Richtlinien (3 Schnecken) erreichen. Ziel ist, dass andere Delinat-Weingüter sukzessive nachziehen und ebenfalls dieses ambitiöse Niveau erreichen.

Mit ehrgeizigen Projekten auf Top-Niveau

Für 2011 haben wir uns ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Alle Rebflächen rund ums Château Duvivier sollen den höchsten ökologischen Qualitätsanforderungen entsprechen, die Delinat in den neuen, überaus ambitiösen Richtlinien postuliert. Um auf dieses Top-Niveau zu gelangen, das im Moment wohl noch kein Weingut erreicht, erstellen wir drei bis vier weitere biologische Hotspots.

Hotspot im Weinberg

Auf diesem Bild von Anfang März ist der neu angelegte Hotspot in den Weinbergen auf Château Duvivier noch unscheinbar; in wenigen Wochen wird sich das ändern.

Neue Hotspots entstehen

Auf allen Parzellen werden Reben herausgenommen, um Platz zu machen für rund 100 m2 grosse Inseln mit Fruchtbäumen, Kräutern, Sträuchern, Steinhaufen und Bienenhotels. Zusätzlich pflanzen wir entlang der Strasse, die an unserem Weingut vorbeiführt, eine Baumreihe mit Pappeln und Weiden. Das bewahrt uns nicht nur vor Verkehrslärm, sondern bringt auch neue Nistplätze für Vögel. Insgesamt entstehen so im Verlaufe dieses Jahres nahezu perfekte Voraussetzungen für eine grosse Artenvielfalt und einen geschlossen Naturkreislauf. Davon versprechen wir uns nicht zuletzt nochmals einen Qualitätssprung bei unseren Weinen.

Versuche mit Kompost und Biokohle

Ein weiteres wichtiges Projekt, das wir im Moment umsetzen, ist der Bau eines grossen Kompostierplatzes. Grüngut aus den umliegenden Gemeinden wird hier zusammen mit Kuh- und Schaftmist zu einem hochwertigen Kompost verarbeitet. Sobald der erste Kompost reif ist, starten wir in Zusammenarbeit mit dem Delinat-Institut einen Grossversuch. Dieser soll Aufschluss über die Wirkung von Kompost und Biokohle als Nährstofflieferanten und Bodenverbesserer im Weinberg geben.

Nach einem eher ruhigen, besinnlichen Winter wartet jetzt also wieder viel Arbeit in der freien Natur der Provence. Gerne lassen wir uns von der sprühenden Kraft des erwachenden Frühlings anstecken und nehmen das Weinjahr 2011 mit Elan und Zuversicht in Angriff.

Blick über den eigenen Gartenzaun

Gegenseitiger Erfahrungs- und Gedankenaustausch, die Vermittlung neuer Erkenntnisse, aber auch geselliges Zusammensein stehen im Zentrum der jährlichen Delinat-Winzertreffen. 2011 fand erstmals nicht mehr ein zentrales Treffen auf Château Duvivier statt. Stattdessen trafen sich in den vergangenen Wochen Ökologen, Önologen und Berater von Delinat mit den Biowinzern an dezentralen, länderspezifischen Anlässen in Spanien, Frankreich und Italien.

Winzertreffen Spanien

Der guten Stimmung der Winzer in Spanien konnte selbst der anhaltende Regen nichts anhaben.

Wetterpech in Spanien…

Viele Winzer haben im vergangenen Winter in ihren Weinbergen ökologische Hotspots zur Verbesserung der Biodiversität angepflanzt. So konnten etwa die spanischen Winzer bei ihrem verregneten Treffen auf dem Weingut Quaderna Via in der Navarra einen neu angelegten Hotspot mit Zypresse und Wildkräutern besichtigen. Ziel solcher Hotspots ist die Schaffung neuer Lebensräume und damit eine Verbesserung der Biodiversität innerhalb der Rebberge.

… viel Sonne in Frankreich und Italien

Mehr Wetterglück bei ihren Treffen hatten die französischen Winzer bei einer Genossenschaft von Gilles Louvet in Südfrankreich und die Italiener, die sich in der Toskana auf dem Weingut Salustri trafen. An beiden Treffen waren die Begrünungssysteme ein zentrales Thema. Blühende Teppiche innerhalb der Weinberge sollen einerseits die Reben mit natürlichen Nährstoffen versorgen und andererseits den Wasserhaushalt im Boden regulieren. Viele Winzer sehen die möglichen positiven Auswirkungen solcher Begrünungen, haben aber noch Respekt vor dem Trockenstress der Reben im Sommer, wenn es wochenlang nicht regnet.

Neue Aufschlüsse darüber könnte ein Versuch von Massimo Maggio aus Sizilien liefern. Er präsentierte seine mit dem Delinat-Institut erarbeiteten Begrünungsstrategien. Bereits jetzt zeigt sich, dass selbst im Süden von Sizilien, wo zwischen April und September kein Tropfen Regen fällt, eine Teilbegrünung möglich ist.

Grosses Interesse an Biokohle

Auf grosses Interesse stiess an allen Treffen auch der Einsatz von Biokohle und ihr Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit. Etliche Delinat-Winzer aus ganz Europa haben vor wenigen Wochen die erste Lieferung Biokohle erhalten, die sie jetzt versuchsweise zusammen mit Kompost in die Weinberge ausbringen.

Die Wissenschaft des Terroirs

Terroir – ein Begriff, der immer öfters durch die Weinwelt geistert, dabei aber für viele unfassbar bleibt. Dies gründet vor allem in der Komplexität der Materie: das Zusammenspiel von Klima, Boden, Biodiversität, Winzer und Weinrebe ist kaum überschaubar. Und doch ist es erfahrbar: in Form eines Glas Weins, dieser unglaublichen Symphonie hunderter Einzelstoffen.

Wein Terroir

Biokohle verbessert nicht nur den Boden, sondern auch die Traubenqualität.

Eine einzelne Weinprobe in ihrer Gesamtheit wissenschaftlich zu beschreiben, ist extrem herausfordernd und sehr teuer. Es macht nur begrenzt Sinn, denn man wird der individuellen Sensorik und der Magie des Genusses nie gerecht. Will man das Phänomen Terroir trotzdem etwas genauer unter die Lupe nehmen, muss der Forscher sich auf einige wenige Aspekte beschränken.

Dauerhafte Begrünung verbessert die Traubenqualität

Ein Beispiel ist der Zusammenhang zwischen Begrünung und Traubenqualität. Aufgrund von Traubenanalysen konnte am Delinat-Institut beispielsweise beobachtet werden, dass sich im ersten Jahr der Stress der Umstellung vom konventionellem Anbau mit nackten Böden auf ein System mit Dauerbegrünung Auswirkungen auf die Traubenqualität ergeben können. Im Vergleich zu Parzellen, die schon seit 4-5 Jahren biologisch bewirtschaftet werden, war der Gehalt an Farb- und Gerbstoffen sowie Stickstoff in den Beeren niedriger. Gleichzeitig wurden erhöhte Säurewerte der Umstellungsparzelle gemessen. Auch die Anfälligkeit der Trauben auf Echten Mehltau war sehr hoch. Diese Unterschiede in den Traubeninhaltsstoffen und des Krankheitsbefalls machen sich zwangsläufig im Wein bemerkbar. Beide Parzellen liegen in unmittelbarer Nachbarschaft, die Reben wachsen also auf dem gleichen Bodentyp, doch das Terroir ist verschieden.

Biokohle und Terroir

Auch Biokohle übt im Boden offenbar einen Einfluss auf die Traubenqualität aus. Beerenanalysen aus einer drei Jahre alten Versuchsparzelle im letzten Herbst zeigten bei Biokohle-Traubengut auffällig niedrige Gesamtsäurewerte im untersten Normalbereich, aber einen deutlich höheren Anteil an Zucker, Aminosäuren und mehr Kalium. Dass diese Konzentrationen erhöht waren, erstaunt, denn gleichzeitig war die auch die Erntemenge deutlich erhöht.

Biokohle wird oft im Zusammenhang mit Ertragssteigerung und Klimaschutz diskutiert, ihr Einfluss auf das Terroir ist aber gerade bei Dauerkulturen wie Wein ebenso interessant. Gross angelegte Experimente mit getrennter Vinifikation werden hier weitere Ergebnisse bringen.

Einen ausführlichen Artikel zum Thema Terroir finden Sie im Ithaka-Journal.