Spannender Weintag auf dem Hirschhof

In zahlreichen Kursen und Seminaren erhalten Kundinnen und Kunden neben unterhaltsam und kompetent vermitteltem Weinwissen auch einen Einblick in den biologischen Weinbau nach der Delinat-Methode. Bei den regelmässig durchgeführten Weintagen auf ausgewählten Weingütern erlebt man hautnah, wie Weine in hoher Biodiversität entstehen – und mit welchen Problemen der Winzer konfrontiert werden kann.

Weingut Hirschhof Weinberg
Tobias Zimmer mit Kundinnen und Kunden in den Reben

Delinat-Winzer Tobias Zimmer führt in Westhofen das traditionsreiche Weingut Hirschhof mit innovativem Geist und grosser Leidenschaft. Im Juni fand hier bereits der zehnte Weintag statt – eine schöne Tradition. Neben Besichtigung des Weinkellers und einer spannenden Degustation stand natürlich ein Rundgang durch die Weinberge im Mittelpunkt des Weintages. Dabei konnten die 17 Teilnehmer «live» miterleben, was den Winzer aktuell beschäftigt:

Im letzten Jahr erlebte Westhofen einen extrem heissen und trockenen Sommer. In diesem Jahr hingegen sind die Niederschlagsmengen in Rheinhessen  enorm. Zuletzt gab es im Jahr 1965 solche Mengen! Nicht nur in Rheinhessen, sondern auch an der Mosel und in der Ostschweiz kämpfen die Winzer mit diesem Problem. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete bereits von ersten Totalausfällen bei Biowinzern, deren Möglichkeiten gegenüber konventionell arbeitenden Kollegen beschränkt sind.

Auf dem Hirschhof konnte Winzer Tobias Zimmer der Lage auch positive Seiten abgewinnen: Auf Grund der hohen Niederschläge ist die Begrünung in den Weingärten auch in den Sommermonaten üppig. Die Böden können das Wasser gut aufnehmen – dies ist die gute Nachricht. Die schlechte: Die anhaltende Feuchtigkeit führt zur Infektion und somit zu enormen Pilzdruck (Peronospora, falscher Mehltau).

Peronospora
Leider auch im Hirschhof zu finden: Vom Pilz befallene Reben

So hatte  Tobias  bereits im Juni die Hälfte der normalen Menge an Kupfer – die nach Delinat-Richtlinien streng begrenzt ist – gespritzt. Der Pflanzenschutz beschäftigt den Winzer zur Zeit mehr als ihm lieb ist. «Wir haben den Pilz im Griff, müssen allerdings mit Ernteausfällen rechnen,» war der Winzer bereits im Juni sicher.

Die spannende – und für den Winzer existenzielle – Frage, die sich nicht nur die Teilnehmer stellten: Wie geht es weiter? Am letzten Wochenende waren wieder 30 Liter Niederschlag in den Rebbergen rund um den Riesling Terra Rossa zusammen gekommen. Zur Zeit behandelt Tobias Zimmer seine Rebparzellen präventiv mit Backpulver, also einem natürlichem Präparat. Auf Grund der gestiegenen Temperaturen ist er inzwischen aber guter Dinge und optimistisch: «Wenn es jetzt trocken bleibt und die Temperaturen konstant hoch, entwickeln sich die Trauben gut. Zur Weinlese können wir wohl zwar weniger als normal, dafür aber gute Qualitäten ernten.»

Bedingt durch den Klimawandel treten in unseren Breitengraden immer häufiger extreme Wettersituationen auf, die die Winzer in Zukunft verstärkt fordern werden. Die Feuchtigkeit in Kombination mit steigenden Temperaturen im Sommer begünstigt den Pilzdruck in Deutschland, Schweiz und Österreich mit unterschiedlichen Auswirkungen. Reben, die in einem gesunden Ökosystem in reicher Biodiversität wachsen, wie es die Delinat-Richtlinien erfordern, sind sicher besser gerüstet und widerstandsfähiger. Gleichwohl sind auch Delinat-Winzer von der Problematik betroffen.

Interessant: Interspezifische Rebsorten – sogenannte «Piwis» –  wie Regent und Cabernet Blanc, die Tobias in bisher kleinen Mengen anbaut, sind gesund. Können diese pilzwiderstandfähigen Sorten also eine Lösung sein? Mit der Frage werden die Winzer sich beschäftigen müssen.

Hirschhof Degustationsraum
Nach dem Rundgang durch die Reben wird degustiert: Der Verkostungsraum ist vorbereitet.

Wie geht es also auf dem Hirschhof weiter, wird Tobias Zimmers trotz allem positive Prognose eintreffen? Das können die Teilnehmer des Weintages im September direkt vor Ort erfahren. Es gibt noch ein paar freie Plätze – hier gehts zur Anmeldung.

Dirk Wasilewski

Sommelier bei Delinat
Als Sommelier stehen für mich Genuss und Qualität an erster Stelle. Für den Genuss ohne Reue brauchen wir aber ökologisches Denken und Handeln. Dies zu erreichen ist mein Wunsch und täglicher Antrieb.
Dirk Wasilewski

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