Feine Spürnasen täuschen sich nicht

Das Paket aus der Corbières war unscheinbar. Eine Flasche Wein zur Bemusterung. Der Winzer mir unbekannt, das Muster nicht angefordert. Ungewollte Weinmuster sind anstrengend. Wöchentlich alle Flaschen entkorken, in Reih und Glied aufstellen, eingiessen, beschnuppern, schlürfen, spucken. Argumente für die Absagen notieren. Routine.

Zum Glück gibt es Ausnahmen. Die Degustation des besagten Corbières werde ich nicht vergessen. Zuerst glaubte ich, Flaschen vertauscht zu haben. Als ich sicher war, dass alles seine Richtigkeit hat, habe ich unsere sechs Weinexperten zusammengetrommelt und ihre Meinung eingefordert. Und selten waren wir uns so einig, eine Perle gefunden zu haben.

Am Fuss des Montagne d‘ Alaric (im Hintergrund) reifen edle Gewächse in steinigen Böden.
Am Fuss des Montagne d‘ Alaric (im Hintergrund) reifen edle Gewächse in steinigen Böden.

Als ich wenige Wochen später mit dem Dorfarzt Jean Lignères und seinem Bruder, dem Zahnarzt Paul, durch ihre Weinberge spazierte, wurde mir vieles klar. Die Herzen der Brüder, die vor etlichen Jahren das Weingut von ihren Eltern übernommen und auf biologischen Anbau umgestellt haben, schlagen in erster Linie für ihren Wein. Solche Weinberge hatte ich nie zuvor gesehen. Am Fuss des Montagne d‘ Alaric wurzeln in wilder Garrigue-Landschaft alte, knorrige Buschreben auf Böden, die zu Abertausenden mit grossen Kalksteinen übersät sind. Erstaunlich, dass in solchen Steinwüsten Spitzenweine wachsen können!

Die Kraft der Natur, die mich im Weinberg überwältigt hatte, fand ich später im Weinglas wieder. Noch nie hatte ich im Languedoc Weine dieser Preisklasse von so grossartiger Eleganz, Balance und Finesse verkostet. Es wurde ein langer, geselliger Abend auf der Gartenterrasse von Jean und Anne Lignères. Bei feinster hauseigener Küche und einer Degustation durch das ganze Sortiment philosophierten wir über biologischen Weinbau und stellten fest, dass sich unsere Vorstellungen weitgehend decken. Damit war der Weg für eine rasche Zusammenarbeit geebnet.

Emil Hauser von Delinat (links) zu Gast bei der Winzerfamilie Lignères.
Emil Hauser von Delinat (links) zu Gast bei der Winzerfamilie Lignères.

Schon lange ist mir bewusst, hier ein goldenes Händchen gehabt und einen echten Glücksgriff gemacht zu haben. Deshalb freut mich die Auszeichnung der Domaine Lignères durch den wichtigsten Weinführer Frankreichs jetzt ganz besonders. Die beiden Sterne, welche «La revue du vin de France» in ihrem Guide der besten Weine Frankreichs vergeben hat, zeichnen die konstant sehr hohe Qualität der Lignères-Weine aus.

«Le guide des meilleurs vins de France» erscheint jedes Jahr. Zwei Sterne werden an hervorragende Weingüter vergeben, die nicht selten über ein traumhaftes Terroir verfügen, das sie regelmässig für die Erzeugung herausragender Weine nutzen. Die höchste Auszeichnung mit drei Sternen wird nur an ganz wenige Weingüter Frankreichs verliehen.

Emil Hauser

Emil Hauser

Weinakademiker bei Delinat
Für mich hat Wein archaische, urprüngliche Wesenszüge, welche sich nicht eindeutig in Worte fassen lassen. Mich der Materie Schritt um Schritt zu nähern, wird mich noch über viele Jahre in Atem halten.
Emil Hauser

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1 comment

  1. Da haben Sie recht! Wir trinken seit etwa 15 Jahren Rotwein aus Moux. Durch Zufall auf einer Motorradtour entdeckten wir damals das Weingut
    „St. Marie d´Dalbas“ und sind seitdem treue Kunden. Mit den damaligen Besitzern Jean und Giselle haben wir noch lange Kontakt gehabt.
    Sie bauten auf einfachste Art und Weise Weine vom Feinsten und das führen die neuen Eigentümer eindrucksvoll fort.
    Schauen Sie rein, es lohnt sich.

    Mit herzlichem Gruss

    S.Jarszik

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