Die Magie des Barrique
Gehaltvolle Rot- und Weissweine reifen meist über eine bestimmte Zeit im grossen Holzfass oder im kleinen 225-Liter-Barrique. Besonders beliebt und anspruchsvoll ist das Barrique. Es lässt den Wein bei gekonntem Einsatz harmonisch reifen und bereichert ihn mit zusätzlichen Aromen und Tannin.
Text
Hans Wüst
Redaktor 06.10.2016
Die kleinen Eichenholzfässer spielen in der Weinbereitung seit dem 18. Jahrhundert eine Rolle. Sie haben bis heute viel bei zum Welterfolg und zum Mythos der grossen Weine aus Bordeaux und dem Burgund und aus vielen anderen Weinregionen beigetragen.
Nicht jeder Wein eignet sich fürs Barrique
Der gekonnte Ausbau im Barrique hängt von mehreren Faktoren ab. Wahl der Traubensorte, des Fasses und der Ausbaudauer gehören zu den wichtigsten. Nicht jeder Wein wird im Barrique besser. Hervorragend eignen sich gehaltvolle Weine aus tanninreichen Sorten wie Cabernet Sauvignon, Tempranillo, Nebbiolo – auch Chardonnay ist gut geeignet; schaden würde das Barrique jedoch dem subtilen, säurebetonten Riesling.
Aber auch geeignete Traubensorten können im Barrique vergewaltigt werden, wenn die Holzaromen überwiegen. Neue Barriques geben (zu) viele Holzaromen ab. Oft kommen deshalb auch Fässchen zum Einsatz, die schon ein, zwei oder drei Jahre in Gebrauch waren. So werden die Holzaromen dezenter. Der Wein aus den verschiedenen Barriques wird am Schluss gemischt.
Ebenso prägen die Röstung des Fasses (schwach, mittel oder stark) sowie die Herkunft des Holzes das Weinaroma. Amerikanische Eiche sorgt für kräftige Holz- und süssliche Vanillenoten. Dezenter ist der Einfluss etwa von französischer Eiche. Auch die Reife- und Lagerdauer im Fass ist ein wichtiges Kriterium. Die Holzaromen verbinden sich erst mit der Zeit mit den Weinaromen, zuvor bleiben sie penetrant eigenständig und wirken aufgesetzt. Je nach Traubensorte und gewünschtem Charakter des Weines bleiben Weine sechs, zwölf, achtzehn oder noch mehr Monate im Barrique.
Gekonnter Barrique-Einsatz ist gefragt
Gelingt es dem Kellermeister, die richtige Kombination zu finden, reift der Wein im kleinen Eichenholzfass harmonisch, bleibt lange lagerfähig und wird mehr oder weniger mit Holznoten und Röstaromen wie Vanille, Mokka, Kaffee, Tabak oder Rauch angereichert.
Wo liegen Ihre Präferenzen? Bevorzugen Sie eher fruchtig-frische Weine ganz ohne Holz, gehaltvolle Weine mit dezenten Holznoten oder lange im Barrique ausgebaute, komplexe Gewächse mit ausgeprägten Röstaromen? Haben Sie sich schon über Weine geärgert, die vom Holz erschlagen wurden? Über Ihren kurzen Kommentar freuen wir uns.
Über die Autorin
Hans Wüst, Redaktor
Die Natur fasziniert mich. Und Wein, als eine Facette davon, ganz besonders. Bei Delinat gibts beides in einer wunderbaren Symbiose.
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Hans Wüst
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Tobias Schmid