Traktoren unter Strom

Ein Jahrhundert lang wurde am Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren gearbeitet. Mit ernüchterndem Ergebnis: Noch immer landen nur gerade rund 20 Prozent der verbrannten Energie im Antrieb. Von fünf Litern Benzin oder Diesel werden vier Liter umsonst verbrannt. Auch sie erzeugen das Klimagift CO2 und heizen die Atmosphäre auf. Dass dies so ist, hat mit Physik zu tun, deren Gesetze auch mit modernster Technik nicht ausgehebelt werden können.

Ganz anders sieht die Bilanz beim Elektromotor aus, der einen Wirkungsgrad von rund 90 Prozent erreicht. Zieht man die Energie für Heizung, Kühlung, Licht usw. des Fahrzeugs ab, fliessen noch immer 85 Prozent in den reinen Antrieb. In Anbetracht dieser eklatanten Unterschiede grenzt es an ein Wunder, dass die Autoindustrie nicht schon vor Jahrzehnten ernsthaft in den Elektroantrieb investiert hat. Es brauchte wohl den südafrikanisch-amerikanischen Querdenker und Haudegen Elon Musk, der mit Tesla gezeigt hat, wie das gehen kann. Der Schrecken bei den etablierten Automarken sitzt tief, und erst langsam beginnt sich die Schockstarre zu lösen.

Vergleich der Emissionen

Den gesamten CO2-Ausstoss von Elektrofahrzeugen und Verbrennern zu vergleichen, ist eine komplexe Angelegenheit. Einen guten und seriösen Emissions-Vergleich (PDF) hat der Schweizer Martin Rotta für den deutschsprachigen Raum erstellt. Ergebnis: Elektofahrzeuge haben die Nase vorn – wie weit vorn, hängt davon ab, wie der benötigte Strom erzeugt wird.

Es ist völlig klar, dass das Bild auf den Strassen sich stark verändern wird. Aber nicht nur dort. Auch Industriemaschinen, die heute noch mit Diesel laufen, werden elektrifiziert. Das dauert etwas länger, weil sich die Entwicklungskosten auf weniger Einheiten verteilen und der Anreiz für die Hersteller deshalb kleiner ist. Trotzdem gibt heute schon wegweisende Projekte, zum Beispiel von grossen Traktor-Herstellern.

Eines darf man bei aller Euphorie aber nicht vergessen: Die Ökobilanz von Elektrofahrzeugen ist nur so gut wie die des eingesetzten Stroms. Stammt dieser von Kohlekraftwerken, ist die Bilanz katastrophal. Da schneiden sogar Benziner besser ab. Geradezu ideal ist es hingegen, wenn Strom von «neuen erneuerbaren» Quellen wie Photovoltaik oder Wind direkt in die Akkus der Fahrzeuge fliesst und nicht erst über lange Leitungen transportiert werden muss.

Richtlinien fördern grüne Energie

Solarstrom für Weingüter
William Savian aus dem Veneto produziert mit einer 200-Kilowatt-Anlage genügend Strom für Weinkeller und Lager, und es würde auch noch für Traktoren und Autos reichen. Die meisten Winzer verfügen über grosse Dachflächen, die sich für Photovoltaik eignen.

Das Thema Energiegewinnung und Elektroantrieb haben wir bei Delinat seit Jahren immer wieder mit unseren Winzern diskutiert. Und nun haben wir es in die Delinat-Richtlinien 2017 aufgenommen. Ideal wäre, wenn jeder Winzer seinen eigenen Strom produzieren und sich von Kraftstoffen unabhängig machen könnte. Das wäre nicht nur ökologisch, sondern langfristig auch ökonomisch interessant. Der neue Passus in den Richtlinien 2017 lautet: Ab 2021 muss die Energie für den Betrieb aus erneuerbaren Quellen selbst erzeugt werden:

  • Auf Stufe 1 Delinat-Schnecke: mindestens 30% des Energieverbrauchs
  • Auf Stufe 2 Delinat-Schnecken: mindestens 60% des Energieverbrauchs
  • Auf Stufe 3 Delinat-Schnecken: 100% des Energieverbrauchs

Damit haben unsere Winzer vier Jahre Zeit, ihre Anlagen zu planen und zu realisieren. So lange Diesel verbraucht wird, gilt ein einfacher Umrechnungssatz von 1 Liter Diesel = 10 kWh Strom.

Viele beginnen nicht bei null

Natürlich beginnen die wenigsten Winzer bei null. Die meisten haben entweder bereits Anlagen installiert oder solche geplant. Jenen, die Probleme mit Bewilligungen, Planung oder Realisierung haben, stellen wir Fachleute zur Verfügung und helfen wenn nötig bei der Finanzierung. Bei Härtefällen, wo Bewilligungen schwer oder nicht zu bekommen sind, wie zurzeit in Spanien, können sich Winzer an Projekten im Umkreis von 100 km beteiligen, um ihre eigene saubere Energie herzustellen.

Ich wage eine Prognose: In zehn Jahren fahren auf Delinat-Gütern mehr Elektro- als Diesel-Fahrzeuge. Wetten?

Vorreiter Tesla

Die Luxuslimousine Tesla wiegt 2,2 Tonnen und braucht trotzdem nur 18 kWh Strom pro 100 Kilometer, was ungefähr 1,8 Litern Diesel entspricht. Ein Verbrenner mit vergleichbarer Leistung verbraucht mindestens das Vierfache. Der PV-Ertrag der Dachfläche eines Einfamilienhauses reicht aus, um einen Tesla jedes Jahr dreimal um die Erde zu fahren: 120 000 km.

Karl Schefer

Karl Schefer

Geschäftsleiter bei Delinat
Delinat ist für mich Hobby, Berufung und Beruf. Was gibt es schöneres, als sich für eine gesunde Natur einzusetzen und dafür mit köstlichem Wein belohnt zu werden?
Karl Schefer

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6 comments

  1. Liebe Delinat, ganz toll was Ihr da wieder in die Wege leitet mit dem Abschied von Dieselfahrzeugen. Auch ich bin fasziniert von Tesla doch werden dort aus Marketinggründen zu schwere, luxuriöse und schnelle Autos gebaut. Ich fürchte dass in Zukunft nicht genügend Batterien gebaut werden können und deshalb finde ich es gut wenn auch die Brennstoffzellen Autos gefördert werden. Es braucht dafür weniger Batterien und der Wasserstoff kann auch mit Solarstrom hergetellt werden. Die Fahrzeuge werden leichter und die Reichweite mit einer Tankfüllung ist ja mehr als genügend.Beibt noch Wasserstoff übrig so kann der wiederum in der Nacht oder bei schlechtem Wetter mit einem Brennstoffzellen Heizgerät wie dem Galileo 1000 N der Firma Hexis zu Strom und Wärme umgewandelt werden. Sicher eine Investition , doch in Südeuropa scheint die Sonne ja auch im Winter vom klaren Himmel ganz zu schweigen vom Sommer. Das eine tun und das andere nicht lassen ist wohl ein gutes Motto für eine Zukunft ohne die sinnlose Verbrennung des kostbaren Erdöls ,der Kohle und des Erdgases.
    Mit freundlichen Grüssen
    Christian Rohrbach

  2. Vielen Dank für die wertvolle Ergänzung, Herr Rohrbach. Wir sind ganz Ihrer Meinung.

    Etwas ist aber erstaunlich: Der Verbrauch unseres Teslas, der uns jetzt ein Jahr lang und 20’000 km befördert hat, beträgt nur 18 kWh pro 100 km, während die leichtesten und schwächsten Elektroautos auch auf etwa 13 kWh kommen. Macht man diesen Vergleich bei Verbrennern, dann ist der Unterschied zwischen grossen Wagen mit viel PS und leichten mit wenig Leistung viel grösser. Da beträgt der Mehrverbrauch nicht 50% wie beim Luxus-Elektroauto, sondern locker 150%. Unter anderem hängt das mit der hervorragend funktionierenden Rekuperation zusammen.

    Und noch ein Gedanke: Tesla ist derzeit der einzige Hersteller, der eine echte Alternative anbietet, wenn man grosse Strecken zurücklegen will. Das Netz der Supercharger ist in fast allen Teilen Europas eng genug, um ohne Probleme reisen zu können. Der Erfolg Teslas revolutioniert gerade die Autoindustrie. Diesen Erfolg braucht es unbedingt, weil noch lange nichts anderes zu vernünftigen Preisen in Serie gehen wird.

  3. Ob da nicht etwas viele Euphorie für die Elektro-Autos mitschwingt? Nirgends wurde bisher erwähnt, dass alleine die Herstellung der Batterie so viel Energie verschlingt, womit ein durchschnittliches benzinbetriebenes Auto bereits 7‘000 bis 60‘000 km weit fährt (NZZ 22.04.12, „Elektroauto schadet der Umwelt mehr als Dieselauto“). Beim Tesla dürfte wohl der höhere Wert zutreffen. Gegenüber einem dieselbetriebenen dürften diese Werte nochmals um 40 bis 45 % schlechter sein.

    Zu einem noch schlechteren Resultat kommt ein Bericht im Tagesanzeiger vom 1.11.2015, „Der Tesla Trugschluss“.

    Worüber noch keine Informationen bestehen sind die Nebeneffekte. Elektro-Autos sind wesentlich schwerer als mit Benzin betriebene. Was das für den Verschleiss von z.B. Reifen, aber auch Strassen bedeutet, fehlt eine Analyse. Gerade auch E-Traktoren dürften wegen ihres höheren Gewichts im Rebgelände im wahrsten Sinne des Wortes ihre Eindrücke hinterlassen.

    Und was für mich auch nicht unwichtig ist: mit meinem 1.6 l-Diesel mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,8 L/100 km und einem 55 L-Tank fahre ich mit grosser Reserve aus dem Gebiet Zürich bis ins Château Duvivier. Mit einem Tesla müsste ich wohl schon vor Grenoble ein Hotel suchen.

    Aus diesen Gründen haben wohl batteriebetrieben Autos schlechte Karten für die Zukunft. Viel grössere Chancen gebe ich denjenigen mit Brennstoffzellen.

  4. Hallo Herr Bader,
    Berichte aus der NZZ von 2012 würde ich nicht zitieren, in den letzten fast 5 Jahre hat sich auf dem Gebiet einiges verändert. Und was Karl Schefer schreibt, dass im Falle von Kohlestrom die Bilanz schlechter ist als bei einem Verbrenner, stimmt so auch nicht. Zumindest wenn man glaubt was die Empa schreibt, u.a. in einem Bericht aus dem Tagesanzeiger unter http://desktop.12app.ch/articles/17829717 . War das ihr Tagesanzeiger-Bericht oder was das ein anderer? Würde mich interessieren.
    Bezüglich Brennstoffzelle bin nicht nicht gleicher Meinung. Wasserstoff zu erzeugen, den in einem Auto zu verbrennen um einen Elektromotor anzutreiben, ist extrem ineffizient. Kommt dazu dass die ganze Infrastruktur für Wasserstoff-Tankstellen aufgebaut werden müsste, die Strom-Infrastruktur haben wir schon, jeder hat eine Tankstelle bei sich zu hause. Und die Batterien werden leichter werden, garantiert, wir stehen erst am Anfang, aber dank Elon Musk gibt es endlich einen Anfang, da bin ich mit Karl Schefer schon einig.
    So oder so finde ich es sehr gut, was Delinat da aufgleist, gratuliere!

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