Kupfer und Schwefel: Auf die Dosis kommt es an
Der Abschied von Kupfer und Schwefel als Spritzmittel im biologischen Weinberg ist noch nicht Realität. Die Delinat-Winzer sind aber auf dem Weg dazu. Etliche von ihnen unterschreiten die bereits strengen Delinat-Grenzwerte dank grossem Ehrgeiz deutlich. Zum Beispiel François Meyer aus dem Elsass.
Text
Hans Wüst
Redaktor 26.10.2016
Ein strahlender Sommertag Anfang August: Die Trauben an leichter Hanglage der Domaine Eugène Meyer im kleinen Elsässer Weindorf Bergholtz strotzen vor Gesundheit. Doch die Prognosen für die nächsten Tage versprechen Regen. Der Krankheitsdruck auf die Reben steigt – Zeit für eine letzte Spritztour. «Ganz ohne biologische Spritzmittel gegen den Echten und den Falschen Mehltau kommen auch wir noch nicht aus», sagt François Meyer, der den biodynamischen Demeter-Betrieb schon vor etlichen Jahren von seinem Vater Eugène übernommen hat. Zum Einsatz kommen die für den biologischen Weinbau erlaubten Kupfer und Schwefelbrühen.
Was die Domaine Meyer und weitere Delinat-Winzer von andern Biobetrieben unterscheidet, ist die geringe Menge an Kupfer und Schwefel, die ihnen genügt, um das Mehltau-Problem im Griff zu haben. Das ist deshalb wichtig, weil diese Spritzmittel in hohen Mengen und unter gewissen Umständen ebenfalls schädlich für die Natur sein können: Kupfer ist ein Schwermetall, das bei starker Anreicherung das Bodenleben beeinträchtigen kann. Und Schwefel wirkt in hohen Dosen toxisch gegen eine Vielzahl von Hefen, Pilzen und Insekten, die für die Stabilität des Ökosystems wichtig sind.
Es geht auch mit wenig …
«In einem normalen Jahr kommen wir mit unter 1,5 kg Kupfer und zirka 30 kg Schwefel aus», erklärt François Meyer. Damit liegt er beim Kupfer deutlich unter dem durchschnittlichen Demeter-Grenzwert, der während sieben Jahren 3 kg/ha im Durchschnitt nicht überschritten darf. Und sogar noch unter den 2,02 kg/ha, die die Delinat-Richtlinien im Fünfjahres-Durchschnitt für die strengste Stufe (drei Schnecken) verlangen. Beim Schwefel gibt es einzig bei Delinat Grenzwerte.
Die kleinen Kupfer- und Schwefelmengen auf der Domaine Meyer sind einerseits darauf zurückzuführen, dass die Reben von grossen Niederschlagsmengen verschont bleiben. Dank den Vogesen, an denen sich die vom Westen herkommenden Regenwolken stauen, gilt die Region um Colmar als eine der trockensten Frankreichs. Dadurch hält sich der Krankheitsdruck in Grenzen. Ebenso grossen Anteil hat aber der reiche Erfahrungsschatz, der sich auf dem Betrieb im Umgang mit Pilzkrankheiten angehäuft hat. Das kam so: In den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts erblindete Eugène Meyer vorübergehend wegen eines Giftes, das er im Weinberg eingesetzt hatte. Durch eine homöopathische Behandlung gewann er seine Sehkraft zurück. Danach gingen ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Augen auf: Chemische Spritzmittel blieben fortan tabu, der Winzer stellte radikal um. Seit 1969 wird der Betrieb als Erster in ganz Europa nach der biodynamischen Methode bewirtschaftet.
Was sein Vater eingeführt hat, entwickelt Sohn François weiter. Je kleiner die Dosen an Kupfer und Schwefel, desto wichtiger sind flankierende Massnahmen und ständige Beobachtung im Weinberg. Erste prophylaktische Massnahmen gegen drohende Pilzkrankheiten werden bereits im März ergriffen. Dann werden die noch kahlen Weinberge jeweils mit einer Wasserlösung mit verschiedenen Naturpräparaten wie Kuhfladenkompost, Hornmist und Hornkiesel besprüht. «Das stärkt und schützt die Reben», sagt François Meyer. Je nach Witterung kommt er so bis Mitte August mit fünf bis sieben klein dosierten Behandlungen aus. Zum Einsatz kommt ein spezielles Gemisch aus Kupfer, Schwefel und Kräutertee. Ob es bereits der nächsten Meyer-Generation, die mit Xavier Meyer in den Startlöchern steht, gelingt, vollständig auf Kupfer und Schwefel zu verzichten, wird die Zukunft zeigen.
Delinat-Richtlinien: strenge Vorgaben
Die EU-Bioverordnung lässt zur Bekämpfung von Falschem Mehltau (Peronospora) im Weinbau 4 kg Kupfer pro Hektar im 5-Jahresdurchschnitt zu. Die Delinat-Richtlinien sehen deutlich kleinere Höchstmengen vor. Im 5-Jahres-Durchschnitt sind auf der höchsten Stufe (drei Schnecken) maximal 2,2 kg/ha pro Jahr erlaubt. Auf Stufe 2 (zwei Schnecken) sind es 2,52 kg/ha und auf Stufe 3 (eine Schnecke) 3,0 kg/ha.
Beim Schwefel kennen weder EU-Bio noch Demeter oder andere Biolabels Grenzwerte. Delinat dagegen beschränkt die Schwefelmenge gegen Echten Mehltau (Oidium) im 5-Jahres-Durchschnitt und bei laufendem Absenkpfad im Jahr 2025 auf maximal 20 kg/ha für drei Schnecken, 32 kg/ha für zwei Schnecken und 63 kg/ha für eine Schnecke, um Nützlinge zu schonen.
www.delinat.com/richtlinien
Der Artikel sowie der Hinweis auf Kupfer- und Schwefeldurchschnittswerte innerhalb der Delinat-Richtlinien, wurde am 12. Dezember 2025 aktualisiert.
Über die Autorin
Hans Wüst, Redaktor
Die Natur fasziniert mich. Und Wein, als eine Facette davon, ganz besonders. Bei Delinat gibts beides in einer wunderbaren Symbiose.
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Daniel Wyss (Winzerberater bei Delinat)
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