Auf ein Glas mit Hans-Peter Dreier

Delinat legt nicht nur im Weinberg, sondern auch beim Transport grossen Wert auf Ökologie und Nachhaltigkeit. Für die Weintransporte aus den wichtigsten Weinländern Europas besteht eine Zusammenarbeit mit der Dreier AG. Bei einem Glas Wein am Firmensitz in Suhr verriet CEO Hans-Peter Dreier seine Vision von einem nachhaltigen Transport.

Hans-Peter Dreier, welche Beziehung haben Sie zum Wein?
Hans-Peter Dreier: Bei uns hiess es immer: Wer trinkt, fährt nicht! Und weil ich schon in jungen Jahren viel gefahren bin, habe ich zwar schon früh Wein transportiert, aber nicht getrunken. Das hat mir einst bei den französischen und spanischen Fahrern den Spitznamen «Mister Seven Up» eingetragen. Erst etwa mit 40 Jahren habe ich dann angefangen, gelegentlich Wein zu trinken. Heute schätze ich ein Glas guten Wein. Etwas Alltägliches ist es für mich aber auch heute nicht.

Als grosser Transport- und Logistikunternehmer sind Sie wohl oft mit dem Image eines Umweltverpesters konfrontiert. Wie gehen Sie damit um?
Der umweltfreundlichste Transport ist der Nichttransport. Nur hat in diesem Fall der Konsument nichts auf dem Tisch. Wir transportieren ja nur, was verlangt wird, und das möglichst ökologisch. Bereits 1988 haben wir mit dem kombinierten Verkehr Strasse/Schiene begonnen, deshalb trifft uns kein negatives Image.

Dreier AG: Transport auf der Schiene

Sie betonen, Dreier sei ökologisch unterwegs. Was heisst das konkret?
Wir verwenden gerne das Wort «ökologistisch». Wir arbeiten nach dem Grundsatz: kurze Strecken auf der Strasse, lange Strecken auf der Schiene! Wo immer möglich und machbar setzen wir auf die Bahn. Das gilt auch auf relativ kurzen Strecken innerhalb der Schweiz. Gleichzeitig achten wir bei unseren Fahrzeugen auf neuste Technologie. Da sind in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht worden. Ökologie ist für uns kein Marketing-Gag, wir haben sie seit 1988 in unserer DNA.

«Bis 2025 dürften in der Schweiz über
1000 Wasserstoff-LKWs unterwegs sein.»

Delinat hat die Dreier AG als Transporteur ausgewählt, weil das Unternehmen für die wichtigsten Weinländer auf den kombinierten Verkehr setzt. Heute funktioniert diese Art des Transports international nur noch mit Italien und Deutschland. Weshalb mit Spanien und Frankreich nicht mehr?
Früher hatten wir Bahnverbindungen über Frankreich nach Spanien. Das ist seit Jahren leider nicht mehr der Fall. Es begann mit einem Lokführer- oder Lokmangel in Frankreich. Dann brachen mit der Finanzkrise 2009 Volumen weg. Es hat aber auch mit dem geänderten Warenfluss zu tun. Von der Schweiz wird nur noch wenig Ware nach Spanien exportiert, was dazu geführt hat, dass der kombinierte Verkehr plötzlich nicht mehr angeboten wurde. In Deutschland und Italien ist dieses Angebot viel besser ausgebaut und die Qualität stimmt.

Hans-Peter Dreier, CEO Dreier AG
Transportunternehmer Hans-Peter Dreier setzt auf den kombinierten Verkehr Strasse/Schiene. Für lange Transporte auf der Strasse sieht er die Zukunft bei Wasserstofffahrzeugen.

Persönlich
Hans-Peter Dreier (Jahrgang 1960) ist in Suhr AG geboren und aufgewachsen. Nach einer kaufmännischen Lehre und mehreren Auslandaufenthalten hat er in Olten Betriebswirtschaft studiert.

1985 ist er ins Familienunternehmen eingestiegen. Seit 1994 führt er die Dreier AG. Für das ökologisch ausgerichtete Transport- und Logistikunternehmen aus Suhr sind an verschiedenen Standorten in Europa und Nordafrika über 600 Mitarbeitende sowie 290 LKW und 650 Wechselbrücken im Einsatz. Für Delinat transportiert das Unternehmen Weine von Winzern in Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland via Schiene und Strasse ins Zentrallager in Grenzach.

Hans-Peter Dreier ist mit seiner langjährigen Partnerin verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. In seiner Freizeit unternimmt er gerne Reisen in unterschiedliche Länder oder ist in den Schweizer Bergen unterwegs.

Die Ansprüche von Delinat an Logistik und Transport wachsen ständig. Wohin geht die Reise in diesen Bereichen?
Die Motorentechnologie für den Strassentransport ist schon weit fortgeschritten, geht aber noch weiter. Die zulässigen Schadstoffwerte werden immer stärker gesenkt, aber irgendwann ist das Potenzial bei Verbrennungsmotoren ausgeschöpft. Als Alternativen gibt es heute zwei Tendenzen. Zum einen kommen Elektrofahrzeuge auf den Markt. Die Herausforderung sind hier die derzeit eher bescheidenen Reichweiten. Elektro-LKWs werden sich in den nächsten Jahren vor allem im Bereich der Citylogistik mit Tagesdistanzen bis zu 300 Kilometern durchsetzen. Im Langstreckenbereich sehe ich einen Durchbruch bis Ende Jahrzehnt eher bei der Wasserstofftechnologie. Diese erlaubt einen CO2-neutralen Transport. Der Start in der Schweiz ist mit ersten immatrikulierten LKWs gelungen. Bis 2025 dürften über 1000 Wasserstoff-LKWs unterwegs sein.

Ist ein Umstieg der ganzen Fahrzeugflotte auf diese neuen Technologien für eine Transport- und Logistikfirma überhaupt verkraftbar?
Bei uns ist es so, dass wir jedes Jahr mindestens 30 Fahrzeuge ersetzen müssen. Das geschieht immer durch Fahrzeuge, die ökologische Bestwerte erzielen. Eine Flottenerneuerung geschieht nicht von einem Tag auf den andern, sondern ist ein ständiger Prozess. Wichtig ist aber auch, dass zum Beispiel Wasserstofffahrzeuge, deren Technologie heute noch sehr teuer ist, vorderhand von Schwerverkehrsabgaben befreit bleiben, damit sich ein Umstieg finanzieren lässt, bis es Standardfahrzeuge sind.

Eine Vision, wie die Delinat-Weine im Jahr 2030 von den Winzern zu den Konsumenten gelangen könnten?
Persönlich hoffe ich, dass der kombinierte Verkehr zu einem adäquaten Preis so vielfältig ist, dass alle Länder Europas miteinander verbunden sind. Sollte diese Vision nicht klappen, streben wir mit Wasserstofffahrzeugen einen CO2-neutralen Transport an.

Bei welchen Gelegenheiten öffnen Sie eine gute Flasche?
Im Freundeskreis, in genussvollen Momenten, bei einem schönen Essen im privaten Kreis.

Wo liegen Ihre Präferenzen?
Ich mag vor allem gehaltvolle spanische Rotweine.

Wie gut kennen Sie die Delinat-Weine und wie gefallen sie Ihnen?
Mein Vater ist mehr Weinkenner als ich. Er kennt das Delinat-Sortiment gut und nutzt es auch gerne für Kundengeschenke. Die Feedbacks sind immer sehr positiv. Also greifen wir selber ebenfalls gerne auf solche Tropfen zurück.

Weintipp von Hans-Peter Dreier

Albet i Noya Reserva Marti

Durch meine früheren LKW-Fahrten nach Spanien ist eine spezielle Beziehung zu diesem Land und seinen Weinen geblieben. Der Reserva Martí ist samtig weich und überzeugt durch schöne Fruchtnoten. Dieser Wein harmoniert für mich auch gut mit einem Stück Schweizer Schokolade. Eine wunderbare Symbiose Spanien/Schweiz. Was will man mehr?

Albet i Noya Reserva Martí
Penedès DO 2015
www.delinat.com/albet-i-noya-reserva-marti

Weinversand im Wandel

Im Laufe der 38 Delinat-Jahre wurde unser Lager- und Versandsystem viele Male neu erfunden. Anfangs war es das schnelle Wachstum, das unser Warenlager immer wieder aus den Nähten platzen liess. Später waren es vor allem neu angebotene Dienste und das Aufkommen des Internets, das unser Versandsystem beeinflusst hat. Es wurde schneller und sparsamer. Auch hat der Erfolg des DegustierService zu immer effizienteren Prozessen und Kostenreduktion geführt, so dass wir schliesslich eine portofreie Sendung anbieten konnten.
Das ist die einfachste Art, Weinflaschen zu transportieren: 600 bis 700 Flaschen passen auf eine Palette. Die Trennkartons werden im Anschluss zu wertvollem Stopfmaterial aufbereitet.
Das Internet beflügelt den Versandhandel und die Zustelldienste können mit ihren automatisierten Verteilzentren heute bessere Lösungen und Preise anbieten, als je zuvor. Diese Entwicklung hat allerdings nicht nur positive Seiten. Eine Herausforderung ist, dass die Bruchgefahr durch die Förderbänder und Sortieranlagen deutlich gestiegen ist. Weinflaschen können in normalen Kartons, wie sie die Winzer verwenden, kaum noch verschickt werden. In der Schweiz bietet die Post mit «VinoLog» einen Dienst an, bei dem die Pakete von Hand sortiert werden, so dass auf dickere Kartons verzichtet werden kann. In Deutschland kann Hermes ähnliches leisten. Allerdings haben beide Dienste auch Nachteile, z.B. sind sie relativ langsam, wenig flexibel und teuer. Ausserdem fehlen Alternativen – bei Engpässen oder Problemen können wir nicht ausweichen, ohne die Sendungen in posttaugliche, schwere Kartons umzupacken und dabei Unmengen von Karton-Müll zu produzieren, weil die Winzer-Kartons entsorgt werden müssen. Seit zwanzig Jahren bewirtschaften externe Dienstleister das Delinat-Lager. Via Schnittstellen werden die Daten für die Versandaufträge übertragen. Diese Systeme waren früher ganz praktisch, weil sie skalierbar waren. Mit steigenden Anforderungen stossen sie aber immer mehr an ihre Grenzen und es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, Anpassungen zu machen. Wir haben daher beschlossen, 2019 die Sache wieder selbst in die Hand zu nehmen. Mit dem Ziel, einen zuverlässigen und schnellen Lieferdienst zu gewährleisten, vor allem aber einen ökologisch vorbildlichen.

Ein Ausblick

Unser Ziel ist kein geringeres, als Weinflaschen sicher, schnell und ohne Verpackungsabfall in ganz Europa auszuliefern. Mit jedem ökologisch und sozial vertretbaren Paketdienst, mit und ohne Förderbänder. Mit Auslieferung nach Hause, an Packautomaten oder Abholstationen. Ohne Abfall – wie soll das gehen? Es braucht natürlich nach wie vor ein Gebinde. Und Karton aus Recycling-Papier ist aus unserer Sicht nach wie vor die ideale Verpackung. Anstelle aber auf möglichst leichte Einweg-Kartons zu setzen, und damit Bruch zu riskieren, machen wir das Gegenteil: Unsere neuen Versandkartons werden stärker als die bisherigen sein, so dass sie jede Art von Transport überstehen und die Weinflaschen perfekt schützen. Sie werden so gut sein, dass sie im Durchschnitt ein halbes Dutzend Mal auf die Reise geschickt werden können.
Eine Variante der Rollwagen, in denen die leeren Kartons gesammelt werden. Sie sind zusammenlegbar und nehmen 40 bis 100 Leerkartons auf, je nach Grösse. Gesammelt werden ausser den kleinen DegustierService-Kartons auch die ab Januar 2019 genutzten hochwerting 6er, 9er und 12-Kartons.
Das bedeutet aber, dass die Kartons irgendwie zu uns zurück finden müssen. Dies soll auf zwei Wegen möglich werden: In Städten und Agglomerationen wollen wir 2019 Sammelstellen einrichten und mehrmals pro Jahr Sammelwochen durchführen. Für jede Region wird es einen Sammelkalender geben und Delinat-Kunden können sich per Mail oder SMS daran erinnern lassen. Für Leute auf dem Land wird es die Möglichkeit geben, die Kartons in einem Sammelbehälter auf unsere Kosten zurückschicken zu können. Ab Januar 2019 wird ein neues Team von etwa 10 Delinat-Angestellten unser modern eingerichtetes Lager in Grenzach-Wyhlen bewirtschaften und die Pakete packen. Die Logistik-Leiterin ist eingestellt, weitere Stellen haben wir soeben ausgeschrieben. Die Stellenbeschreibungen finden Sie hier.

Karton-Sammelstellen

In Städten und Agglomerationen suchen wir an guter Verkehrslage Standplätze für Rollcontainer zum Sammeln von leeren Kartons. Die Rollwagen müssen jeweils alle drei Monate für eine Woche von Delinat-Kunden zugänglich sein, um die leeren Kartons darin zu verstauen. Die Rollbehälter haben eine Grundfläche von etwa 1,4 x 1,0 m und eine Höhe von etwa 2 m. Die Platzierung muss vor Niederschlägen und Sturm geschützt sein. Falls Sie selbst einen passenden Unterstand haben, den Sie vier Mal jährlich für eine Woche zur Verfügung stellen können, dann melden Sie sich bitte hier. Die «Miete» für den Standplatz wird mit einem Einkaufsgutschein honoriert. Beim Abholen wird der volle Rollbehälter jeweils durch einen leeren ersetzt, der sich zusammengeklappt auf kleinstem Raum aufbewahren lässt, bis er drei Monate später zum Einsatz kommt.

Die nachhaltigste Art, Wein zu kaufen

Im Weinbau ist die Delinat-Methode nicht nur zu einem Begriff, sondern auch zum Vorbild für viele Winzer geworden. Einzigartig ist die zwingende Verknüpfung von Biodiversität mit Qualität und wirtschaftlichem Erfolg. Dass bei grosser Vielfalt die Gefahr vor Schädlingen und Epidemien geringer ist als in tristen Monokulturen, konnte hinreichend bewiesen werden. Und dass es sich auch wirtschaftlich lohnt, können 100 Winzerfamilien bezeugen, die seit Jahren nach der Delinat-Methode arbeiten. Auch aus ökologischer Sicht gibt es keine bessere Alternative.
Vier solcher Elektro-Lieferwagen sind rund um die Weindepots in der Schweiz im Einsatz. Den Strom produziert Delinat mit einer 530 kW-PV-Anlage – mehr als ausreichend für Fahrzeuge, Büro und Lager.
Es wäre zu kurz gedacht, wenn sich die Nachhaltigkeit lediglich auf den Weinbau beschränken würde. Auch der Transport der Flaschen zum Weinfreund gehört in eine ganzheitliche Sichtweise. So sollten die Transportstrecken möglichst kurz gehalten und die Fahrzeuge möglichst schadstoffarm und ausgelastet fahren. Bei langen Strecken setzen wir nach wie vor auf die Bahn, die eine deutlich bessere Ökobilanz als der Diesel-LKW aufweist. Auch auf dem Weg zum Verbraucher setzen wir auf die kürzesten und effektivsten Transporte. In der Schweiz rollen bereits vier eigene Elektro-Lieferwagen und einige Paketdienste sind auch schon elektrisch unterwegs. Noch aber gibt es auch bei Delinat Verbesserungspotenzial.
Die Rollcontainer mit Leerkartons werden ab 2020 elektrisch zurück ins Delinat-Lager bei Basel transportiert. Die Ökobilanz bei Wiederverwendung der Kartons ist an sich schon deutlich besser – mit Elektrifizierung des Transports nimmt der Effekt noch weiter zu.
Zum Beispiel LKW: Für dieselbe Strecke, die heute 100 Liter Diesel verpufft, benötigt ein elektrisch betriebenes Fahrzeug lediglich das Energie-Äquivalent von 20 Liter. Das ist sogar sparsamer als die Bahn, die allein zum Unterhalt der Infrastruktur viel Energie verbraucht. Wahrscheinlich kann Delinat heute schon die beste Transport-Ökobilanz im Weinhandel vorweisen. Doch mit der neuen abfallfreien Auslieferung und der Optimierung auf der Strasse wird sich diese ab 2019 noch deutlich verbessern. So bald die Änderungen umgesetzt sind, werden wir den ökologischen Fussabdruck von neutraler Stelle erneut bilanzieren lassen.