Meinklang: Pflanzen-Inseln im Weinberg

Wir haben Wien hinter uns gelassen und sind im Burgenland angekommen, wo auf dem Weingut Meinklang so richtig die Post abgeht: Angela und Werner Michlits sind innovative Winzer. Ihr grösster zusammenhängender Weinberg erstreckt sich über eine Fläche von 11 Hektar. Er ist mit Rebstöcken der Sorten Zweigelt, St. Laurent und Grüner Veltliner bepflanzt. Weil natürliche Strukturelemente wie Bäume, Hecken und Sträucher fehlen, wirkt die riesige Rebfläche in der weiten, flachen Landschaft monoton. Das soll sich nun in den nächsten Jahren radikal ändern.

Blick aus der Vogelperspektive: Die Rebzeilen werden unterbrochen um Pflanzen-Inseln Platz zu machen.

27 Inseln mit grosser Pflanzenvielfalt

Das junge Winzerpaar hat in Zusammenarbeit mit einer Botanikerin ein Renaturierungsprojekt gestartet, das in seiner Dimension im Weinbau bisher wohl einzigartig ist. Hunderte von Rebstöcken wurden entfernt, um 27 Inseln in Form von 50 bis 200 m2 grossen ökologischen Hotspots Platz zu machen.

Bäume, Sträucher, Blumen, Kräuter und Getreide sollen auf diesen Inseln zusammen mit Holz- und Steinhaufen Lebensraum für eine vielfältige Fauna und Flora bieten. Im Moment ist davon zwar noch wenig zu sehen. In den letzten Monaten gab es einen argen Rückschlag: Viele der neu gepflanzten Bäume sind der Trockenheit zum Opfer gefallen und verdorrt. Sie werden im kommenden Herbst nach der Ernte ersetzt.

Familie Michlits beim Bewirtschaften der frisch angelegten ökologischen Hotspots.

Winzertreffen gab den Anstoss

Den Anstoss zu diesem Öko-Projekt hat das Delinat-Winzerseminar 2010 auf Château Duvivier gegeben. Werners Eltern Annelies und Werner Michlits sen. waren dabei, als Hans-Peter Schmidt, Leiter des Delinat-Institutes, das Anlegen von ökologischen Hotspots zur Verbesserung der Biodiversität in den Weinbergen propagierte. Werner Michlits sen. sah vorerst nur rot, als er von dieser neuen Idee hörte. Seine dezidierte Meinung: Bäume mitten in den Rebbergen würde das Problem mit den Staren, die im Burgenland jeweils vor der Ernte über die heranreifenden Trauben herfallen, nur noch verschärfen, wenn man ihnen quasi zusätzliche Start- und Landeplätze bot. Und die maschinelle Bearbeitung der Weinberge würde massiv behindert.

Der praktische Anschauungsunterricht in den Rebbergen von Antoine Kaufmann auf Château Duvivier dürften dann aber ein Umdenken bewirkt haben. «Als meine Eltern aus Frankreich zurückkehrten, sprachen sie ganz begeistert von diesen ökologischen Hotspots», erinnert sich Werner jun. Bei ihm und Angela rannten sie damit offene Türen ein, so dass der Weg für dieses einzigartige Biodiversitätsprojekt geebnet war.

Alle Artikel der Österreichreise:
Tag 1: Wachau: Toter Boden wird lebendig
Tag 2: Wagram – Grüner Veltliner aus der Gruft
Tag 3: Der Charme von Wien und Biowein
Tag 4: Meinklang: Pflanzen-Inseln im Weinberg

1 comment

  1. Auch Biowinzer sind zumeist erst einmal Landwirte, die ungern etwas von ihrer Produktionsfläche abgeben. Zumal dann von diesen Hotspots vielleicht auch noch Schatten auf die Reben (Nutzpflanzen)fällt. Nur wenn auch die Kunden den Wunsch nach Artenvielfalt an den Winzer/in bringen, steigt vielleicht deren Einsicht.
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