Winzermeeting auf Château Duvivier: Biodiversität und Richtlinien

Heute war ein abwechslungsreicher, interessanter Tag. Am Morgen waren die Winzer/innen mit einer Theorielektion über die Wechselwirkung der Bodenlebewesen bis hin zu den Bakterien gefordert worden. Ausserdem erklärten  ihnen Hans-Peter Schmidt und Claudio Niggli vom Delinat-Institut die Vorteile und die Bereicherung durch eine hohe Biodiversität im Rebberg.

Eine Herausforderung: die neuen Delinat-Bio-Richtlinien

Am Nachmittag wurden die neuen Delinat-Bio-Richtlinien vorgestellt. Das Echo  der Winzer/innen war positiv, auch wenn es für alle eine grosse Herausforderung bedeutet, diese Richtlinien zu erfüllen. Die meisten Bedenken konnten aber aus dem Weg geräumt werden. Die Winzer/innen sind sehr motiviert, die gesteckten Ziele zu erreichen.

Gemeinsame Plattform für die Winzer

Hier zeigte sich dann der erste praktische positive Effekt des Treffens und der gemeinsamen Arbeit: Die Winzer/innen wollen nun  untereinander Wissens-Plattformen schaffen, auf denen sie ihre Erfahrungen austauschen können. Wir konnten nämlich feststellen, dass auf viele Fragen und Sorgen des einen Winzers  ein Anderer bereits die Antwort  kennt.

Biodiversität in der Praxis

In einer gemeinsamen Aktion haben wir dann auf Château Duvivier so genannte biologische „Hotspots“ angelegt. Im Vorfeld waren einzelne Rebzeilen herausgerissen worden, um Platz zu schaffen. Heute haben wir dann dort Sanddorn, wilde Apfel- und Birnbäume, Felsbirne, Feigenbäume und  Weinbergpfirsiche gepflanzt; diese Bäume werden künftig den Weinberg bereichern und beleben. Bei dieser Arbeit sah man auch, welche Winzer tatsächlich noch Winzer sind und welche schon zu Bürohengsten mutiert sind! Spass beiseite, wir haben natürlich nur waschechte Winzer, die wetteiferten, wer ein tieferes Loch graben kann!

Es wird Frühling!

Bis vor zwei Tagen war auch hier in der Provence noch Winter, aber wenn Delinat grosse Projekte hat und die Winzer mobilisiert, schenkt uns Petrus Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen. Jetzt freuen wir uns alle auf den Aperitif und das wohlverdiente Abendessen. Es wird sicher von anregenden Diskussionen begleitet.

Hans Wüst

Redaktor bei Delinat
Der Mensch kann die Natur malträtieren oder in Harmonie mit ihr zusammenarbeiten. Egal, wofür er sich entscheidet, sie ist immer stärker. Weine, die im Einklang mit der Natur hergestellt werden, sind deshalb nicht nur besser, sie haben auch eine ganz andere Aura.
Hans Wüst

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6 comments

  1. ja, der Frühling ist hier in Südfrankreich endlich angekommen:-), der Saft steigt schon in den Reben…

    Wer sind denn die teilnehmenden Winzer und wer hat den Vortrag über Bodenleben gehalten. Der bekannteste französische Spezialist ist ja Claude Bourguignon, der als einer der ersten vor 25 Jahren über Biodiversität und die Bedeutung der Mikrobiologie und des Bodenlebens im Weinberg sprach und schrieb.

  2. Claude Bourguignon ist der bedeutendste Vorkämpfer auf dem Gebiet der Bodenbioddiversität im Weinbau. Von ihm haben wir sehr viel gelernt und hoffen, seine Arbeit würdig fortzusetzen. Seine Büchern können wir allen Winzern und Weinliebhabern immer wieder empfehlen. hps

  3. Betreff: „Enthält Sulfite“

    Ich bin etwas enttäuscht, auch auf Bioweinen diesen Vermerk zu finden. Ich glaube zu wissen, dass Sulfate zum Gährungsprozess gehört, jedoch sollte dieser gerade bei Bioweinen so tief sein, dass dies nicht gemäss EURO-NORMEN deklariert werden sollte.
    Kann mir dies jemand erklären oder bin ich hier vollständig auf dem Holzweg?
    Beste Grüsse
    Eugen Hasler

  4. Die Zugabe von Sulfiten zum Wein ist eine komplexe Angelegenheit.

    Tatsache ist: es gibt kaum Bioweine, denen kein Schwefel zugesetzt wurde. Die Grenzwerte für zugesetzten Schwefel liegen nach den verschiedenen Bio-Richtlinien zwar unter denen für konventionellen Wein. Auf dem Wein-Etikett jedoch wird nur angegeben, dass der Wein „Sulfite enthält“ – nicht aber, wie viel.

    Die Grenzwerte für die Zugabe von Sulfiten waren Inhalt einiger Diskussionen zu den neuen Delinat-Richtlinien. Diese Richtlinien wurden gerade auf dem Delinat-Winzertreffen verabschiedet; wir werden sie in den nächsten Wochen hier im Blog mit Winzern und Kunden ausführlich diskutieren – natürlich auch das Thema Schwefel.

  5. Warum müssen die Zonen mit biologischer Artenvielfalt „Hotspots“ genannt werden? Es passt zwar zu dem auch von delinat propagierten „Klimafarming“,aber beides gewinnt für mich den Eindruck, das es hier nur um die Bedienung von neuzeitlichen Moden geht (auch wenn es hoffentlich nicht so gemeint ist). Erfüllen den die sog. Hotspots die Ansprüche der Conservation International?

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