Spargel – bio oder konventionell?

Kulinarisch gehört Spargel für mich zu den sehnlichst erwarteten Frühlingsboten. Schon im März hätte ich die Möglichkeit, Spargel aus Peru, Spanien oder Griechenland zu kaufen. Auch wenn es zuweilen schwerfällt: Als umweltbewusster Liebhaber von möglichst frischem Spargel warte ich bis Mitte oder gar Ende April zu. Gerade aus Peru eingeflogener Spargel hat nicht nur eine miserable CO2-Bilanz, der Anbau in den trockenen Regionen verbraucht auch enorme Mengen an Wasser, das den Einheimischen fehlt. Vor diesem Hintergrund lohnt sich das Warten auf Spargel aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, zumal alle drei Länder über Regionen verfügen, die von April bis Juni hervorragende Qualität auf den Markt bringen. Ob weisser, grüner oder gar violetter Spargel ist mir einerlei. Bei der Farbe zählt die Abwechslung.

Lohnt sich der Mehrpreis für Bio-Spargel?

Spargel

Wichtig neben der regionalen Herkunft ist für mich der Anbau. Ich kaufe wenn immer möglich Spargel aus biologischem Anbau. Der ist zwar teurer als konventionell angebaute Stangen. Diesem Nachteil stehen aber lauter Vorteile gegenüber. Biobauern verzichten beim Spargelanbau genauso wie im Weinbau auf chemisch-synthetische Dünger und Spritzmittel. Unerwünschtes «Unkraut» wird von Hand entfernt. Um Pilzbefall vorzubeugen, werden die Spargelpflanzen weiter auseinander gesetzt – Mindererträge werden in Kauf genommen. Sind Spritzmittel gleichwohl nötig, kommen Kupferlösungen oder noch besser Pflanzen stärkende Kräutertees zum Einsatz.
Solche Massnahmen rechtfertigen den Mehrpreis, weil sie Boden, Wasser und Umwelt schonen, aber auch garantieren, dass nur Spargel ohne Pestizidrückstände auf den Tisch kommt.
Mein persönliches Fazit: Wer Umwelt, Klima und Menschen nicht schaden möchte, sollte Spargel aus fernen Ländern meiden, sich in Geduld üben und dann während der kurzen Saison auf regionalen Bio-Spargel setzen

Biodiversität auf dem Teller und im Glas

Dieses Jahr freue ich mich noch aus einem anderen Grund auf vielfältige Spargelgerichte. Mein bevorzugter Wein zu diesem herrlichen Frühlingsgemüse ist der Grüne Veltliner. Andreas Harm, der in der Wachau und im Kremstal Weissweintrauben kultiviert, ist von Delinat für seine grossen Anstrengungen zugunsten artenreicher Rebberge zum Biodiversitätswinzer 2021 gewählt worden. Er revanchiert sich dafür mit einer Spezialabfüllung. Bei seinem Biodiversitätswein mit bunter, frühlingshafter Etikette handelt es sich um einen Grünen Veltliner aus der Lage Goldbühel über dem Ort Krustetten im Kremstal. Ein Glas «Harm Biodiversität» und frischer Spargel von der Donau, aus Baden oder dem Schweizer Mittelland in Bioqualität, und die Welt ist für mich auch in pandemiebedingt schwierigen Zeiten schwer in Ordnung.

Hans Wüst
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1 comment

  1. Hallo Herr Wüst,
    ganz einfach.
    Ihren Ausführungen ist nichts mehr hinzuzufügen.
    Es geht nur mit der Natur, alles andere ist mehr als nur dumm…

    herzliche Grüße Roland Lehmert

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