Frühlingserwachen im Weinberg

Nach einem langen und strengen Winter ist auch in der Ostschweiz der Frühling eingetroffen. Knospen spriessen und Bienen sammeln den Nektar der ersten Blüten – der Kreislauf der Natur beginnt von Neuem.

In den Rebbergen können jetzt zwei Naturphänomene beobachtet werden:

1. Saftaustritt aus Rebschnittwunden

Im Frühjahr verliert die Rebe Flüssigkeit aus Rebschnittwunden. Dieser Vorgang setzt mit dem ersten warmen Frühlingswetter ein und dauert einige Tage. Dabei verliert ein Weinstock bis zu 5 Liter Wasser – denn darum handelt es sich beim Saft, der aus den Rebschnittwunden tropft, abgesehen von geringen Konzentrationen an Mineralstoffen, Zucker, organischen Säuren und Hormonen. Dies ist das erste sichtbare Zeichen für den Beginn des neuen Wachstumszyklus – es zeigt die beginnende Aktivität des Wurzelsystems an. Osmotische und Kapillar-Kräfte lassen in der Pflanze Wasser aufsteigen.

2. Austrieb der Sprossen

Damit beginnt die neue Wachstumsperiode und endet die Winterruhe. Die beim Winterschnitt stehen gebliebenen „Augen“ beginnen in den Wochen vor dem Austrieb zu schwellen. Der Austrieb selbst zeigt sich durch den ersten grünen Schimmer im Weinberg, wenn sich das erste junge Laub entfaltet und aus den Knospen hervorspriesst. Für den Winzer beginnt mit dem Austrieb bis zur Lese eine achtmonatige arbeitsreiche Zeit, in der es gilt, den Weinstock gegen Schädlinge und Krankheiten zu schützen und ihn zu erziehen. Das grösste Problem in den meisten Weinbergen ist um diese Zeit der Spätfrost, der den empfindlichen jungen Austrieb besonders stark schädigen kann.

Fleissige Honigbienen

Weinreben brauchen sie zwar nicht zwingend, doch ihre Begleitflora schon: Für die Landwirtschaft sind Bienen als Bestäuberinnen unverzichtbar. Mit ihrem sprichwörtlichen Fleiss bestäuben Honigbienen jedes Frühjahr unzählige Blüten – und sorgen damit unter anderem für die Erhaltung der Artenvielfalt. Sie verfügen über eine hochentwickelte soziale Lebensweise und gelten als Musterbeispiel für selbstloses Verhalten, weil sie nicht nur für ihre direkten Nachkommen sammeln. Jedoch machen Pestizide und Insektizide den Bienen heute schwer zu schaffen und mindern ihre Abwehrkräfte gegen ihren schlimmsten Feind: die Varroamilbe.

Es ist Frühling und höchste Zeit, freie Stunden wieder draussen zu geniessen, tief durchzuatmen, aufzutanken und dankbar die Wunder der Natur zu beobachten.

Hans Wüst
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