Der ultimative Schaumwein-Guide: Das ist der Unterschied zwischen Brut, Extra-Dry und Demi-Sec

Wie süss darf es sprudeln? Wenn die Festtage näher rücken, stellt sich auch immer wieder die Frage nach dem richtigen Schaumwein. Doch die Wahl zwischen Champagner, Prosecco und Sekt ist nicht immer leicht und die verwirrenden Bezeichnungen der jeweiligen Zuckergehalte machen es nicht einfacher. Wir bringen Licht in den Schaumwein-Dschungel und sorgen dafür, dass allfällige Fettnäpfchen bei der Weinauswahl umschifft werden können.

Es gibt Momente im Leben, in denen man souverän wirken möchte: Zum Beispiel beim Bestellen eines Schaumweins im Restaurant, wenn der Kellner fragt: «Darf’s eher brut, extra dry oder demi-sec sein?» Innert Sekunden muss man eine Entscheidung treffen, ohne sich zu blamieren, doch das kann schnell ins Auge gehen. Millionen Menschen haben schon mit selbstbewusstem Blick einen Schaumwein «extra dry» gewählt, weil der Name so herrlich trocken klingt – und dann überrascht festgestellt, dass der «Extra dry» nach süsser Zitronenlimonade schmeckt und einem den Mund zusammenkleben lässt.

Champagner, Prosecco oder Cava? Die riesige Auswahl an verschiedenen Schaumweinen kann einem schnell einmal überfordern.

Damit das nie wieder passiert, haben wir hier die ultimative, internationale Schaumwein-Übersetzungstabelle zusammengestellt, mit einer kleinen Dosage Humor und einfachen Erklärungen:

Schaumweine und ihre Restsüsse

BezeichnungRestzucker (g/L)GeschmackGeeignet für
DE: Naturherb
FR: brut nature, pas dosé, dosage zero
IT: dosaggio zero
EN: brut natur
Zuckergehalt unter 3 g/l. Nur zugelassen, wenn nach der zweiten Gärung kein Zucker zugesetzt wurde.So trocken, dass selbst ein Kaktus nach einem Glas Wasser fragt.Für einige wenige Menschen, die finden, dass Wasser schon süss genug ist.
DE: Extra herb
FR: extra brut
IT: extra bruto
0–6 g/l ZuckergehaltImmer noch rigoros trocken, aber mit einem Hauch Diplomatie.Für Leute, die es trocken mögen, aber mit ein bisschen Nettigkeit.
DE: herb
FR: brut
IT: bruto
EN: brut
Weniger als 12 g/l ZuckergehaltKlassisch trocken; frisch, spritzig, beliebt.Der Schaumwein, den die meisten mögen. Selbst deine Tante, die sonst nur Tee trinkt.
DE: extra trocken
FR: extra sec
IT: extra secco
EN: extra dry
Zuckergehalt zwischen 12 und 17 g/lSüsser als der Name vermuten lässt: Der Begriff «Extra Trocken» ist irreführend.Klingt wie Wüste, schmeckt aber wie eine Mischung aus Limonade und Schaumwein.
DE: trocken
FR: sec
IT: secco, asciutto
EN: dry
Zuckergehalt zwischen 17 und 32 g/lSpürbar süss. Nicht trocken. Gar nicht.Für alle, die sagen: «Ich mag es, wenn Wein nicht so sauer ist».
DE: halbtrocken
FR: demi-sec
IT: abboccato
EN: medium dry
Zuckergehalt zwischen 32 und 50 g/lZiemlich süss – fast wie ein prickelndes Dessert.Für diejenigen, die finden, dass Cola zu wenig süss ist.
DE: mild
FR: doux
IT: dolce
EN: sweet
Restzuckergehalt über 50 g/lUltra-süss – praktisch ein Zuckerschock mit Bläschen.Für Menschen, die Dessert so sehr mögen, dass sie es am liebsten trinken.

Unsere Schaumwein-Highlights für jeden Geschmack:

Naturherb: Sed de Dánae Brut Nature, 0,8 g/l

Francisco Ruiz‘ «Blanc de Blancs» aus Viura-Trauben: der erste Bio-Schaumwein mit der Qualitätsbezeichnung Rioja DOCa. Drei Jahre auf der Flasche gereift und ohne Dosage abgefüllt. Ein Traum!

Extra herb: Domaine Meyer Crémant d’Alsace 3,6 g/l

Der in klassischer Champagner-Manier hergestellte Schaumwein gehört zum Besten, was das Elsass in dieser Sparte zu bieten hat. Perfekt zu Flammkuchen, Salzgebäck oder zum festlichen Aperitif.

Herb: Albet i Noya Espriu Brut Reserva 9,7 g/l

Cava, nur besser: Josep Maria Albet i Noyas Classic Penedès Espriu, aufwendig vinifiziert wie ein Champagner. Ein glanzvoller Start in festliche Stunden.

Extra trocken: Savian Prosecco rosé, 14,9 g/l

Der Prosecco rosé von William Savian vereint die Basistraube Glera mit einem Hauch von Pinot Nero. Fruchtig-florale Noten treffen auf eine feinperlige Mousse.

Mild: La Brina Moscato, über 50 g/l

Gian-Franco Torelli hat sich auf die Herstellung von Moscato spezialisiert. Mit seinem La Brina zeigt er, wie leichtfüssig, fruchtig-animierend und erfrischend dieser Schaumwein sein kann.

Suchst du etwas anderes? Unser gesamtes Schaumwein-Sortiment findest du hier.

Champagner als Inbegriff eines qualitativ hochwertigen Schaumweins

Schaumwein ist nicht gleich Schaumwein: Nicht nur Farbe, Traubensorten und Herkunft lassen eine riesige Bandbreite an verschiedensten Weinstilen zu, sondern auch die verschiedenen Macharten von prickelnden Weinen. Eine der bekanntesten Schaumweine ist zweifellos der Champagner. Er kommt – wie der Name schon sagt – aus der französischen Region Champagne und unterliegt strengen Herstellungsvorschriften.

Diese umfassen ein streng begrenztes Anbaugebiet, Anbauvorschriften wie Pflanzdichte, Handlese, und eine schonende und schnelle Pressung. Sehr charakteristisch für Champagner ist auch die «méthode traditionelle», also die zweite Gärung in der Flasche, welche für die Kohlensäure entstehen lässt. Um diese zweite Gärung in Gang zu setzen, wird dem Grundwein etwas Zucker und Hefe beigegeben. Mehr Infos zur Herstellung von Champagner findest du hier.

Prosecco: Zeitloser Klassiker aus Italien

Ein weiterer zeitloser Klassiker unter den Schaumweinen ist der italienische Prosecco. Die Anbaugebiete liegen in Norditalien, in Teilen des Venetos und in der Region Friaul-Julisch Venetien. Prosecco wird überwiegend aus der Rebsorte Glera hergestellt, die Anteile dieser Sorte müssen zwischen 85 und 100 Prozent liegen. Ein Prosecco darf nur mit maximal 15 Prozent autochthonen Rebsorten (Bianchetta, Perera, Verdiso, Glera lunga) oder internationalen Sorten, wie Chardonnay, Pinot bianco, Pinot grigio und Pinot nero, ergänzt werden. Im Unterschied zu Champagner wird der Schaumwein Prosecco oft nicht in der aufwändigeren Flaschengärung, sondern in Tankgärung hergestellt. Das heisst, die zweite Gärung geschieht nicht in der Flasche, sondern im Tank.

Und der Name Prosecco hat übrigens nichts mit dem italienischen Adjektiv secco (trocken) zu tun: Der Name Prosecco stammt ursprünglich von einem kleinen Ort bei Triest im Nordosten Italiens, der so heisst. Früher wurde dort die weisse Rebsorte Glera angebaut, die man ebenfalls Prosecco nannte. Der Wein aus dieser Traube wurde daher nach diesem Ort benannt. Seit 2009 heisst die Rebsorte offiziell Glera, damit der Name Prosecco rechtlich geschützt ist und nur für Schaumweine aus bestimmten Regionen Venetiens und Friauls verwendet werden darf.

Crémant, Cava und Winzersekt: Same same, but different

Dann haben wir noch den deutschen Winzersekt und das französische Pendant, den Crémant, der vor allem im Elsass sehr verbreitet ist. Kurz gesagt sind das die Bezeichnungen für qualitativ hochwertige Schaumweine, welche – wie Champagner – mit traditioneller Flaschengärung hergestellt werden. In Spanien wiederum hat der Cava eine grosse Tradition, welcher ebenfalls mittels Flaschengärung hergestellt wird und im Penedès seinen Ursprung hat. Eine etwas edlere Version des herkömmlichen Cavas ist Classic Penedes von Albet i Noya. In Italien wird der Schaumwein Spumante genannt, und das traditionsreichste Gebiet für hochwertige Vini spumanti ist Franciacorta in der Lombardei.

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Piemont, weit mehr als nur Barolo

Das Piemont verfügt über einen reichen Traubenschatz. Einige Weinstile, wie Barolo sind weltweit bekannt. Die Rebsorte Albarossa hingegen gilt als Geheimtipp unter Weinfreunden. 

Piemont ist für seine ausgezeichneten Weine weltweit bekannt.
Piemont ist für seine ausgezeichneten Weine weltweit bekannt.

Das Piemont gehört mit der Toskana zu jenen Regionen Italiens mit den meisten Spitzenweinen. Vor allem die aus der Nebbiolo-Traube gekelterten Barolo und Barbaresco begründen den Ruhm. Doch die Traubenvielfalt im Piemont ist weit grösser. Wenig bekannt ist etwa die Rotweinsorte Albarossa.

Die Region Piemont mit der Hauptstadt Turin liegt im Nordwesten Italiens. Die Anfänge des Weinbaus gehen auf das keltische Volk der Tauriner (die der Hauptstadt den Namen gaben) und auf die Ligurer zurück. Erst im Mittelalter wurden die vorab von Klöstern produzierten Weine bekannt. Nämlich, als Minnesänger begannen, die ausgezeichnete Qualität zu rühmen. Mitte des 13. Jahrhundert kam erstmals die Bezeichnung «Piemont» auf. Der Name leitet sich vom französischen Pié de monte (am Fusse der Berge) ab.

Von seltenen Reben im Monferrato

Die Weinberge erstrecken sich über eine Fläche von 44 000 Hektar. Die besten Lagen befinden sich in der Langhe um Alba (bekannt für Barolo und Barbaresco) sowie an den Hügeln von Monferrato. Hier ist vor allem die Barbera-Traube zu Hause. Zu diesen bekannten Piemonteser Sorten gesellen sich rund hundert weitere zugelassene Rebsorten. Die wichtigsten Weissweinsorten sind Arneis, Chardonnay, Erbaluce, Cortese, Favorita (Vermentino) und Moscato. Beim Rotwein spielen im Schatten von Nebbiolo und Barbera einheimische Sorten wie Albarossa, Bonarda, Brachetto, Ruchè und Grignolino, und internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot oder Pinot Nero interessante Nebenrollen. So ist etwa die Delinat-Winzerin Cecilia Zucca im Monferrato besonders stolz auf ihre Albarossa-Trauben. Vor 20 Jahren war diese Sorte fast ausgestorben, heute gedeihen im Piemont wieder über 70 Hektar der Rebe.

Cecilia und ihre Töchter Eleonora und Maria Sole kultivieren auch weniger bekannte Reben im Piemont, wie die seltene rote Albarossa.
Cecilia und ihre Töchter Eleonora und Maria Sole kultivieren auch weniger bekannte Reben im Piemont, wie die seltene rote Albarossa.

Das Piemont nimmt in Italien in mehrfacher Hinsicht eine führende Rolle beim Weinbau ein. Nirgendwo sonst wird mehr Schaum- und Perlwein produziert. Am bekanntesten sind der Asti Spumante und der Moscato d’Asti. Sie sind beide aus der Moscato-Traube gekeltert. Und in keiner anderen Region werden so viele Weine der höchsten Qualitätsstufe erzeugt – es gibt im Piemont nicht weniger als 18 DOCG- und 42 DOC-Gebiete. Ausserdem gilt die Region als Heimat des Wermut, einem mit Gewürzen und Kräutern aromatisierten und aufgespriteten Wein. Es gibt hier also so einiges, feines zu entdecken.

Piemont-Quintessenz
– Das Piemont ist vor allem für seine Rotweine Barolo, Barbaresco und Barbera bekannt.
– Zusätzlich bieten viele andere Rebsorten spannende Alternativen für Rot-, Weiss- und Schaumweine.
– Zu diesen gehört etwa die Rebsorte Albarossa, deren Anbaufläche in den letzten 20 Jahren von fünf auf über 70 Hektar gewachsen ist.

Wenn Winzer Farbe bekennen

Wenn unsere Delinat-Winzer über Farbe nachdenken, dann geht es um intensives Rot, lebendiges Grün, kräftiges Blütengelb und die ganze Palette, die die Natur zu bieten hat. Erst recht, wenn es ums Farbebekennen im naturverbundenen Weinbau geht.

Farbe bekennen im Weingarten hat für unsere Delinat-Winzer eine Menge Bedeutungen.
Farbe bekennen im Weingarten hat für unsere Delinat-Winzer eine Menge Bedeutungen.

Grün – die Hoffnung von Navarra

Heute ist ein guter Tag. María Barrena streift durch ihre Weingärten am Rande der Bardenas Reales, eines Wüstengebiets im spanischen Navarra. Ein sanftes Lächeln auf den Lippen. Ihr Hund Pelut, der Haarige auf Katalanisch, ist ihr ständiger Begleiter. Die Spanierin hat ihren typischen weisen, wachen Blick aufgesetzt. Denn bald ist es so weit: Die Ernte der Garnacha-Reben kann beginnen. María weiss das, die Reben scheinen es zu wissen. Zärtlich streicht die Winzerin über die Blätter. Warum sie das tue? «Weil es doch auch einmal schön ist, die Blätter zu fühlen, oder nicht?»

María Barrena und Dani Nogué haben durch die Arbeit auf ihrem Weingut Azul y Garanza in Navarra Wüste in Rebflächen voller Biodiversität verwandelt. Für María sind Farben die poetische Sprache der Natur. Grün steht bei María für Hoffnung und auch für Träume, und «wenn etwas grün ist, steckt es voller Leben».
María Barrena und Dani Nogué haben durch die Arbeit auf ihrem Weingut Azul y Garanza in Navarra Wüste in Rebflächen voller Biodiversität verwandelt. Für María sind Farben die poetische Sprache der Natur. Grün steht bei María für Hoffnung und auch für Träume, und «wenn etwas grün ist, steckt es voller Leben».

Natürlich. Ein schöner Ausspruch der Winzerin, der einem bewusst macht, wie sehr man doch in seinem Deadline-Output-Denken verhaftet ist. María Barrena sieht die Welt mit anderen Augen, wie es scheint, in besonders schillernden Farben. Und deshalb ist Farbe bekennen für die Winzerin vom Weingut Azul y Garanza auch keine Entscheidung, sie kann gar nicht anders. Und das seit inzwischen 26 Jahren.

«Wie wir die Natur und den Weingarten pflegen, ist eine Konsequenz davon, wie wir die Welt sehen. Die Weine sind eine Konsequenz unserer Lebenseinstellung, die von unserer Verbundenheit mit der Natur und ihrer Herkunft spricht.» Fragt man die Spanierin nach einer Farbe, die für ihre Weine steht, fällt als Erstes «Grün». Auch wenn der Name des Weinguts selbst eine Hommage an die Farbe ist, denn Azul y Garanza bedeutet übersetzt «Blau und Karminrot».

Die Erklärung für das «Grün» jedoch leuchtet ein: «Farben sind die poetische Sprache der Natur. Grün ist die Farbe der Hoffnung. Wenn etwas grün ist, ist es voller Leben. Und für mich steht Grün auch für Träume. Für den Traum, ein Gebiet am Rande der Wüste wieder grün werden zu lassen und somit einen Lebensraum für Pflanzen und auch viele Tiere zu schaffen», lächelt María.

Die Farbe im Wein ist durch Werte wie den IPT (Intensität der totalen Polyphenole) oder IC (Intensität der Farben) im Labor definierbar. Diese Parameter liefern wichtige Hinweise für den Wein, und doch ist die Thematik der Farbe im Wein und des Farbebekennens in der Weinbereitung so viel breiter und nicht ganz so leicht an Zahlen und Werten festzumachen. Das zeigen Marías leuchtende Erzählungen über Farbe in ihrem Umfeld.

Ocker – die Erinnerung an die Wüste

«Ocker für die Wüste, Grün für die Hoffnung und unsere wunderschönen Weingärten im Wüstengebiet, Weiss für die Wolken über den Wüstenhügeln, der alles verbindet und Platz lässt: für das Leben und für Träume», philosophiert María Barrena über die Welt der Farben im Wein.

1999 haben María Barrena und Dani Nogué die alte Kooperative in Carcastillo in Navarra erstanden. Mit der Idee, der Natur Raum zurückzugeben und Weine zu machen, die das reflektieren. Heute sind dort Nützlingshecken, Kräuterinseln und blühende Weingärten zu finden – ein Mosaik der Biodiversität, wie es die Delinat-Richtlinien vorsehen. Aus Ocker ist Grün geworden. Ein eindrückliches Beispiel dafür, was Farbe bekennen im Weinbau bedeutet.

Blau – die Tiefe im Glas

Und doch bleibt das Bild unvollständig ohne Blau – die Farbe, die dem Weingut, neben Karminrot, den Namen gab. «Unsere Weine haben eine besondere Tiefe, sogar in den Analysen zeigt sich ein hoher Blauanteil», erklärt Maria. Aber Blau steht für sie nicht nur für Konzentration, sondern auch für Spuren.

Weinspuren auf der Bluse hingegen sorgen meist für keine Freudenstürme, so sehr man Wein auch mögen mag. Bis das Gespräch mit María auf dieses Blau kommt und eine gänzlich andere Perspektive auf Weinflecken auf dem Gewand offenbart: «Wein befleckt dich. Deine Bluse. Auch beim Weinmachen gibt es Flecken auf der Kleidung und blaue Finger. Das passt doch gut zu dem Gedanken, welche Flecken man im Leben hinterlassen möchte. In der Landschaft. Womit wir wieder beim Ursprung unseres Handelns angekommen sind.»

Am Rande der Halbwüste Bardenas Reales in Navarra...
Am Rande der Halbwüste Bardenas Reales in Navarra…
... haben María Barrena und Dani Nogué ein regelrechtes Biodiversitätsparadies erschaffen.
… haben María Barrena und Dani Nogué ein regelrechtes Biodiversitätsparadies erschaffen.

Eine Farbe allein ist für María unmöglich – auch die Natur bestehe schliesslich aus einem bunten Reigen. «Wir sind doch alle von der Farbe des Regenbogens», sagt die Winzerin. «Im Regenbogen finden wir die Farben des Lebens, des Wassers und der Sonne – Blau und Gelb, ohne das gibt es kein Leben, das Grün, und auch Liebe braucht es – Rot.

Ein Regenbogen, der auch am Gaumen eine freudige Hommage an die Landschaft, die Menschen darin und an deren Mission im Leben darstellt.

Schwarz macht Rubinrot

Neri, aus dem Italienischen übersetzt «schwarz», ist in der Toskana zu Hause. Wenn er, Neri Gazulli, durch seine Weingärten der Tenuta San Vito geht, dann ist es das Rubinrot des Chianti, das seine Gedanken färbt. «Es ist die Farbe unserer Weine des Lebens hier, typisch für den Chianti aus den florentinischen Hügeln», lächelt Neri Gazulli.

Für Neri Gazulli von der Tenuta San Vito in der Toskana spiegelt das typische Rubinrot des Chianti die harte Arbeit eines ganzen Weinjahres am besten wieder.
Für Neri Gazulli von der Tenuta San Vito in der Toskana spiegelt das typische Rubinrot des Chianti die harte Arbeit eines ganzen Weinjahres am besten wieder.

Der Herbst, wenn auch im Weingarten alles in diese rötlichen Nuancen übergeht, das ist Neris liebste Zeit. Rötliche Reflexe, so weit das Auge reicht. Wobei rein farblich kein massiver Unterschied auszumachen ist zwischen biologischer und konventioneller Weinwirtschaft, erklärt Neri. Und doch scheinen die im Einklang mit der Natur entstandenen Farben der Weine authentischer und weniger banal zu sein, ist sich der Winzer sicher.

Farbe bekennen als Delinat-Winzer, der sich intensiv mit dem Boden und der- Biodiversität auseinandersetzt, muss man laut Neri so gut wie immer. «Es geht darum, zu zeigen, dass der Wein ein Produkt aus 365 Tagen Arbeit ist. Nicht alle wissen um die Arbeit, die hinter einer solchen Flasche Wein steckt.» Manche interessiert es auch nicht. Aber die, die es erkennen, schätzen es umso mehr.» Und es sei ein erhebendes Gefühl, diese Rückmeldungen zu bekommen.

Denn: «Die Zufriedenheit, die entsteht, wenn man mit der Natur in seiner Heimat zusammenarbeitet, ist unvergleichlich. Jetzt dürfen wir bald die Früchte unserer Arbeit geniessen, und der Kreislauf beginnt von Neuem», lächelt Neri und ist bald zwischen roten Rebzeilen verschwunden.

Gelb – wenn Siziliens Blüten blühen

Massimo Maggio im Süden Italiens, auf Sizilien, sieht Gelb, wenn er an seine Weingärten denkt. Das ist der Anfang des Weinjahrs, wenn es zu blühen beginnt. Und er sieht Grün: «Weil diese Farbe für Vitalität steht. Sie ist das Symbol für die Gesundheit. Grüne Reben sind gesund, sie haben eine vitale Energie.»

Der Sizilianer steht für Biodiversität wie kaum ein anderer in der Region. Mit drei Schnecken von Delinat ausgezeichnet, übertrifft sich die Natur in Maggios Breitengraden immer wieder selbst. Blüht, gedeiht und bringt Weine hervor, die diese reiche Natur widerspiegeln. «Wir haben schon sehr früh verstanden, dass wir nur mit Respekt vor der Natur mit ihr zusammenarbeiten können», so der Winzer.

Eine Aufnahme aus Massimo Maggios blühenden Weingärten. Der sizilianische Winzer mit der Höchstauszeichnung von Delinat weiss: «Wir haben schon sehr früh verstanden, dass wir nur mit Respekt vor der Natur erfolgreich mit ihr zusammenarbeiten können.» Und wie man den Weingarten, die Landschaft behandle, sei nicht zuletzt eine Verantwortung, die man gegenüber der nächsten Generation trage.
Eine Aufnahme aus Massimo Maggios blühenden Weingärten.
«Wir haben schon sehr früh verstanden, dass wir nur mit Respekt vor der Natur erfolgreich mit ihr zusammenarbeiten können», sagt Massimo Maggio.
«Wir haben schon sehr früh verstanden, dass wir nur mit Respekt vor der Natur erfolgreich mit ihr zusammenarbeiten können», sagt Massimo Maggio.

Das sei in dem Sinn auch sein «Farbebekennen ». Denn ohne Natur kann der Mensch nicht, und er als Winzer sieht in seiner Arbeit auch die Verantwortung, die Landschaft noch gesünder zurückzulassen, als er sie vorgefunden hat. «Für meine Kinder, für deren Kinder und so weiter», lächelt Massimo.

Dafür gelte es, auch vor den Abnehmern Farbe zu bekennen und Haltung zu zeigen. «Denn dieser kleine Unterschied im Preis garantiert ein ethisches Produkt, das unter guten Arbeitsbedingungen, der Einhaltung der Menschenrechte und in Zusammenarbeit mit dem Rebstock und der Natur um ihn herum entstanden ist.» Und das kann man sich getrost gut schmecken lassen.

Barrique-Träume in Rot, das tut gut

Unsere Weinexperten haben unsere Barrique-Träume in Rot aus der Herbstaussendung degustiert, Gefallen daran gefunden, und sogleich gedanklich ein festliches Herbstmenü dazu aufgetischt. Hier die Aufzeichnung einer gar köstlichen Verkostung.

Ein bunter Barrique-Rotweinreigen bereichert den Herbst 2025
Ein bunter Barrique-Rotweinreigen bereichert den Herbst 2025

Den Anfang machte der Château Coulon Sélection spéciale aus dem südfranzösischen Corbières. «Sehr würzig sehr feines Tannin», meint Diplomsommelier und Eventchef Dirk Wasilewski. «Das Barrique ist gut integriert, mit frischer Würze und Aromen von frischen Beeren ein überzeugender Wein», heisst es von Dirk weiter.
Zu dieser guten Struktur passen Eintöpfe wie Boeuf Bourgignon, oder auch Spaghetti. «Oder einfach ein bisschen Käse, sowie eine kleine Apéro-Jause», ergänzt Dirk. Martina Korak, Leiterin des Weineinkaufs sieht den Wein auch gut begleitet durch die Tomatensauce von Pizza und Pasta, oder mit einem Ragout. Definitiv, ein Bild eines herbstlichen Mahls, das funktioniert.

Château Coulon und Ripasso La Casetta begeistern Önologin Martina Korak und Diplomsommelier Dirk Wasilewski.
Château Coulon und Ripasso La Casetta begeistern Önologin Martina Korak und Diplomsommelier Dirk Wasilewski.

Weiter ging es mit dem Ripasso La Casetta, Valpolicella DOC 2022 aus dem Veneto, der Familie Fasoli. «Eine süsse Frucht, hat er», sagt Olivier Geissbühler, PIWI Experte und Video-Redaktor. «Insgesamt finde ich ihn sehr rund. Er hat auch ein bisschen mehr Säure als der vorherige.» Der Ripasso mundet, da ist man sich einig. «Typisch Veneto, reife Frucht, leichte vegetabile Noten», schnalzt Dirk. Martina dazu: «Zuerst am Gaumen hat der Wein einen feinen Schmelz. Das Tannin kommt recht spät, aber dann dafür kräftig durch.» «Eine tolle Kombination zu Wild», ist sich Oli sicher.

Bon vin, bonne vie

Mediterrane Gemüseköstlichkeiten tun sich bei Depotleiterin Marion vor dem geistigen Auge zu Duvivier Les Hirondelles auf.
Mediterrane Gemüseköstlichkeiten tun sich bei Depotleiterin Marion vor dem geistigen Auge zu Duvivier Les Hirondelles auf.

Die Barrique-Weinreise geht weiter in die Provence, auf das Modellweingut von Delinat. Wir degustieren Duvivier Les Hirondelles, 2021. Gut gereift. Syrah, Cabernet Sauvignon und Grenache in der Cuvée. «Der Wein ist jetzt trinkreif», erklärt Dirk. «Er überzeugt mit reifer Frucht, bringt dann aber doch noch eine trinkige Frische mit», sagt Marion Lehmann, Depotleiterin in St. Gallen. «Er braucht etwas Luft im Glas», erklärt Martina. «Dann ist er am Gaumen ganz weich und sehr cremig.»
Dazu reichen unsere Weinexperten Oli und Martina Ratatouille, Couscous oder Reis mit Gemüse. Dirk und Marion halten sich an gefüllte Auberginen mit Linsen und Tofu.

Reise nach Spanien

Der nächste im Bunde ist der Osoti Vendimia Seleccionada, Jahrgang 2021. «Da ist sie wieder, die typische Osoti-Nase», lächelt Dirk. Eukalyptus, Aromen nach ätherischen Ölen, das bemerkt auch Oli im Wein. Eine elegante Osoti-Nase. Im Hauptanteil ist der Wein aus der Garnacha-Traube gekeltert, schliesslich kommt er aus dem südlichen Teil der Rioja. Hier gibt diese Rebsorte den Ton an.
Martina erinnert sich: «Diese ätherischen Öle in der Nase, Karin und Annalena (Anm. Kundenservice) hatten bei der letzten Degustation Noten von After Eight bemerkt.» Nachvollziehbar. Minze und dunkle Schokolade im Wein vereint, sehr fein und elegant.

«Dazu gut eingebundenes Holz, schön saftig, kirschig», sagt Dirk. Das ist modern und elegant. Dazu Tapas oder Schmorbraten, Iberico Schwein, mit Minzsauce, scherzt die Runde. Kräftige Gerichte, Linseneintopf und auch schon zu Weihnachtskeksen, wie Spekulatius kombiniert, macht dieser Wein Spass. «Kein Wunder, dass der Wein bei der Weinprämierung MUNDUSvini letztens so abgeräumt hat», bemerkt Dirk.

La Balsa: Der Spanier aus der Navarra mit internationalem Anstrich, hat es auch Videoredaktor Oli angetan
La Balsa: Der Spanier aus der Navarra mit internationalem Anstrich, hat es auch Videoredaktor Oli angetan

Wir bleiben vorerst in Spanien und degustieren La Balsa Crianza aus dem Jahr 2019. Ein feiner Rotwein aus dem nordspanischen Navarra, aus dem internationalen Cabernet Sauvignon und der regionalen Tempranillo-Traube gekeltert.
«Gut gereift», bemerkt Marion. «Am Gaumen sehr weich, rund, zum Schluss kommt dann noch etwas Tannin und Struktur hinein. Das Holz ist wirklich gut integriert», sagt Oli. «Es wirkt nicht so typisch spanisch, sondern ist eher im internationalen Stil gehalten» so Videoblogger Oli weiter. Dazu ein Risotto, oder gefüllte Paprika, fertig ist das feine Herbstmenü. Dieser Wein ist jetzt trinkreif und seine Komponenten vom Barrique bis zur Frucht ausbalanciert, da sind sich die Degustierenden einig.

Von Spanien nach Italien

Der letzte im Bunde der Barriquewein-Runde in Rot ist der Tao Piceno 2021 vom Weingut San Giovanni in den Marken. Montepulciano und Sangiovese im Verschnitt zeigen, was italienische Rotweine können. Sangiovese bringt auch eine ganz andere Struktur mit in den Wein. «Und trotzdem ist der Tao Piceno mit Sangiovese aus der Toskana nicht zu vergleichen», lächelt Martina und öffnet damit ein Türchen in die so facettenreiche und deswegen so faszinierende Welt des Weines.

Gute Weine bringen die Seele zum Lächeln, davon kann Önologin Martina ein Liedchen singen.
Gute Weine bringen die Seele zum Lächeln, davon kann Önologin Martina ein Liedchen singen.
... und sie regen zum Träumen an, weiss Diplomsommelier Dirk.
… und sie regen zum Träumen an, weiss Diplomsommelier Dirk.

«Dann ist er leicht rustikal, kräutrig in der Nase, am Gaumen jugendlich und fruchtig. Der hat wahnsinnig viele Facetten der Wein», sagt Diplomsommelier Dirk. Auch Oli steigt in den Begeisterungsreigen mit ein: «Den kannst` immer auftischen. Er kommt immer gut an.» Depotleiterin Marion hält das ebenso und reicht den Tao zu Pizza, Pasta oder auch zu Fisch vom Grill. Ein echter Allrounder. Schon recht kräftig, aber ausgewogen, mit einem super Preis-Leistungsverhältnis. Nicht langweilig und dennoch so rund, dass er überall gut ankommt.

Tatsächlich ein sehr gutes Paket, die Barrique-Träume in Rot, so lautet das Fazit. «Das würden wir kaufen», lächelt Oli.

Elsass – vom Zankapfel zum Weisswein-Eldorado

Eigentlich reicht ein einziger Grund, um ins Elsass zu reisen: Ein Besuch bei der Domaine Eugène Meyer in Bergholtz bereitet immer grosses Vergnügen. Aber wenn wir schon mal da sind: Das landschaftlich attraktive Elsass ist mit seiner 170 Kilometer langen Weinstrasse, seinen schmucken Dörfern und einer ebenso rustikalen wie raffinierten Küche immer ein verlängertes Wochenende wert.

Meine Elsass-Reise – diesmal mit dem Velo – beginnt fast immer am selben Ort: in der schmucken Kleinstadt Colmar, die sich während meiner Tour frühlingshaft herausgeputzt hat. Eine überwältigende Blumenpracht kontrastiert mit geschäftigem Treiben und Menschengewimmel in den Altstadtgassen. Bei meinem Lieblingscafé in der Rue des Marchands treffe ich auf verschlossene Türen und eine traurige Botschaft: Désolé, le «Croissant Doré» est temporairement fermé … Claudine est partie … Pour toujours! Claudine Hebert, die charismatische Patronne des legendären «Croissant Doré», ist im Alter von 72 Jahren verstorben. Colmar hat eine Institution verloren. Nous sommes très tristes …! steht am Schluss der schmerzlichen Nachricht. Ich auch.

Xavier Meyer hält die Tradition seines Familienweinguts und der Arbeit im Einklang mit der Natur in der vierten Generation hoch.
Xavier Meyer hält die Tradition seines Familienweinguts und der Arbeit im Einklang mit der Natur in der vierten Generation hoch.

Zankapfel zwischen 1870 und 1945

Mitunter schmerzhaft war auch die Vergangenheit im Elsass. Während fast hundert Jahren war das Gebiet ständiger Zankapfel zwischen Frankreich und Deutschland. Durch kriegerische Auseinandersetzungen zwischen 1870 und 1945 änderte es immer wieder die Seiten.

Mal war es Französisch, dann wieder Deutsch. Seit 1945 gehört das Alsace definitiv zu Frankreich. Die wechselvolle Geschichte ist noch heute sicht- und hörbar. Die Elsässer Küche ist eine Symbiose zwischen deutscher Deftigkeit und französischer. Die typischen Fachwerkhäuser in den schmucken Weindörfern zeugen von architektonischer Verwandtschaft mit deutschen Ortsbildern auf der anderen Seite des Rheins. Und neben Französisch wird im Elsass auch heute noch vielerorts Elsässerdeutsch gesprochen. Eine weitere Gemeinsamkeit ist der Wein.

Hüben wie drüben dominieren dieselben Rebsorten: Riesling beim Weisswein, Spätburgunder oder Pinot Noir beim Roten. Im Elsass stehen zusätzlich Gewürztraminer, Pinot Blanc und Pinot Gris hoch im Kurs. Auf der 170 Kilometer langen Weinstrasse zwischen Strassburg und Mülhausen lässt sich die Elsässer Weinvielfalt perfekt entdecken.

Ein Weisswein-Eldorado

Auf der Höhe von Turckheim biege ich von der Weinstrasse ab und pedale Richtung Münstertal. Ziel ist eine jener zahlreichen Fermes Auberges, die verteilt über den ganzen Hügelzug der Vogesen köstliche Elsässer Hausmannskost anbieten. Bevor es ziemlich steil bergauf geht, mache ich einen Zwischenhalt in der Fromagerie Heinrich, wo ich mich mit dem streng riechenden Münsterkäse und dem regionstypischen Bergkäse Barikaas eindecke.

Nach schweisstreibendem Aufstieg wartet oben die «Ferme Auberge Glasborn Linge». Die Speisekarte des urigen Bergbauern- Gasthofs lockt mit authentischer Elsässer Kost. Nachdem ich mir in den Vortagen bereits Klassiker wie Tarte flambée (Flammenkuchen) und Choucroute garnie (Sauerkraut garniert) gegönnt habe, entscheide ich mich hier für Roïgabrageldi, eine Elsässer Spezialität in Form von Bratkartoffeln und Speck.

Dazu ein einfacher Weisswein, ein Edelzwicker. Wieder zurück auf der Weinstrasse gehts weiter südwärts. Für Weissweinliebhaber entpuppt sich das Elsass mit seinen über tausend Erzeugern rasch als echtes Eldorado. Wer bloss auf Rotwein steht, kommt hier jedoch ins Grübeln. Die Auswahl ist klein.

Ein echter Biopionier

Ins Grübeln kam vor über fünfzig Jahren auch Winzer Eugène Meyer. Er prägte während drei Jahrzehnten jenes Weingut, das mich schon seit vielen Jahren immer wieder ins Elsass lockt. In den 1960er-Jahren verlor der heute 93-jährige Winzer nach einem Einsatz mit der Pestizidspritze gegen die rote Spinne vorübergehend das Augenlicht. Durch eine homöopathische Behandlung gewann er seine Sehkraft zurück.

Danach gingen ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Augen auf: Chemische Spritzmittel blieben fortan tabu, der Winzer stellte radikal um. Seit 1969 bewirtschaftet die Domaine Eugène Meyer ihre Weinberge biodynamisch. Die Umstellung war eine echte Pioniertat, die viele Nachahmer gefunden hat. Heute nimmt das Elsass beim biologischen Weinbau in Europa eine Vorreiterrolle ein.

Drei Generationen unter einem Dach

Seit 1990 führen François und Sylvie Meyer den 17 Hektar grossen Familienbetrieb. François ’ Eltern Marie Rose (86) und Eugène (93) leben nach wie vor auf dem Weingut. Und mit Xavier hat längst auch die nächste Generation Einzug gehalten. «Die Verantwortung liegt derzeit noch bei meinen Eltern, die Übergabe erfolgt nach und nach», sagt Xavier, der das Weingut mit frischem Elan und neuen Ideen weiterführen will.

In den letzten beiden Jahren haben sich die Meyers ganz im Sinne der Delinat-Methode auf die Biodiversität konzentriert. Xavier: «Wir haben viele Nistkästen in den Weinbergen aufgehängt, ein XXL-Insektenhotel gebaut und Trockenmauern und Geröllhalden instandgesetzt. Wir haben auch mehrere Nistkästen für den Wiedehopf, die jedes Jahr voll belegt sind.»

Gekeltert werden Jahr für Jahr erstklassige trockene, aber auch edelsüsse Weine aus regionstypischen Rebsorten wie Riesling, Gewürztraminer oder Pinot Gris. Eine besondere Spezialität ist ihr Crémant d ’Alsace, ein hochwertiger Schaumwein aus Pinot Blanc, Pinot Gris und Pinot Noir, hergestellt in klassischer Champagnermanier. Spätestens jetzt bedaure ich ein wenig, dass ich mit dem Velo unterwegs bin. Denn nach einer Verkostung bei den Meyers würde man gerne ein paar Weinkartons im Kofferraum verstauen, bevor es wieder nach Hause geht. Zum Glück gibt es einige Weine der Domaine auch bei Delinat. Hier lassen sie sich bequem online bestellen.

Kulinarische Schatzsuche im Elsass
Das Elsass lässt sich leicht individuell bereisen. Doch allen, die einen vertieften Einblick in die Weinbauphilosophie der Domaine Eugène Meyer habe nund bequem zu den kulturellen und kulinarischen Schätzen des Elsass geführt werden möchten, empfehlen wir unsere Wein- und Genussreise «Kulinarische Schatzsuche Elsass» vom 24. und 25. April 2026. Pedalen müssen Sie nicht. Wir sind mit einem komfortablen Bus unterwegs. Alle unsere Weinreisen finden Sie unter: delinat.com/weinreisen

Carlos Laso: Ein Winzer, der sich mit allen Wassern gewaschen hat

Delinat-Winzer Carlos Laso zeigt seit Jahren, wie man im Hinterland von Valencia auch grösste Regenmengen effizient zurückhält und somit die Reben gut durch die trockenen Monate bringt – und das in einem Extremwettergebiet.

Delinat-Winzer Carlos Laso in einem seiner Wasserinfiltrationsbecken
Delinat-Winzer Carlos Laso in einem seiner Wasserinfiltrationsbecken

Das Delinat-Weingut Pago Casa Gran liegt knapp 100 Kilometer von Valencia entfernt, in einer Region mit extremen Wetterverhältnissen. Oft fällt monatelang kein Regen, dann gibt es innerhalb weniger Tage sehr starke, manchmal gar zerstörerische Niederschläge. Das gefährliche Wetterphänomen nennt sich «Gota Fría» (auf Deutsch «kalter Tropfen ») oder auch DANA genannt. Es tritt vor allem im Herbst an der spanischen Mittelmeerküste auf. Dabei trifft kalte Luft aus höheren Atmosphärenschichten auf die warme, feuchte Mittelmeerluft – ein Aufeinandertreffen, das heftige Gewitter und Starkregen auslösen kann.

Diese Regenfälle können innerhalb kurzer Zeit Überschwemmungen und grosse Schäden verursachen, wie zuletzt etwa im Oktober 2024. Innerhalb von drei bis vier Tagen kann bis zu 50 Prozent der gesamten jährlichen Niederschlagsmenge fallen. Angesichts solcher Wassermengen ist besonders in dieser Region ein durchdachtes Wassermanagement entscheidend.

16 Teiche und Begrünung speichern Wasser bei Pago Casa Gran

«Auf dem Winzerseminar von Delinat konnten wir viel über Wasserretention und die Gestaltung von Teichlandschaften lernen. Diese Impulse, sowie die kontinuierliche Beratung haben unseren Betrieb grundlegend verändert», sagt Delinat- Winzer Carlos Laso von Pago Casa Gran. Zuvor hatte das Weingut oft mit erheblichen Erosionsproblemen zu kämpfen.

Carlos Laso weiss die Feinheiten seiner Reben im Keller zu übersetzen
Carlos Laso weiss die Feinheiten seiner Reben im Keller zu übersetzen

Durch starke Regenfälle kam es immer wieder zu Erosionen, wodurch fruchtbarer Boden verloren ging. Nach solchen Ereignissen mussten viele Flächen regelmässig mit grossem Aufwand wieder in Stand gesetzt werden. Heute gibt es auf Pago Casa Gran ein umfassendes System, das aus 16 angelegten Teichen besteht, kombiniert mit gezielter Begrünung im Weinberg.

Auch in Bezug auf die Verlangsamung des Wasserabflusses hat das Delinat-Weingut grosse Fortschritte gemacht. Das Wasser, welches bei den seltenen Starkniederschlägen fällt, wird in Retentionsbecken zurückbehalten, damit es auch in den trockenen Sommermonaten im Erdköper verfügbar ist. Dadurch fliesst nun auch wieder regelmässig Wasser im Bachbett, welches zuvor oft lange ausgetrocknet war.

Delinat hat Winzer Carlos Laso auf dem Weg zu seinem Wasserretentionssystem begleitet

Der dazugehörige Grundwasserstrom, sowie das Wasser in den Reservoirs, kann in den trockenen Sommermonaten – insbesondere im Juli und August – gezielt die Reben versorgen. «So können die Trauben auch bei Temperaturen um die 35 Grad schön ausreifen und eine volle Aromatik entwickeln, anstatt auszutrocknen und nur Zucker zu produzieren», erklärt Carlos Laso.

2023 und 2024 im direkten Vergleich

2024 war eine grosse Herausforderung Letztes Jahr war es sehr trocken bei Pago Casa Gran: Der Zeitraum vom 1. Oktober 2023 bis zum 30. September 2024 war der trockenste der letzten dreissig Jahre. Bevor dann im Oktober schliesslich ein Jahrhundertniederschlag kam, der bei Carlos Laso allerdings gemässigter ausfiel.

Ein Blick auf die Regenstatistik hilft, den Jahrgang 2024 besser einzuordnen: zwischen Oktober und Februar blieb der Regen vollständig aus «Wenn man jeweils im Vornherein wüsste, wie das Jahr verlaufen wird und gute Vorhersagen hätte, könnte man entsprechend handeln. Es regnete jedoch überall in die angekündigten Regenfälle blieben immer aus», so Carlos Laso.

In Fällen wie letztes Jahr, in denen es über Monate hinweg fast keinen Regen gab, war diese Art der Bewässerung jedoch nicht ausreichend. Das Bewässerungssystem konnte nicht die notwendige Wassermenge für einen normalen Reife-Zyklus der Reben liefern, es diente lediglich dem Überleben der Pflanze.

Bis Juni hatten sich nur 113 Liter Regen angesammelt, dazu kamen noch 30 Liter, also insgesamt nur 143 Liter, die zur Bewässerung genutzt werden konnten. Zum Vergleich: Im Durchschnitt fällt in diesem Zeitraum in der Region knapp das Doppelte an Regen, bis zu einem Jahresschnitt von knapp 500 Milliliter/Quadratmeter. Die Ernte 2024 war aufgrund des geringen Niederschlags mengenmässig sehr gering und fand somit früher als gewöhnlich statt.

Aussergewöhnliches Jahr – aussergewöhnliche Weine

Gemeinsam mit Carlos Laso haben wir jedoch das Beste herausgeholt: Besondere Jahre ermöglichen neue Weinstile. Aktuell ist dieser im Delinat-Sortimentunter dem Namen «Peso Pluma», also «Federgewicht» zu finden. Es ist ein Wein mit natürlichem, niedrigem Alkoholgehalt von 10,5%. Denn eine Konsequenz von früherer Ernte sind weniger Umdrehungen im fertigen Wein.

Dieser leichte Wein aus dem Hause Pago Casa Gran stammt von Trauben, die keinen hohen Zuckergehalt erreichten, jedoch gute Eigenschaften in Fruchtfleisch und Schale aufwiesen. Carlos ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis: «Es war eine schnelle und koordinierte Entscheidung zwischen Pago Casa Gran und Delinat, zwei gut vernetzten Gliedern einer Kette.

An dieser Stelle: Danke Delinat für euren Mut und eure Offenheit gegenüber neuen Weinstilen, die gut zu aktuellen Trends passen!» Auch die Weissweine sind Carlos trotz den schwierigen Wetterverhältnissen gelungen: «Die Weissweine 2024 sind kraftvoller und konzentrierter als andere Jahrgänge, ohne überreif zu sein.

Die Weissweintrauben haben wir etwas früher gelesen, um Frische zu bewahren – natürlich nur, wenn die Schalen dies dank genügender Reife erlaubt haben. Wir haben einen grossartigen 2024er- Jahrgang gemacht», resümiert Carlos. Die gereiften Weine entwickelten sich ebenfalls sehr gut. Der Delinat-Kundenliebling Viña Llopis hat auch mit dem neuen Jahrgang 2024 das Delinat-Degustationskomitee restlos überzeugt. Ebenso der rote Delinat-Klassiker Canyoles 2024 hat begeistert und wurde demnach planmässig abgefüllt.

2025 startete mit langersehnten Niederschlägen

Dieses Jahr ist im Hinblick auf das Wasser zum Glück etwas entspannter gestartet: Bis Ende März fielen bei Pago Casa Gran bereits Niederschläge von 362 Liter pro Quadratmeter (alleine 170 Liter im März). Das ist ungefähr im Rahmen des normalen Jahresdurchschnitts von etwa 500 Litern.

Im März fielen zwar 170 Liter pro Quadratmeter, aber der Regen kam zum Glück langsam über drei Wochen verteilt. So konnte das Wasser langsam und fortlaufend einsickern, was ideal war für die ausgetrockneten Böden. «Nur das Becken, das Wasser von den Nachbarn erhält und etwas höher liegt, hat Wasser aufgenommen, ist jedoch nicht übergelaufen », berichtet Carlos zufrieden.

Der Zeitraum von Oktober 2023 bis September 2024, kurz vor dem Unwetter in Valencia, war der trockenste der letzten 30 Jahre für Winzer wie Carlos Laso. 2025 startete hingegen mit langersehnten Niederschlägen. Die Wasserretentionsmassnahmen von Carols helfen den Wasserhaushalt der Reben im Gleichgewicht zu halten.
Der Zeitraum von Oktober 2023 bis September 2024, kurz vor dem Unwetter in Valencia, war der trockenste der letzten 30 Jahre für Winzer wie Carlos Laso. 2025 startete hingegen mit langersehnten Niederschlägen. Die Wasserretentionsmassnahmen von Carols helfen den Wasserhaushalt der Reben im Gleichgewicht zu halten.

Manchmal sieht das anders aus und dann fallen diese Regenmengen in wenigen Stunden: «Bei einem starken Regenereignis von beispielsweise 80 Liter pro Quadratmeter können in acht Stunden viele unserer insgesamt 15 Becken bereits voll sein», erklärt Carlos. In diesem Fall war es jedoch anders – ein langer, schwacher Regen traf auf sehr trockene, aber organisch reiche Böden.

Die Böden konnten so das Wasser gut zurückhalten und langsam aufnehmen. Da der Boden das meiste Wasser gleich absorbierte, füllten sich die Teiche trotz der beachtlichen Regenmenge nicht.

Ein erfolgreiches System zum Nachmachen

«Wir sind sehr zufrieden mit den Massnahmen, die wir in den letzten Jahren umgesetzt haben. Die positiven Auswirkungen sind deutlich spürbar.

Unser gesamter Betrieb funktioniert inzwischen als ein in sich geschlossenes System, das Wasser zurückhält, versickern lässt und somit den Boden schützt. Auch der Reparaturbedarf nach Starkregen hat sich deutlich reduziert, da das Wasser nun deutlich langsamer abfliesst», fasst Carlos zufrieden zusammen. Und fügt an: «Dieses System der Wasserretention kann ich anderen Winzerinnen und Winzern nur empfehlen. Für mediterrane Regionen halte ich es für unverzichtbar. Insbesondere deshalb, weil hier der Grossteil des Jahresniederschlags oft in nur 20 bis 30 Tagen fällt. Wie es in anderen Regionen aussieht, kann ich nicht beurteilen, aber hier bei uns funktioniert dieses System hervorragend. »


Wasser im Weinbau – Alles fliesst

Ohne Wasser kein Wein. Der Klimawandel und die dadurch immer häufigeren Wetterextreme von Starkregen bis Trockenheit fordern die Reben und die Winzer. Welche Möglichkeiten Experten für eine dennoch grüne Zukunft des Weins sehen, und wie Delinat-Winzer mit diesen Herausforderungen umgehen.

Ohne Wasser, kein Weinbau: Eine Thematik, die zunehmend an Brisanz gewinnt.
Ohne Wasser, kein Weinbau: Eine Thematik, die zunehmend an Brisanz gewinnt.

Trockenstress, Starkregen und gestörte Wasserkreisläufe setzen den Reben weltweit zu. Der Klimawandel verändert nicht nur das Wetter, sondern die gesamte Funktionsweise unserer Landschaften. Die Delinat-Methode bietet dabei mit ihrem Fokus auf Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und ökologische Vielfalt konkrete Lösungsansätze, um den Weinbau resilient und zukunftsfähig zu machen.

Marlène Vissac, Spezialistin für Wasserund Agroforstsysteme sowie Referentin am Delinat-Winzerseminar 2025, erklärt: «Trockene Regionen werden immer trockener, feuchte noch feuchter. Der Wasserbedarf aber bleibt überall gleich.»

Ein Blick auf die Karte zeigt deutlich - Wassserknappheit betrifft ganz Europa und insbesondere die dunkelrot eingefärbten Regionen.
Ein Blick auf die Karte zeigt deutlich – Wassserknappheit betrifft ganz Europa und insbesondere die dunkelrot eingefärbten Regionen.

Die verfügbare Wassermenge auf der Erde bleibt also ungefähr konstant, doch die Verteilung gerät in eine immer grössere Schieflage. Das ist Taten des Menschen, wie Entwaldung, Bodenversiegelung, Drainierung (oder Entwässerung ganzer Landschaften) und intensiver Landwirtschaft, zuzuschreiben. Zudem steigt durch den Klimawandel die Temperatur und somit der Meerespiegel.

Dieser Umstand und zu intensive Grundwassernutzung führen dazu, dass salziges Wasser immer weiter ins Landesinnere vordringt. Das sei der Landwirtschaft natürlich auch nicht zuträglich, so Marlène Vissac. In die Materie eingetaucht ist die Spezialistin aufgrund einer Reihe von Beobachtungen: «Allein, wie sich die Landschaft dort, wo ich herkomme, in nur wenigen Jahrzehnten verändert hat – die Küste geht zurück, Bäume verschwinden, und das verändert auch das Wetter –, das ist dramatisch», so Marlène Vissac. Jetzt hätten wir noch die Möglichkeit, zu handeln und unsere Zukunft zu gestalten. In wenigen Jahren könnten wir nur noch reagieren, anstatt zu agieren. «Und wir sind doch allesamt da, um das Leben zu geniessen, und nicht, um nur durchzuhalten!»

Extrem in jeder Hinsicht

Regionen, die einst zwar trockener waren als andere, aber dennoch über eine stabile Wasserversorgung verfügten, müssen heute bewässern. Andernorts fliessen die Wassermassen unkontrolliert ab, können nicht versickern und verursachen massive Schäden bis hin zu Naturkatastrophen wie jener im Herbst 2024 im Küstengebiet von Valencia. Winzerberater Daniel Wyss weiss: «Forscher haben schon vor Jahren auf diese Situation hingewiesen und prophezeit, dass es zu einer derartigen Katastrophe kommen wird, wenn Küstengebiete nicht entsiegelt, trockengelegte Feuchtgebiete nicht wieder vernässt und Wälder nicht grossflächig aufgeforstet werden.»

Wird Regen richtig aufgefangen und kanalisiert, wirkt sich das auch positiv auf das Grundwasser aus. Im Bild ein Weingarten der Familie Lignères in Südfrankreich.
Wird Regen richtig aufgefangen und kanalisiert, wirkt sich das auch positiv auf das Grundwasser aus. Im Bild ein Weingarten der Familie Lignères in Südfrankreich.

Um zurück in die Weingärten zu kommen: Für Reben bedeuten Wetterphänomene wie Starkregen, lange Trockenheit, Hitze und das Verschieben von Vegetationsperioden Stress. Ohne Resilienz gibt es im Süden bald keinen Weinbau mehr, und das, obwohl die Rebe an sich eine recht robuste Pflanze ist. Und punktuelle, technische Lösungen wie Bewässerung greifen zu kurz, wenn die Landschaft als Ganzes nicht mehr funktioniert. Ausserdem: Mit welchem Wasser bewässern, wenn es keines mehr gibt, wie das 2023 in Katalonien und in anderen Gebieten Spaniens der Fall war?

Gamechanger Boden

Eine essenzielle Stellschraube für die Lösung steckt im Boden. Je poröser und humusreicher, also gesünder, er ist, desto besser speichert er Wasser. «Klassische Bodenproben zeigen zum Beispiel schon einmal auf, wie es um Mutter Erde steht und welche Methoden helfen könnten, Nährstoffe aufzubauen, die wiederum die Rebe versorgen», so Nicola Fagotto, der schon 2024 und auch in diesem Jahr wichtige Impulse für den Aufbau gesunder Böden bei den Delinat-Winzerseminaren lieferte.

Das stimmt mit einigen Punkten der Delinat- Methode überein: Denn auch hier setzt man seit jeher auf Gründüngung, Kompost, Mulchen und minimale Bodenbearbeitung. Massnahmen, die das Bodenleben stärken und nicht zuletzt auch die Wasserspeicherfähigkeit erhöhen. Auf Château Duvivier experimentiert das Team zudem seit Jahren mit Mykorrhiza- Pilzen und Agroforst im Weinbau.

Vielfalt bringt Vielfalt: Der Mensch kann nur immer wieder über die Robustheit der Natur staunen. Und darüber, mit welcher Kraft sie antwortet, wenn man ihr nur ein bisschen in die Schwingen spielt. Im Weinbau beispielsweise durch Begrünung und Agroforst.

Mykorrhizapilze erweitern das Wurzelnetz der Reben und können in Symbiose mit diesen Wasser aus tieferen Bodenschichten erschliessen. Die Bäume ermöglichen diesen Lebensraum. In dieser Kombination sehen Experten eine wichtige Lösung für die Bodenfruchtbarkeit und die Wasserversorgung der Reben ohne zusätzliche Bewässerung.

Wie Wasser Landschaften entlangfliesst

Hinzu kommt die Gestaltung der Landschaft als wichtiger Punkt im Wasserkreislauf. Techniken wie das Keyline- Design helfen, Regenwasser nicht abfliessen, sondern gleichmässig über die Fläche zu verteilen und einsickern zu lassen. «Permakultur und ein umfassendes Landschaftsverständnis, das sind Lösungsansätze mit echtem Zukunftspotenzial », sagt Daniel Wyss.

Hecken und Hochstammbäume brechen den Wind, beschatten die Fläche, fördern den für die Reben wichtigen Morgentau und stabilisieren Mikroklimata. Agroforstsysteme im Weinberg, also Reben in Kombination mit Bäumen, erhöhen zudem die Biodiversität und spenden Schatten. Untersuchungen in diversen Weinbergen der Delinat-Winzer ergaben Temperaturunterschiede von bis zu 20 Grad Celsius zwischen Schatten und Sonne. Dabei klettern die Temperaturen in der Sonne auch hierzulande mitunter über die 50-Grad-Marke. Eine Belastung für die Reben.

Für Experten wie Marlène Vissac und Daniel Wyss steht fest: Verantwortungsvolle Winzer sind Landschaftsgestalter. Denn wie sie agieren, wirkt sich auf die Wasserverhältnisse einer gesamten Region aus. Dazu gilt es, die Rolle von Feuchtgebieten, Höhenlinien, Windmustern und Bodenstrukturen zu verstehen. Marlène Vissac gilt dabei als eine der Vordenkerinnen auf diesem Gebiete – ebenso wie die Delinat-Winzer als Vorzeigebeispiele in ganz Europa. «Auch wenn wir immer mehr werden, welche diese Konzepte anwenden, sind wir noch immer zu wenige, um regionale Mikroklimata zu beeinflussen », bemerkt Daniel Wyss.

Dauerbegrünung, Humusaufbau, Gehölze im Weingarten, Rückhalt von Regenwasser, Permakultur: All das sind Bestandteile der Delinat-Methode, die zuletzt auch auf ein gesundes Wassermanagement im Weingut abzielen. Und doch braucht es mehr: «Ganze Regionen müssten umdenken. Landschaften in Schwammlandschaften verwandeln, damit sich der Wasserhaushalt der Erde wieder erholen kann. Unsere erfolgreichen Projekte zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagt Daniel Wyss.

Die grosse Herausforderung liegt nun darin, dieses Wissen weiterzugeben, zu vernetzen und auch auf gesellschaftlicher Ebene umzusetzen. Denn wenn wir lernen, Landschaft im Ganzen wieder als lebendigen Organismus zu begreifen, kann der Weinbau zum Vorbild werden für ein Landwirtschaftsmodell, das Wasser nicht verbraucht, sondern hütet.