«Rolling Stones» in Châteauneuf-du-Pape

Die grossen, runden Kieselsteine (galets roulés) sind ein Markenzeichen von in den Weinbergen von Châteauneuf-du-Pape.

In den Weinbergen von Châteauneuf-du-Pape sorgen die «Rolling Stones» für die Musik. Die grossen, runden Kieselsteine (galets roulés) speichern Sonnenwärme und lassen die Trauben harmonisch reifen. Auf der Domaine de Beaurenard kommt eine grosse natürliche Vielfalt hinzu. Die edlen Tropfen der Familie Coulon sind von grosser Klasse und genau das Richtige für lange Winterabende und festliche Menüs.

«Manchmal frage ich mich, ob sich diese Mühe lohnt. Die Pflege der alten Rebstöcke, zu denen man sich hinunterbücken muss. Knorrige Gesellen, die mit Trauben geizen. Die vielen eigenwilligen Sorten. Der steinige Boden. Wenn ich dann aber eine Flasche Anthémis öffne, in grosse Weinkelche ausschenke, wir einander zuprosten und ich wenig später all die glücklichen Gesichter sehe, dann weiss ich die Antwort.» Frédéric Coulon, der zusammen mit seinem Bruder Daniel in siebter Generation die Domaine de Beaurenard führt, weiss, wovon er spricht. Seit 2008 bewirtschaftet die Familie die 32 Hektar Reben in Châteauneuf-du-Pape und nochmals so viel Fläche in den angrenzenden Appellationen Rasteau und Côtes du Rhône biologisch und seit 2014 ganz im Sinne der Delinat-Methode.

In den besten Lagen der Domaine de Beaurenard kommen statt Traktoren Pferde zum Einsatz.

In den besten Lagen kommen statt Traktoren Pferde zum Einsatz. Die bis zu 100-jährigen Rebstöcke geben nur wenig Ertrag, die Trauben sind aber hochwertig und werden alle von Hand gelesen. Eine Knochenarbeit auf den mit grossen, runden Kieselsteinen übersäten Rebbergböden. Aber es sind gerade diese «Rolling Stones», in Frankreich «galets roulés» genannt, welche die Musik in den Beaurenard-Weinen ausmachen. Alles ist hier zwar sehr aufwendig und zeitraubend. Aber es lohnt sich. Davon zeugen auch die über 400 Medaillen, welche die Familie Coulon mit ihren Weinen bisher eingeheimst hat.

Eine reiche Tier- und Pflanzenwelt gehört neben den steinigen Böden zum Markenzeichen der Weinberge von Beaurenard.
Eine reiche Tier- und Pflanzenwelt gehört neben den steinigen Böden zum Markenzeichen der Weinberge von Beaurenard. Der Naturreichtum spiegelt sich in den Weinen in Form von Charakter und intensiven Aromen wider.

Das Vermächtnis der Päpste

Das kleine Weinbaugebiet im südlichen Rhonetal hat eine lange Tradition und eine spannende Geschichte. Wie alle Päpste des 14. Jahrhunderts residierte Johannes XXII. in Avignon statt in Rom. Zwischen 1318 und 1334 liess er in Châteauneuf-du-Pape eine päpstliche Sommerresidenz bauen und einen eigenen Weinberg anlegen. Damals bevorzugten die Päpste noch den Wein aus Beaune (Burgund). Doch später wurden in Châteauneuf-du-Pape Traubensorten aus anderen Regionen heimisch, und die Weine gewannen an Renommee.

Auf der Domaine de Beaurenard sind sämtliche Bodenarten und Traubensorten zu finden.

Gut 200 Jahre nach den Päpsten liess sich die Familie Coulon auf der Domaine de Beaurenard in Châteauneuf-du-Pape nieder. Ihre Weine gereichen der Region zu Ehren und führen das Vermächtnis der Päpste würdig weiter. Ähnlich wie im Burgund werden auch in Châteauneuf-du-Pape Rot- und Weissweine auf hohem Niveau erzeugt. Hier sind es aber nicht sortenreine Gewächse aus Pinot Noir und Chardonnay, sondern Assemblagen aus bis zu 13 verschiedenen Traubensorten, die auf unterschiedlichen Böden gedeihen. Auf der Domaine de Beaurenard sind sämtliche Bodenarten und Traubensorten zu finden. Gerade der rote Anthémis de Beaurenard zeichnet sich durch eine grosse Vielfalt bezüglich Böden und Sorten aus und ist somit ein Symbol des Weinguts.

Lob vom Krimiautor

Weinkeller der Domaine de Beaurenard

Der schottische Krimiautor Martin Walker («Bruno, Chef de Police»), bezeichnete den Anthémis de Beaurenard bei einem WeinLese-Interview als «LoveWine». Darunter verstehen englischsprachige Weinliebhaber Tropfen, in die man sich schon beim ersten Schluck verliebt. Martin Walker: «Ein wunderschöner Wein, der das mediterrane Klima, in dem er reift, wunderbar ausdrückt.» Das Pendant in Weiss, der Anthémis de Beaurand blanc, ist eine filigrane Komposition aus den weissen Sorten Clairette Blanche, Grenache Blanc, Bourboulenc, Roussanne, Picpoul und Picardan. Für Neugierige: Der Name Anthémis erinnert an die Griechen und Römer, welche die Hundskamille so bezeichneten. Die von Juni bis September blühende Pflanze gehört zu den auffälligen Erscheinungen in den artenreichen Rebbergen der Domaine de Beaurenard, wo in den vergangenen Jahren Hunderte von Bäumen und Sträuchern angepflanzt wurden, um die Biodiversität zu verbessern. Der rote La Tradition de Beaurenard ist eine preiswerte Alternative aus der benachbarten Appellation Rasteau. Hier gedeihen Grenache, Syrah und Mourvèdre an bester Sonnenlage.

Frischer Wind

Die Komposition der Weine auf Beaurenard ist Familiensache.
13 Traubensorten stehen zur Wahl: Die Komposition der Weine auf Beaurenard ist Familiensache. Die junge Generation bestimmt im Keller am Fusse der päpstlichen Schlossruine mit.

Die Traubenzusammensetzung der Beaurenard-Weine kann von Jahr zu Jahr etwas variieren. Die Assemblage ist stets Familiensache. Dabei spielt die junge Generation mit Victor und Antonin, den beiden Söhnen von Daniel Coulon, zunehmend eine wichtige Rolle. Beide sind soeben als Mitbesitzer und neue Taktgeber ins Weingut eingestiegen. In achter Generation führen sie die Domaine mit Respekt vor der Familientradition und der Natur, aber auch mit neuen Ideen und Visionen weiter. Der dreissigjährige Victor ist studierter Agraringenieur und zeichnet als Kellermeister für die Vinifikation und den Export verantwortlich. Sein jüngerer Bruder Antonin (28), der ein MBA-Diplom in Management und Handel in der Tasche hat, ist für die Weinberge und den Handel in Frankreich zuständig. Die beiden Jungwinzer haben klare Vorstellungen, wie sie ihr Familienweingut noch stärker zum Leuchten bringen wollen: «Mit grosser Leidenschaft und Hingabe, aber demütig gegenüber der Natur, wollen wir auf dem Weg der grossen Weine weiter voranschreiten», sagt Victor. Die Vision von einem grossräumigen Weinbau mit reicher Biodiversität packen die beiden Brüder mit unkonventionellen Ideen an. Als Mitglieder der Vereinigung junger Winzer von Châteauneuf-du-Pape (Victor ist der Vorsitzende) haben sie den Marathon des arbustes initiiert. Dieses einzigartige Projekt sieht vor, dass im kommenden Jahr auf einer Marathondistanz von 42,195 Kilometern quer durch die Reben von Châteauneuf-du-Pape Bäumchen und Sträucher gepflanzt werden. Damit erhält die Naturvielfalt in diesem Weinbaugebiet, in dem bereits rund ein Drittel der Reben biologisch bewirtschaftet wird, einen schönen Schub über die Domaine de Beaurenard hinaus. Victor und Antonin Coulon erfreuen sich übrigens nicht nur an artenreichen Weinbergen mit den galets roulés, sie mögen auch die Musik der Rolling Stones. Victor: «Fantastisch, zeitlos, voller Energie – wie unsere Weine!»

Die Traubensorten von Châteauneuf-du-Pape

Rote Rebsorten, die für einen Châteauneuf-du-Pape zugelassen sind.

Seit 1936 sind für einen Châteauneuf-du-Pape 13 Rebsorten zugelassen (14, wenn zwischen Grenache Noir und Grenache Blanc unterschieden wird). Für Rotweine dominieren vier Sorten: Grenache, Syrah, Mourvèdre und Cinsault. Ergänzt werden sie durch Counoise, Muscardin, Terret Noir und Vaccarèse. Die Weissweine werden aus den Sorten Clairette, Roussanne, Bourboulenc, Grenache Blanc, Picardan und Picpoul erzeugt. In einem Châteauneuf- du-Pape können, müssen aber nicht alle Sorten enthalten sein.

Weisse Rebsorten, die für einen Châteauneuf-du-Pape zugelassen sind.

Probierpaket «Châteauneuf-du-Pape und Rasteau»

Die Domaine de Beaurenard erzeugt rote und weisse Châteauneuf-du-Pape- Weine auf hohem Niveau. Neben je zwei Flaschen Rot- und Weisswein aus dieser berühmten Appellation enthält das Probierpaket zwei Flaschen Rotwein aus der aufstrebenden Nachbarregion Rasteau. Alle Weine zeichnen sich durch eigenständigen Charakter und Raffinesse aus.

Anthémis de Beaurenard
Welche Eleganz, welche Kraft und Harmonie! Dieser Châteauneuf- du-Pape ist wie geschaffen für festliche Momente und stellt so manchen teureren Wein in den Schatten. Eine rote Cuvée, gekeltert aus allen 13 zugelassenen Sorten. Während 15 Monaten im grossen und kleinen Holzfass ausgebaut.
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Anthémis de Beaurenard blanc
Ein weisser Châteauneuf-du- Pape wie aus dem Bilderbuch: in der Nase floral-würzig, am Gaumen komplex und aromatisch. Der Name Anthémis erinnert an die Hundskamille, die in den artenreichen Rebbergen der Familie Coulon zahlreich blüht.
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La Tradition de Beaurenard
Aus der Appellation Rasteau stammen kraftvolle Rotweine, die einen willkommenen Kontrast zu den Gewächsen von Châteauneuf-du-Pape bilden. Die fruchtige, konzentrierte Cuvée aus Grenache, Syrah und Mourvèdre zeichnet sich durch Frische und Charakter aus. Ein Jahr im grossen Holzfass gereift.
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Das Probierpaket mit 6 Flaschen kostet CHF 175.00 / € 145,00 und enthält je zwei Flaschen: Anthémis de Beaurenard, Anthémis de Beaurenard blanc und La Tradition de Beaurenard (Angebot solange Vorrat).
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Im WeinLese-Beitrag «Edle Tafel» finden Sie einige Rezeptideen zu den Weinen der Domaine de Beaurenard.

Über 350 Weine aus den artenreichsten Weinbergen Europas finden Sie übrigens in unserem Webshop.

Hier finden Sie alle Beiträge der WeinLese 60:

Weit wie das Meer! Unterwegs in Kastilien und León

Der Weinbau in Kastilien und León hat in den letzten Jahren immer schärfere Konturen gewonnen. Zu den Wegbereitern dieser nachhaltigen Entwicklung zählen kontrolliert biologisch arbeitende Winzer. Mit individuellen Konzepten verleihen sie Verdejo und Tempranillo mehr Finesse und Eleganz und verhelfen vergessenen Sorten wie dem Rufete in der Sierra de Salamanca zu neuem Glanz. Irgendwo in Kastilien. Tagsüber war das Thermometer wieder über 30 Grad geklettert, aber nach Sonnenuntergang, auf dem Weg zur Tapas-Bar im Dorfzentrum, zog der Wind so giftig kalt durch die Calle Mayor, dass ich mir einen Pullover überziehen musste. «Sehr gut», sagte Pablo, der Winzer, und quittierte meinen ratlosen Blick mit den Worten: «Nur dort, wo du zur Erntezeit tagsüber schwitzt und nach Sonnenuntergang frierst, entstehen grosse Weine.» Nun: Gemäss dieser Definition zählen fast alle Weinbaugebiete, die auf der kastilischen Hochebene nördlich von Madrid, zwischen 600 und 1000 Meter über Meer gelegen, zu den grossen Terroirs in Spanien. Brauchen wir die USA, um endlose landschaftliche Weite weitgehendst ohne menschliche Spuren zu erleben? Nein, auch in der Meseta, der kargen spanischen Hochebene, wandert der Blick so weit übers leere Land, dass jeder Reisende für sich die philosophische Frage beantworten muss, ob diese Leere nun befreiend oder beklemmend auf ihn wirkt… Kastilien gilt als Wiege der spanischen Kultur, hier wird das klarste Spanisch gesprochen, die «Castellanos» formen ihre Worte so exakt wie ein Steinmetz den Stein. Doch weinmässig war die Region bis vor 50 Jahren ein riesiger weisser Fleck. Einzig das schon in den 1970er Jahren weltweit renommierte Gut Vega Sicilia deutete an, dass der Tinta del País (auch Tinto Fino oder Tinta de Toro genannt), der hier heimische Klon des Tempranillos, mindestens ebenso gehaltvolle, sicher aber konzentriertere Weine ergeben kann als in der Rioja. Zwar geht der Weinbau in Kastilien bis ins Mittelalter zurück, und der Schatz an «viñas viejas», den alten, bis zu 100-jährigen Buschreben, ist bis heute riesig. Doch über Jahrhunderte hinweg tranken die Bauerfamilien ihren Wein selber oder lieferten ihn an die Tapas-Bars und Tavernas in der Umgebung. So nahm ausserhalb ihrer Region lange Zeit kaum jemand von diesen Weinen Notiz. Angesichts der unendlichen Fülle an Raum ist es erstaunlich, wie nah die Menschen hier beisammenwohnen. Wer übers Land fährt und abends ein Dorf am Horizont ausmacht, mit einer immer überproportional grossen Kirche, um die sich die Häuser schmiegen, fühlt sich an das Bild einer Schafherde auf einem weiten Feld erinnert, in der sich die Tiere zusammenscharen, um möglichen Gefahren besser trotzen zu können. Und tatsächlich: Auch die Menschen stehen hier abends eng beisammen, freilich nicht draussen, sondern in ihrer Tapas-Bar, wo ein frischfruchtiger roter Joven oder Roble für gute Stimmung sorgt. Und mit grosser Wahrscheinlichkeit liegt um die Ecke auch noch ein Asador, ein Gasthaus mit Backsteinofen, in dem das «Cordero lechal», das Milchlamm, bei 220 Grad sanft auf einer Eichenholzglut gegart wird. Der Asador, das Lamm und ein füllig-reifer Reserva aus Ribera del Duero oder Toro – das ist seit Generationen die heilige Dreifaltigkeit des Savoir-vivre in Kastilien. Die Neuzeit des Weins begann mit der Schaffung der Ursprungsbezeichnungen für Weissweine aus dem Rueda (1980) sowie den roten Crus aus Ribera del Duero (1982) und Toro (1986). Spätestens nach 1990 eroberten die knackig-frischfruchtigen Verdejos aus dem Rueda und die Tempranillos mit vollreifer Beerenfrucht, einer geballten Ladung Eichenholzwürze, fleischiger Fülle und maskulinem Gerbstoff die Welt. Heute zeigt das Weinwunder in Kastilien und León immer feinere Konturen. Der rote Tempranillo-Einheitstyp ist nur mehr eine von vielen Facetten. Selektionen von alten Reben verblüffen mit individuellem Ausdruck und Charakter. Und mit Einzellagen-Abfüllungen entsteht langsam aber sicher ein Cru-Denken nach burgundischem Vorbild. Wiederentdeckte alte Weinbaugebiete wie die Sierra de Salamanca beweisen, dass in Kastilien noch längst nicht alle Weinschätze gehoben sind. Mit maximal 500 Millimetern Regen pro Jahr und Quadratmeter und einem fast permanent wehenden Wind sind die Vor aussetzungen für den biologischen Anbau ideal. Und die nach der Delinat-Methode erzeugten Weine zeigen je länger, je mehr, dass sie die individuellen Eigenheiten dieser kargen, meist von Kalk, Sand oder Kies geprägten Terroirs am klarsten zum Ausdruck bringen. Mit der Dynamik, die der Weinbau gebracht hat, ist übrigens auch das kulinarische Angebot breiter geworden. Zwar gelten das Milchlamm und der reife Tempranillo noch immer als erste aller Mariagen, doch in den neuen Lokalen von Valladolid oder Salamanca wird zunehmend auch eine vegetarische Haute Cuisine aus regional produzierten Kartoffeln, Paprikas, Linsen oder Pilzen zelebriert, zu der etwa ein kernig-feingliedriger Rufete aus den Granitböden der Sierra de Salamanca hervorragend harmoniert. So bewegt sich der Kastilien-Reisende zwar immer noch in einem archaisch weiten, zeitlos anmutenden Land, das aber in Bezug auf Wein und Kulinarik zu einem höchst vielfältigen und qualitativ hochstehenden und darum faszinierenden Puzzle avanciert ist.
Thomas Vaterlaus ist Chefredaktor des Weinmagazins «Vinum». Zusammen mit Delinat-Einkäufer David Rodriguez und Fotografin Ana García Navarro war er unterwegs in Spanien. Dabei entstand diese Reportage mit den Porträts von vier Delinat-Weingütern aus der Region Kastilien.

Ribera del Duero, Dominio Basconcillos: Wie Phönix aus der Asche

Ein grosser Kräutergarten bereichert die Biodiversität auf dem Weingut Basconcillos.
Früher wachten burgähnlichen Castillos über dem Lauf des Duero-Flusses, heute sind es die neuen Kathedralen des Weines. Rund 150 Kellereien sind in der Ribera del Duero in den letzten 30 Jahren neu entstanden. Die ehrgeizigsten Projekte haben dabei immer höhere Lagen erschlossen. So auch der Industrielle José María Basconcillos, dessen im Jahr 2000 gegründetes Gut sich nicht mehr im Duero-Tal selber befindet, sondern bereits auf der nördlichen Hügelflanke in der Provinz Burgos, 1000 Meter über Meer. «Die alten Männer im Dorf haben uns gesagt, dass die Trauben hier oben nie reif werden würden», sagt der junge Betriebsleiter Francisco Barona, der dieses «State of the Art»-Projekt dynamisch vorantreibt.
Önologe Francisco Barona prüft die Reife der Basconcillos-Weine.
Neu gepflanzte Bäume und Büsche umgeben das nach dem Château-Prinzip angelegte Weingut und bereichern die Biodiversität. Bei der Begrünung ist in dieser Cool-Climate-Grenzlage ein subtiles Vorgehen gefragt. In den von mehr Fruchtbarkeit geprägten Parzellen wird heute jede zweite Rebzeile begrünt, in den kargen und kühlen Lagen weist jede sechste Zeile eine Ganzjahresbegrünung auf, die lediglich gemäht wird. Ähnlich generalstabsmässig verläuft die Ernte. Zuerst werden die kalkbetonten Parzellen gelesen, die frischfruchtig mineralische Weine mit guter Säure ergeben. Dann folgen die lehmhaltigen Plots, die konzentrierte Weine mit schwarzbeeriger Frucht hervorbringen. Den Abschluss bilden schliesslich die sandigen Partien, deren Weine floral und mittelgewichtig ausfallen.
Perfekt komponiert: Basconcillos-Gewächse vereinen Fruchtfülle, Kraft und Eleganz.
Die genauso minuziös verlaufende Vinifikation sorgt dafür, dass sich diese individuellen Charakteristiken bestmöglich im Wein widerspiegeln. Alle Basconcillos-Gewächse sind perfekt komponiert und vereinen Fruchtfülle, Kraft und Eleganz. –> Alle Weine der Dominio Basconcillos

Rueda, Bodegas Menade: Hipster-Weine made by Sanz

Im alten Natursteinkeller von Menade reifen vor allem Weissweine.
So sieht sie also aus, die Neue Welt im alten Rueda. Da ist der Winery-Hangar, dessen Frontfassade sie durch das Anbringen rostbrauner Metallpanelen, die Buschreben symbolisieren, zum Kunstwerk gemacht haben. Davor parken die staubigen Pick-ups der Sanz-Brüder. Daneben der Versuchsgarten mit heimischen Kräutern, ein Gemeinschaftsprojekt mit der Universität von Valladolid, das Aufschluss darüber geben soll, welche autochthonen Kräuter zu einer möglichst nachhaltigen Biodiversität im Rebberg beitragen können. Und dann sind da noch diese «verrückten» Anhänger, auf deren Ladeflächen ganze Bäume und Büsche wurzeln – mobile Hotspots, die sie in ihren Rebbergen platzieren, als Anreiz für Nützlinge, um das Ökosystem zu stärken.
Mobile Hotspots: die «verrückten» Anhänger der Geschwister Sanz.
2005 haben die Geschwister Alejandra, Marco und Richard Sanz ihr Projekt Menade gegründet, nachdem ein Streit mit ihrem Vater die Übernahme des Familienweinguts verhindert hatte. «Keine Sorge: Streit ist in unserer Familie etwas völlig Normales. Vor 30 Jahren hat schon unser Vater mit seinem Vater gestritten. Ja, Streit setzt die nötigen Energien frei, um Neues zu schaffen», sagt Alejandra Sanz. Und Energie haben die drei. «Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!», der Refrain dieses Liedes aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle, trifft den Esprit dieses Weinguts recht gut.
Winzer Richard Sanz im alten Natursteinkeller der Bodegas Menade.
Von weit über 100-jährigen Stöcken haben sie kürzlich Pflanzmaterial gezogen, um sanddominierte Parzellen neu mit wurzelechten Reben zu bestocken. Zudem haben sie 300 Oliven- und Laubbäume angepflanzt. Die monumentale Kreidetafel in ihrer Vinothek, auf der sie mit kräftig-farbigen Kreidestrichen ihren Menade-Weinkosmos illustrieren, würde sich auch in einer Weinbar in New York gut machen. Vor allem aber versprechen ihre Crus Rueda-Feeling pur. Subtile Frucht, geradlinige Frische, was braucht der Mensch mehr? –> Alle Weine der Bodegas Menade

Toro, Finca Volvoreta: María bändigt die Tinta de Toro

Viel wilde Natur drängt die Reben fast in den Hintergrund.
Mit seinen feinen Gesichtszügen erinnert der 69-jährige Antonio Alfonso Fincias an einen Professor, nur die Ray-Ban-Brille passt nicht ganz in dieses Bild. Aber wer den Mann zu seinem Rebberg am breiten Hügelrücken von Sanzoles, am südöstlichen Rand der D.O. Toro, begleitet, merkt schnell, dass er wirklich ein Professor ist, nämlich in der eigenen «Universität» seines Rebbergs. «Die Natur hat alle Werkzeuge, um Ungleichgewichte auszubalancieren», sagt er. So macht es bei ihm den Anschein, dass die Begrünung nicht den Rebberg ergänzt, sondern die Reben die Begrünung. Fast zwischen den Reben wachsen alte Oliven- und Mandelbäume, einst Teil der alten Mischkultur, die hier auf Terrassen gepflegt wurde. Auch Thymian, Rosmarin, Lavendel und Johanniskraut rücken den Reben an den Stamm. Selbst gegen die Wölfe und Bären, die hier ab und zu rumstreichen sollen, hat er nichts.
Weinbauer Antonio Alfonso (links) mit David Rodriguez von Delinat.
Im Keller schafft es seine 31-jährige Tochter María, aus den Trauben ihres Vaters höchst elegante Weine zu keltern, die nichts mit jenen rustikalen Toro-Weinen mit horrendem Gerbstoff und spitzer Säure zu tun haben, die den Markt überfluten. Die Weine von María überzeugen mit sanfter Fruchtfülle. Eine vorsichtige Vinifikation mit teilweisem Ausbau in Amphoren und eine minimale Schwefelung tragen dazu bei.
Marias Spiegelbild in einer mit Wein gefüllten Ton-Amphore.
Bei der Verkostung der Weine tischt Antonio ein Plättchen mit Jamón Ibérico Bellota auf mit dem Hinweis, dass eine Universität in den USA herausgefunden habe, dass dieser Schinken gut gegen Depressionen sei. Das Dumme sei nur, dass die Depression immer dann einsetze, wenn das letzte Stück gegessen sei. –> Alle Weine der Bodega Volvoreta

Sierra de Salamanca, Viñas del Cámbrico: Der Retter des Rufete

Fernando Maillo (rechts) sorgt für frischen Wind in der Sierra de Salamanca.
Morgens um neun Uhr trinkt Fernando Maillo einen Kaffee in der Posada del Hidalgo, der Dorfkneipe von Villanueva del Conde, und schwatzt mit Waldarbeitern und Mechanikern. Das ist wichtig, denn hier ist der Begriff Dorfgemeinschaft noch keine leere Worthülse. «Wenn hier einer ein Haus baut, helfen ihm die andern », sagt der 47-jährige Winzer. Er gilt als Hoffnungsträger in diesem von Abwanderung bedrohten Ort, seit seine Weine nicht nur in Spanien, sondern auch in den USA, Deutschland und der Schweiz für Furore sorgen.
Grosse Pflanzenvielt in den Rebbergen von Cámbrico.
Im Jahr 2000 hat er hier, im paradiesisch hügeligen «Niemandsland» an der Grenze zu Portugal, sein Projekt Viñas del Cámbrico gegründet und seither 130 Rebparzellen von 130 verschiedenen Besitzern erworben, und diese so weit wie möglich zusammengelegt. Alle seine Rebberge liegen eingewachsen in einer vielfältigen, stark wuchernden Vegetation aus Korkeichen, Erdbeer- und Olivenbäumen, Heidekraut, Zistrosen, Ginster, wildem Fenchel und vielem anderen. Vor allem aber hat Fernando Maillo die alteingesessene Sorte Rufete, verwandt mit dem Pinot Noir, gerettet. Er hat 40 verschiedene Klone dieser Sorte aufgespürt, die nur kleine Trauben produzieren, und in einem Versuchsrebberg vermehrt.
Rufete-Buschreben an felsigen Steillagen.
In einem zweiten Schritt legt er nun sein Augenmerk auf die 12 qualitativ besten dieser Rufete-Klone. Gleichzeitig sind seine Weine immer eleganter, geradliniger und frischer geworden. Eine «Weniger ist mehr»-Strategie mit früherer Ernte und einer reduzierten Extraktion ist der Schlüssel zu seinen heute ganz und gar burgundisch anmutenden Weinen, die ihr von Granit geprägtes Terroir exemplarisch zum Ausdruck bringen. –> Alle Weine des Weinguts Viñas del Cámbrico

WeinLese-Angebot: Probierpaket «Sinnliches Kastilien»

Thomas Vaterlaus, Chefredaktor des Weinmagazins «Vinum», war für die WeinLese in Spanien unterwegs. Er empfiehlt drei Delinat-Weine, die die neue kastilische Weinvielfalt genussvoll repräsentieren: Saxum Verdejo, Bodegas Menade, Rueda DOP 2015 Finessenreicher Verdejo mit Noten von weissen Blüten und Wiesenkräutern, im Gaumen gut strukturiert, geschmeidig und frisch. Art. 5889.15; CHF 14.20, € 11,50 pro Flasche (CHF 1.89 pro dl, € 15,33 pro l) Dominio Basconcillos Roble, Ribera del Duero DO 2015 Aromen von Kirschen und dunklen Johannisbeeren. Gut integrierte Würznoten mit Tabak und Zedernholz. Im Gaumen dicht gewoben, feinkörnig und elegant. Art. 3184.15; CHF 18.–, € 14,90 pro Flasche (CHF 2.40 pro dl, € 19,87 pro l) Cámbrico 575 Uvas, Viñas del Cámbrico, Sierra de Salamanca 2014 Aromen von roten Beeren, Wacholder und Wermutkraut, auch mineralische Noten, im Gaumen kernig, frisch und temperamentvoll. Zeigt viel Charakter. Art. 1575.14; CHF 27.50, € 23,50 pro Flasche (CHF 3.67 pro dl, € 31,33 pro l) Das Probierpaket enthält 3 × 2 Flaschen und kostet CHF 119.40 / € 99,80 –> Zum Probierpaket «Sinnliches Kastilien»

Jahrgänge vergleichen (1)

Wir lieben Kundenwünsche! Sie münden oft in gute Ideen und Produkt-Innovationen. Thomas Riedel wünscht sich folgendes:

„Anbei eine kleine Anregung: wie wär`s mit einer kleinen Verkostung der verschiedenen Jahrgänge *eines* Weines gegeneinander […]? Wie ich feststellen durfte, sind die Jahrgänge durchaus unterschiedlich und es wäre vielleicht hübsch, Ihren eigenen Kommentar, einschließlich der Wetter- und andere Einflüsse etc. die dazu geführt haben, nachlesen und nachschmecken zu können. Sozusagen eine Art des stillen Gedanken- und Geschmacksaustausches mit Ihnen.
Danke für jede Menge gustatorischen Spaß!
Th. Riedel“

Tatsächlich ist es so, dass nur selten mehrere Jahrgänge des gleichen Weins bei Delinat verfügbar sind. Meist sind die aktuellen Jahrgänge recht schnell ausverkauft. Will man wirklich die Einflüsse des Wetterverlaufs heraus schmecken,  braucht es zudem ältere Jahrgänge, die die pubertären Launen ihrer Jugendjahre bereits hinter sich gelassen haben.

Einige Weine haben wir aber doch gefunden – meist fallen diese in die Sparte „Exklusivwein“ und sind längere Zeit lagerfähig. Auch für uns ist es eine Freude, einige ältere Jahrgänge nachzuverkosten – wie ein Wiedersehen mit alten Freunden! Unter diesen Weinen  haben wir die schönsten ausgesucht, um die verschiedenen Jahre erlebbar und schmeckbar zu machen, und Ihnen ein kleines Paket geschnürt:

Bordeaux, St. Emilion Grand Cru, 2002 und 2003

Zwei gereifte Bordeaux sind dabei, Clos de Mélisse, Jahrgang 2002 und 2003. Das Jahr 2002 war im Bordeaux durch den feuchten und kühlen Sommer eher speziell. Nur durch selektive Lese und sorgfältige Kellerarbeit konnten gelungene Weine gekeltert werden. 2003 dagegen war ein unglaublich heisses Jahr mit Rekord-Temperaturen im August. Die Weine wurden farbintensiv und kräftig, komplex mit ausgeprägter Tanninstruktur.

Bordeaux, St. Emilion Grand Cru, 2006 und 2007

Dann zwei Grand Cru aus St. Emilion: Château Cartier 2006 und 2007. Das Jahr 2006 wurde allgemein als hervorragend bezeichnet; einem kalten August folgte ein heisser September und sorgte für beste Erntebedingungen. Das Resultat: sehr aromatische Weine mit feinen Gerbstoffen und gutem Reifepotential. 2007 war durch wechselhaftes Wetter gekennzeichnet, mit starken Niederschlägen, aber gutem Lesewetter, so dass auch dieses Jahr frische und fruchtige Rotweine hervorbrachte.

Provence, 2005 und 2006

Als letztes dann zwei Weine vom Château Duvivier: Les Mûriers 2005 und 2006. In 2005 war die Traubenqualität durch einen heissen Sommer ausgezeichnet; der Herbst aber fiel sehr feucht aus, so dass 2005 als schwieriges Jahr bezeichnet werden muss. Nur durch die sorgfältige Ernte von Hand konnte die hohe Qualität der Weine sicher gestellt werden. 2006 dagegen fiel die Erntemenge zwar auf Grund von Hagel im Juli etwas geringer aus; aber nach ansonsten sehr gutem Wetterverlauf hielt der rechtzeitig einsetzende Mistral im September die Trauben trocken, so dass Antoine Kaufmann diesen Jahrgang für einen der besten der letzten 10 Jahre hält.

Das Paket im Überblick finden Sie zur Bestellung im Webshop. In Kürze veröffentlichen wir dann hier unsere Degustationsnotizen – und freuen uns darauf, sie mit Ihren Notizen zu vergleichen!