Schon wieder eine Auszeichnung: Riesling „Alte Reben“

Fast ist es schon ein bisschen unheimlich: Timo Dienhart vom Weingut zur Römerkelter ist nicht nur „Jungwinzer des Jahres 2009“; bei den Bio-Weinpreisen räumt sein Riesling „Alte Reben“ 2008 richtig ab: Zunächst „Grosses Gold“ beim Bioweinpreis 2009, dann die gleiche Auszeichnung beim Weinpreis der BioFach; nun wurde der gleiche Riesling bei der Berliner WeinTrophy zum „Besten Biowein unter 20 EUR“ gewählt.

Ein schwieriger Jahrgang an der Mosel

Wir wissen seit Jahren, dass Timo Dienhart – wie vor ihm sein Vater – ein sehr engagierter, qualitätsbewusster Winzer ist; aber gerade der Jahrgang 2008 galt an der Mosel als klimatisch schwierig – wie kommt es also, dass ein Riesling aus diesem Jahrgang so erfolgreich ist? Das wollte ich von ihm selbst wissen, und rief ihn an.

Natürlich seien die Steillage und die alten Reben, die tief im Schiefer der Mosel verwurzelt sind, mit verantwortlich, erklärte er. Auch die späte Ernte und die schonende Behandlung im Keller hätten zur Qualität des Weines beigetragen. Aber entscheidend sei gewesen, dass er schon lange den Weinberg als lebenden Organismus begreift und auf die Selbstheilungskräfte des Systems setzt.

Biodiversität als Erfolgsfaktor

Timo Dienhart setzt auf Biodiversität im Weinberg – wo in anderen Steilhängen nur nackter Schiefer zu sehen ist, leuchtet bei ihm das Grün zwischen den Rebzeilen.

Die Bodendecker, die in heissen Jahren das knappe Wasser speichern, kompensierten jetzt die reichlichen Niederschläge im August. Das Resultat waren gesunde, reife Trauben – die Grundlage für den späteren Erfolg.

Mit dem habe er anfangs nicht gerechnet, sagte Timo Dienhart: „Zu Beginn war ich von dem Wein etwas enttäuscht; aber wie ein Wein sich durch Spontanvergärung (ohne Zugabe von Zuchthefe) entwickelt, ist vorher schlecht einzuschätzen – und ich wurde positiv überrascht. Mein Riesling Alte Reben ist jetzt trinkreif – und ich bin sicher, dass er in den nächsten Jahren noch an Komplexität gewinnen wird!

Probieren Sie den Riesling von alten Reben einmal zu einem zarten Kaninchen, würzigem Käse oder einfach so. Die Aromen von exotischen Früchten, die Mineralik und das elegante Spiel von Süsse und Säure sind herausragend – und führen zu einem wahren Feuerwerk am Gaumen.

Vier Weine und ein Huhn

Vincent Klink ist ein ganz besonderer Sterne-Koch; er schwört auf bodenständige Küche sowie regionale Bio-Produkte. Er bloggte in der „Zeit“ und gibt eine Literaturzeitschrift heraus. Aus seinem Buch „Meine Küche“ stammt das Rezept zur Bio-Poularde im Salzmantel, das in der letzten WeinLese (Nr. 17, S. 22/23) abgebildet war.

Das Huhn

Peter Kropf empfiehlt vier Weine  zu diesem Gericht; die unterschiedlichen Kombinationen machten mich neugierig und mussten ausprobiert werden. Freunde waren schnell eingeladen – beide langjährige Delinat-Kunden. Doch vor der Degustation stand die Zubereitung. Ein Freund, der seine Hühner artgerecht hält, lieferte die Poularde; Meersalz, Kräuter und Gewürze wurden im Bioladen besorgt. Das Rezept selbst ist eher einfach. Das liess uns Zeit die Weine zu öffnen und schon einmal zu verkosten.

Die Weine

Zur Wahl standen zwei Weine von der Mosel: der fruchtig-frische „Aurum“ und der intensive „Riesling vom Schiefer“ vom Weingut zur Römerkelter, der gerade auf der Biofach mit Gold prämiert wurde. Dann zwei Rotweine: ein noch jugendlicher Spätburgunder vom Weingut Pflüger in der Pfalz und ein voluminöser St. Laurent vom Hirschhof in Rheinhessen. Es sei vorweg genommen: es gibt nicht nur unterschiedliche Kombinationen, auch die Geschmäcker unterschieden sich deutlich!

Riesling Aurum, Mosel 2008

Der „Aurum“ (bereits ausverkauft ) harmonierte meiner Meinung nach gut mit der zarten Poulardenbrust. Unseren Gästen dagegen gefiel der Wein zwar sehr gut – aber vor allem Sylvain konnte sich als Süd-Franzose zu einem Weisswein eigentlich nur Meeresfrüchte  vorstellen!

Riesling vom Schiefer, Mosel 2008

Das änderte sich mit dem „Riesling vom Schiefer„: der konnte durch seine feine Restsüsse mit der intensiver schmeckenden Keule gut mithalten, die prägnante Säure fängt gleichsam das Fett der Poularde auf; seine Mineralität spielt mit dem Meersalzgeschmack des Fleisches. Dieser Riesling überzeugte die ganze Runde inklusive Franzosen – und war mein absoluter Favorit.

Pflüger Spätburgunder, Pfalz 2008

Für den Spätburgunder votierte dann allerdings der Rest der Runde. Und ich muss zugeben: er harmonierte ideal mit der Brust und Keule (die nicht viel Fett hatte). Die feine Säure und Mineralität dieses Rotweins machte ihn zu einem wirklich guten Partner der Poularde.

Hirschhof St. Laurent, Rheinhessen 2008

Der St. Laurent als letzter Wein hatte es also eher schwer: für die Brust etwas zu gehaltvoll, konnte er dann aber durch seine würzigen Aromen, den feinen Schmelz und das fast schon reife Tannin überzeugen und war der Keule ein wirklich guter Begleiter.

Wein des Abends

Das Fazit: jeder Wein hatte seinen Reiz in der Kombination mit der Poularde. Wenn auch mein persönlicher Sieger an diesem Abend der „Riesling vom Schiefer“ war – die grösste Zustimmung fand der Pflüger’sche Spätburgunder.

Was ist Ihr Favorit zum Huhn?