Wein aus Portugal – Caruma ist wieder verfügbar

Viel Spass für wenig Geld“ titelte das Weinmagazin Vinum in der aktuellen Ausgabe seines WeinGuide. Und, so schrieb das Autoren-Team Barbara Schroeder und Rolf Bichsel weiter: „Nirgends auf der Welt gibt es Kreszenzen mit einem besseren Preis-Spass-Verhältnis als in Portugal. Hier findet man Alltagsweine, die zu allem und jedem passen, weil sie saftig, fruchtig, frisch und vollmundig sind und viel Persönlichkeit haben“.

Das wissen viele Delinat-Kunden bereits: Unser Caruma war im letzten Jahr einer der heimlichen Stars im Sortiment und viel zu schnell vergriffen. Nun ist endlich der neue Jahrgang da, den Vinum zu den besten Weinen unter 15 Euro in Portugal rechnet. Der Caruma kommt aus dem Dão, einer hügeligen Region, die im Gegensatz zum Alentejo eher kühl ist; die Temperaturen zwischen Tag und Nacht schwanken stark – das gibt den Trauben die frischen, von einer saftigen Säure getragenen Fruchtaromen.

Autochthone Rebsorten

Über den engagierten Weinmacher António Lopez berichteten wir bereits im März und freuten uns über seinen alr Azinho aus dem Alentejo. Wie beim Azinho legt António auch beim Caruma einen besonderen Akzent auf die Weinbautradition seines Heimatlandes – er verwendet ausschliesslich autochthone Rebsorten für diesen Wein: Tinta Roriz, Jean de Dão, Touriga Nacional, Alfrocheiro, Água Santa sind ausserhalb Portugals gänzlich unbekannt.

Traditioneller Anbau im gemischten Satz

Und wie früher erfolgt die Bestockung der Weingärten traditionell – also im gemischten Satz. Das Vermischen der verschiedenen Rebsorten im gleichen Weingarten erhöht die Biodiversität und die Widerstandskraft der Reben. Diese Bestockungsart ist aber auch mit mehr Arbeit bei der Ernte verbunden: Da die Reben zu unterschiedlichen Zeitpunkten die optimale Reife erreichen, kann die Lese im Herbst nur von Hand und durch speziell geschultes Personal durchgeführt werden.

Spontanvergärung und Pinienduft

Auch im Keller ist António ein Purist: die Trauben vergären spontan, ohne Zusatz von künstlichen, sondern einzig mit den traubeneigenen natürlichen Hefen. Der Caruma besticht denn auch durch frische, mineralische Noten und viel Tiefgang – und seine einzigartigen Pinienaromen lassen sich eigentlich nur durch Antónios Weingärten erklären, die von alten Pinien und Fichten umgeben sind.

Der Caruma 2008 mag jetzt noch jugendlich erscheinen, birgt aber ein grosses Entwicklungspotenzial in sich. Und auch der „Caruma Selecção 2007“  ist jetzt wieder verfügbar – der wurde übrigens beim Decanter World Wine Award 2009 mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.

Sizilien-Reise (1): Regen und sizilianische Gastfreundschaft

Keiner von uns hatte das erwartet – wir waren auf sommerliche Temperaturen eingestellt, aber Sizilien empfing uns am Montag mit Regen. Unser erster Besuch galt Massimo de Gregorio auf dem Weingut Villa Dorata, rund 50 Kilometer südwestlich von Palermo. Auch Sizilien hat unter einem nassen Frühling zu leiden, erzählte er: Wegen der Nässe auf den Feldern konnte er in diesem Jahr keinen Weizen anbauen.

Autochthone Rebsorten

Auch die Wege und Strassen sind in Mitleidenschaft gezogen – die Fahrt durch die Weinberge mit seinem Allradfahrzeug geriet eher abenteuerlich. Die Reben aber gedeihen sehr gut – gerade hat Massimo einen Versuchs-Weinberg angelegt, um weitere autochthone sizilianische Rebsorten, z.B. Grillo oder Nerello Mascalese anzupflanzen.

Neben der Verkostung des Jahrgangs 2009 (die Weine überzeugten übrigens durch schöne Frucht und sind ausgesprochen harmonisch am Gaumen) war der Höhepunkt unseres Besuchs kulinarischer Art: zu Mittag gab es eine frische, noch warme Ricotta aus Schafsmilch, am gleichen Morgen hergestellt!

Wie eine Oase: Biodiversität im Weinberg

Am nächsten Tag fuhren wir zum nächsten Massimo: das Weingut von Massimo Maggio befindet sich in der Nähe von Vittoria – umgeben von Industriezonen und Treibhäusern. Es ist eine wahre Freude für die Augen, wenn man dann endlich bei Massimos Weinbergen ankommt – wie eine Oase in der Wüste. Jede Parzelle ist umsäumt von Bäumen: Oliven, Orangen, Mandarinen…Die Mischkultur gehört einfach in dieses Land. Auf grosszügig bemessenen freien Flächen kann die ursprüngliche Flora gedeihen, und im Frühjahr hat Massimo zwei Hotspots mit aromatischen Kräutern bepflanzt. So sind das ganze Jahr hindurch Blüten im Weinberg zu finden. Man spürt, wie Massimo sein Land liebt.

Man darf ihm aber nicht trauen, wenn es ums Essen geht: das angekündigte leichte Mittagessen erwies sich als ein Gelage von sizilianischen Köstlichkeiten: So gab es Arancini (gefüllte, frittierte Reisbällchen), Caponata (eine süßsauer zubereitete Speise aus Paprika, Auberginen, Kapern und Zwiebeln) und eine Focaccia Siciliana. Die Krönung aber war ein Riesen-Cannolo, dem wir einfach nicht widerstehen konnten. Die Gastfreundschaft der Sizilianer kann überwältigend sein…

Wein von autochthonen Rebsorten: alr Azinho aus Portugal

Unser letzter Wein aus Portugal, der Caruma aus dem Dão, war ein durchschlagender Erfolg: Als der Wein beim MundusVini Weinpreis der Biofach mit Gold prämiert wurde, war er bei uns schon so gut wie ausverkauft. Für mich ein Anlass, mich eingehender mit dem Winzer zu unterhalten, der ein weiteres Projekt im Alentejo bearbeitet.

Bio-Weinbau inmitten von Steineichen

António Lopes Ribeiro (alr) bewirtschaftet nahe dem mittelalterlichen Städtchen Montemor-o-Novo die prächtige, rund 20 Hektar grosse Parzelle „Vinha das Amoras“, eingebettet in einer für das Alentejo typischen Buschlandschaft, umgeben von Steineichen.  Wenn die für das Alentejo typischen Steineichen in der Nähe eines Weinbergs stehen, kann man davon ausgehen, dass die Reben genügend Wasser in der Tiefe finden werden. 2004 stellte António den Weinberg auf biologischen Anbau um. Zur Steigerung der Weinqualität achtet António auf geringe Erträge, in 2008 gerade mal einen halben Liter pro Quadratmeter.

Spontanvergärung und sanfte Filtrierung

Die Reben der „Vinha das Amoras“ müssen ihre Wurzeln tief in den kalkhaltigen Kiesboden treiben, um mit den knapp bemessenen Niederschlägen und dem warmen, mediterranen Klima im Alentejo zurecht zu kommen. Die Trauben werden von Hand geerntet und in kleinen Bütten schonend zum Weingut gebracht. Nach dem Entrappen vergären die Trauben spontan mit ihren natürlichen, im Weinberg vorkommenden Hefen.

António vinifiziert seine Traubenmoste separat, um den Sortencharakter optimal herausarbeiten zu können. Sobald sich die Moste durch Gravitation natürlich geklärt haben, wird die Assemblage bestimmt. Der Jungwein reift während 12 Monaten im Stahltank. Um seinen ursprünglichen Charakter sowie seine Aromenfülle zu bewahren, wird er vor der Abfüllung nicht geschönt und nur sanft filtriert.

Das Resultat des heissen Klimas und der schonenden Verarbeitung, alr Azinho 2008, (Azinho = portugiesisch für „Gruppe von Steineichen“) begeistert mit grosser Gaumenfülle, Extraktsüsse und feinen Mandelnoten.

Autochthone Rebsorten in Portugal – ein Entdecker-Paradies

Der traditionsbewusste Winzer legt bei all seinen Weinen den Schwerpunkt auf autochthone, also ortstypische Sorten; so betont er die Typizität der Weine. Autochthone Rebsorten wie Aragonês, Alicante Bouschet, Trincadeira oder die Touriga Nacional sind  besser an die Gegebenheiten der Region angepasst als die international üblichen Rebsorten. Die Selektion für Delinat wird mit einem Schuss Cabernet Sauvignon abgerundet.

Ein interessantes Detail bilden dabei die Tinta Roriz, die im  Caruma verwendet wird, und die Aragonês: Sie sind identisch, nur die Bezeichnung dieser Sorte variiert in Portugal von Region zu Region. Zudem sind sie mit der spanischen Tempranillo sehr eng verwandt. Dessen ungeachtet tummeln sich in Portugal mindestens 200 wirklich autochthone Traubensorten: ein überaus reichhaltiger Gaumenschmaus für den Weinliebhaber, ein „Wahnsinn“ für den Ampelographen, der die Traubensorten bestimmen und zuordnen muss. Der Hunger von Entdeckernaturen wird in Portugal auf jeden Fall vollkommen gestillt!

Hier geht’s zum alr Azinho im Delinat-Webshop!