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La Favola – Wie ein sizilianisches Weingut die Natur zum Verbündeten machte

Wenn der Delinat-Winzer Corrado Gurrieri durch seine Reben in Noto, Sizilien, schreitet, erzählt er nicht nur die Geschichte eines Weins – er erzählt die Geschichte einer ganzen Familie. Seit Jahrzehnten bewirtschaftet die Familie dieses Stück Land. Heute ist es Corrado, der als Biowinzer das Weingut La Favola zu einem Musterbeispiel für ökologischen Weinbau gemacht hat. Seine Geschichte ist ein Lehrstück, wie man aus Fehlern der Vergangenheit lernt und der Natur wieder zuhört.

Text

Olivier Geissbühler
Videoblogger
25.08.2025

Vom Agronom zum Naturverbündeten

Corrado hat in den 1970er-Jahren Agronomie studiert. Damals galt: Maximale Produktion um jeden Preis. Mit chemischen Düngern, mit Pestiziden, mit der Vorstellung, der Boden sei nichts anderes als ein Produktionsmittel. «Ich erzielte zwar gute Ernten», erzählt er, «aber der Boden litt. Nach der Ausbeutung war er manchmal jahrelang unproduktiv.»

Das brachte ihn ins Grübeln – und zu einer einfachen, aber tiefen Erkenntnis: Ein Agronom darf nicht nur Techniker sein. Er muss Vermittler sein, zwischen Produktion und Respekt für die Natur.

Biodiversität als Erfolgsrezept

Sizilien macht es einem Biowinzer vergleichsweise leicht. Das Klima ist trocken, Krankheiten wie Mehltau sind oftmals weniger aggressiv als anderswo. Doch Corrado wäre nicht Corrado, wenn er Bio allein auf den Verzicht von Chemie reduzieren würde. Für ihn bedeutet Bio Vielfalt. Er zeigt auf die Weinberge, in denen Bäume zwischen den Reben stehen, Sträucher blühen, Tiere ihren Platz finden. «In der Natur gibt es keine Monokultur. Ein Wald lebt, weil er vielfältig ist. Warum sollte ein Weinberg da anders sein?»

Also lässt er Wiesen stehen, pflanzt Bäume, schafft kleine Oasen, in denen Insekten, Vögel und Mikroorganismen gedeihen. Nach einigen Jahren entsteht ein Gleichgewicht – Schädlinge werden von Nützlingen in Schach gehalten, der Boden bleibt fruchtbar, das Leben hält die Reben gesund.

Solarpaneele in den Weinbergen von La Favola
Die sizilianische Sonne wird auf La Favola für nachhaltige Energieerzeugung genutzt.

Energie von der Sonne

La Favola ist nicht nur beim Weinbau nachhaltig. Schon bevor die strengen Delinat-Richtlinien erneuerbare Energien forderten, hatte Corrado grosse Solarpaneele installiert. Heute produziert das Weingut mehr Energie, als es selbst verbraucht. «Wir geben der Erde zurück, was sie uns gibt», sagt er. «Und am Ende ist es gar nicht so kompliziert. Man muss nur daran glauben.»

Die ersten Jahre, das verschweigt Corrado nicht, waren hart. Bis sich die Natur ins Gleichgewicht findet, können Jahre vergehen. Doch er blieb beharrlich – aus Überzeugung. Heute ist La Favola ein lebendiges Beispiel dafür, wie nachhaltiger Weinbau auf Sizilien aussehen kann.

Corrado Gurrieri bei der Pflege seiner Reben.
«Es ist gar nicht so kompliziert. Man muss nur daran glauben.» – Corrado Gurrieri.

Über die Autorin

Olivier Geissbühler

Olivier Geissbühler, Videoblogger

«Nature is always right» – das gilt auch in der Weinproduktion. Mit der Kamera kann ich bei zukunftsweisenden Projekten von der Rebenzüchtung bis zum Endprodukt hautnah mit dabei sein, wie aus reicher Natur köstliche Weine entstehen.

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