Grüner Veltliner auf Verwitterungsböden
Die österreichische Paraderebsorte Grüner Veltliner reift auf den kargen Verwitterungsböden zu konzentrierten und eleganten Weisseweinen heran. Meist sind diese speziellen Böden, dem Riesling vorbehalten.
Text
Emil Hauser
Weinakademiker 03.11.2025
Im Weinbaugebiet der Stadt Krems und der engeren Umgebung herrschen Urgesteinsverwitterungsböden vor. Sie bestehen vorwiegend aus versandetem Gneis und Granit. Die Rebflächen im Osten der Stadt sind durch gewaltige Lössterrassen (homogene, ungeschichtete, hellgelblich-graue Sedimente, die vorwiegend aus Schluff bestehen) geprägt. Daher sind auch Riesling und Grüner Veltliner die gebietstypischen Leitsorten, die seit 2007 den DAC-Status innehaben. DAC steht dabei für «Districtus Austriae Controllatus» im österreichischen Appellationssystem für regionstypische Qualitätsweine.
Von Löss und Verwitterungsböden
Die bis zu mehrere Meter dicken Lössböden sind fruchtbar und vermögen Wasser sehr gut zu speichern. Darauf angepflanzter Grüner Veltliner fühlt sich ausgesprochen wohl und erbringt Weissweine von einer etwas runderen, fülligeren Art.
Urgesteinsverwitterungsböden sind deren geologischer Gegenpol. Auf diesen wird vor allem trockenresistenter Riesling angebaut. Zusammen mit der kargen aber vielfältigen Bodenauflage von lediglich 50 bis 100 Zentimeter Stärke sorgen die trockenen, wasserdurchlässigen Urgesteinsverwitterungsböden für anspruchsvollere Anbaubedingungen. Zugleich ermöglichen sie die Produktion von konzentrierten und gleichzeitig eleganten Weissweinen mit einer ausgeprägten mineralischen Note wie man sie beim Grünen Veltliner Goldbühel von Andreas Harm findet.
Herausforderung und Segen
Die herausfordernden Bedingungen auf den Urgesteinsverwitterungsböden meistert der Winzer nachhaltig am besten mit einer angepassten Begründungsstrategie. Das gilt insbesondere für den sehr selten darauf gepflanztem Grünen Veltliner. Tiefwurzelnde Leguminosen wie Winterwicken, Erbsen und Kleearten gedeihen vor allem im regenreichen Frühjahr und sterben im trockenen, heissen Sommer von selbst ab. So entsteht keine Konkurrenzsituation zu den Reben. Auf der einen Seite belüften diese Pflanzen mit ihrem Wurzelwerk den Boden, die Mikroorganismen können sich optimal entwickeln und somit die Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar machen. Andererseits halten sie den Boden zusammen und verhindern eine Abtragung der Feinpartikel und somit die Erosion und Verarmung des Bodens.
Ähnlich wie in den benachbarten Weinbaugebieten Wachau im Westen und Kamptal im Osten kommt auch im österreichischen Kremstal das klimatische Spannungsfeld stark zur Geltung: Kühle, feuchte Einflüsse treffen auf warme, trockene aus der pannonischen Tiefebene im Osten. Die Böden und das Klima im österreichischen Kremstal bieten einzigartige Vorraussetzungen für elegante, konzentrierte Weissweine.
Meist sind die kargen Verwitterungsböden der weissen Rebsorte Riesling vorbehalten. Doch Andreas Harms Grüner Veltliner Goldbühel ist auf eben diesen Böden gewachsen und zeigt im Glas, in welchem feingliedrigen Wein das münden kann.
Über die Autorin
Emil Hauser, Weinakademiker
Für mich hat Wein archaische, urprüngliche Wesenszüge, welche sich nicht eindeutig in Worte fassen lassen. Mich der Materie Schritt um Schritt zu nähern, wird mich noch über viele Jahre in Atem halten.