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Elsass – vom Zankapfel zum Weisswein-Eldorado

Eigentlich reicht ein einziger Grund, um ins Elsass zu reisen: Ein Besuch bei der Domaine Eugène Meyer in Bergholtz bereitet immer grosses Vergnügen. Aber wenn wir schon mal da sind: Das landschaftlich attraktive Elsass ist mit seiner 170 Kilometer langen Weinstrasse, seinen schmucken Dörfern und einer ebenso rustikalen wie raffinierten Küche immer ein verlängertes Wochenende wert.

Text

Hans Wüst
Redaktor
01.10.2025

Meine Elsass-Reise – diesmal mit dem Velo – beginnt fast immer am selben Ort: in der schmucken Kleinstadt Colmar, die sich während meiner Tour frühlingshaft herausgeputzt hat. Eine überwältigende Blumenpracht kontrastiert mit geschäftigem Treiben und Menschengewimmel in den Altstadtgassen. Bei meinem Lieblingscafé in der Rue des Marchands treffe ich auf verschlossene Türen und eine traurige Botschaft: Désolé, le «Croissant Doré» est temporairement fermé … Claudine est partie … Pour toujours! Claudine Hebert, die charismatische Patronne des legendären «Croissant Doré», ist im Alter von 72 Jahren verstorben. Colmar hat eine Institution verloren. Nous sommes très tristes …! steht am Schluss der schmerzlichen Nachricht. Ich auch.

Xavier Meyer hält die Tradition seines Familienweinguts und der Arbeit im Einklang mit der Natur in der vierten Generation hoch.
Xavier Meyer hält die Tradition seines Familienweinguts und der Arbeit im Einklang mit der Natur in der vierten Generation hoch.

Zankapfel zwischen 1870 und 1945

Mitunter schmerzhaft war auch die Vergangenheit im Elsass. Während fast hundert Jahren war das Gebiet ständiger Zankapfel zwischen Frankreich und Deutschland. Durch kriegerische Auseinandersetzungen zwischen 1870 und 1945 änderte es immer wieder die Seiten.

Mal war es Französisch, dann wieder Deutsch. Seit 1945 gehört das Alsace definitiv zu Frankreich. Die wechselvolle Geschichte ist noch heute sicht- und hörbar. Die Elsässer Küche ist eine Symbiose zwischen deutscher Deftigkeit und französischer. Die typischen Fachwerkhäuser in den schmucken Weindörfern zeugen von architektonischer Verwandtschaft mit deutschen Ortsbildern auf der anderen Seite des Rheins. Und neben Französisch wird im Elsass auch heute noch vielerorts Elsässerdeutsch gesprochen. Eine weitere Gemeinsamkeit ist der Wein.

Hüben wie drüben dominieren dieselben Rebsorten: Riesling beim Weisswein, Spätburgunder oder Pinot Noir beim Roten. Im Elsass stehen zusätzlich Gewürztraminer, Pinot Blanc und Pinot Gris hoch im Kurs. Auf der 170 Kilometer langen Weinstrasse zwischen Strassburg und Mülhausen lässt sich die Elsässer Weinvielfalt perfekt entdecken.

Ein Weisswein-Eldorado

Auf der Höhe von Turckheim biege ich von der Weinstrasse ab und pedale Richtung Münstertal. Ziel ist eine jener zahlreichen Fermes Auberges, die verteilt über den ganzen Hügelzug der Vogesen köstliche Elsässer Hausmannskost anbieten. Bevor es ziemlich steil bergauf geht, mache ich einen Zwischenhalt in der Fromagerie Heinrich, wo ich mich mit dem streng riechenden Münsterkäse und dem regionstypischen Bergkäse Barikaas eindecke.

Nach schweisstreibendem Aufstieg wartet oben die «Ferme Auberge Glasborn Linge». Die Speisekarte des urigen Bergbauern- Gasthofs lockt mit authentischer Elsässer Kost. Nachdem ich mir in den Vortagen bereits Klassiker wie Tarte flambée (Flammenkuchen) und Choucroute garnie (Sauerkraut garniert) gegönnt habe, entscheide ich mich hier für Roïgabrageldi, eine Elsässer Spezialität in Form von Bratkartoffeln und Speck.

Dazu ein einfacher Weisswein, ein Edelzwicker. Wieder zurück auf der Weinstrasse gehts weiter südwärts. Für Weissweinliebhaber entpuppt sich das Elsass mit seinen über tausend Erzeugern rasch als echtes Eldorado. Wer bloss auf Rotwein steht, kommt hier jedoch ins Grübeln. Die Auswahl ist klein.

Ein echter Biopionier

Ins Grübeln kam vor über fünfzig Jahren auch Winzer Eugène Meyer. Er prägte während drei Jahrzehnten jenes Weingut, das mich schon seit vielen Jahren immer wieder ins Elsass lockt. In den 1960er-Jahren verlor der heute 93-jährige Winzer nach einem Einsatz mit der Pestizidspritze gegen die rote Spinne vorübergehend das Augenlicht. Durch eine homöopathische Behandlung gewann er seine Sehkraft zurück.

Danach gingen ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Augen auf: Chemische Spritzmittel blieben fortan tabu, der Winzer stellte radikal um. Seit 1969 bewirtschaftet die Domaine Eugène Meyer ihre Weinberge biodynamisch. Die Umstellung war eine echte Pioniertat, die viele Nachahmer gefunden hat. Heute nimmt das Elsass beim biologischen Weinbau in Europa eine Vorreiterrolle ein.

Drei Generationen unter einem Dach

Seit 1990 führen François und Sylvie Meyer den 17 Hektar grossen Familienbetrieb. François ’ Eltern Marie Rose (86) und Eugène (93) leben nach wie vor auf dem Weingut. Und mit Xavier hat längst auch die nächste Generation Einzug gehalten. «Die Verantwortung liegt derzeit noch bei meinen Eltern, die Übergabe erfolgt nach und nach», sagt Xavier, der das Weingut mit frischem Elan und neuen Ideen weiterführen will.

In den letzten beiden Jahren haben sich die Meyers ganz im Sinne der Delinat-Methode auf die Biodiversität konzentriert. Xavier: «Wir haben viele Nistkästen in den Weinbergen aufgehängt, ein XXL-Insektenhotel gebaut und Trockenmauern und Geröllhalden instandgesetzt. Wir haben auch mehrere Nistkästen für den Wiedehopf, die jedes Jahr voll belegt sind.»

Gekeltert werden Jahr für Jahr erstklassige trockene, aber auch edelsüsse Weine aus regionstypischen Rebsorten wie Riesling, Gewürztraminer oder Pinot Gris. Eine besondere Spezialität ist ihr Crémant d ’Alsace, ein hochwertiger Schaumwein aus Pinot Blanc, Pinot Gris und Pinot Noir, hergestellt in klassischer Champagnermanier. Spätestens jetzt bedaure ich ein wenig, dass ich mit dem Velo unterwegs bin. Denn nach einer Verkostung bei den Meyers würde man gerne ein paar Weinkartons im Kofferraum verstauen, bevor es wieder nach Hause geht. Zum Glück gibt es einige Weine der Domaine auch bei Delinat. Hier lassen sie sich bequem online bestellen.

Kulinarische Schatzsuche im Elsass
Das Elsass lässt sich leicht individuell bereisen. Doch allen, die einen vertieften Einblick in die Weinbauphilosophie der Domaine Eugène Meyer habe nund bequem zu den kulturellen und kulinarischen Schätzen des Elsass geführt werden möchten, empfehlen wir unsere Wein- und Genussreise «Kulinarische Schatzsuche Elsass» vom 24. und 25. April 2026. Pedalen müssen Sie nicht. Wir sind mit einem komfortablen Bus unterwegs. Alle unsere Weinreisen finden Sie unter: delinat.com/weinreisen

Über die Autorin

Hans Wüst

Hans Wüst, Redaktor

Die Natur fasziniert mich. Und Wein, als eine Facette davon, ganz besonders. Bei Delinat gibts beides in einer wunderbaren Symbiose.

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