Der Trockenheit trotzen: Das Delinat-Winzerseminar 2025
Der diesjährige Wissensaustausch unserer Delinat-Winzer fand auf dem Weingut der Familie Lignères in Südfrankreich statt. Eine Region, die seit Jahren mit der Trockenheit kämpft. Zentrales Thema des Zusammenkommens und der von Delinat gestellten Spezialisten war also: Wie kann das wertvolle Wasser im Weingarten gehalten und wie können Reben gegen Trockenheit gewappnet werden?
Text
Stefanie Zillner
Social Media Managerin 10.09.2025
«Wir organisieren ein Winzerseminar zum Thema Trockenheit – bei Familie Lignères, die seit Jahren mit der Dürre kämpft. Und dann regnet es kurz vorher. Man könnte meinen, so viel wie in den letzten drei Jahren zusammen. Das ist doch Ironie, oder?» Mit diesem Willkommensworten bringt Delinat-Winzerberater Daniel Wyss die Ausgangslage unseres diesjährigen Winzerseminars auf den Punkt.
Drei Tage lang trafen sich die französischsprachigen Delinat-Winzerinnen und -Winzer auf der Domaine Lignères in Moux am Fusse der Montagne d’Alaric. Jean und Anne Lignères, die das Familienweingut in dritter Generation führen, waren nicht nur grossartige Gastgeber, ihr Betrieb diente leider auch als das perfekte Anschauungsbeispiel: In drei aufeinanderfolgenden Jahren fielen dort jeweils weniger als 250 Millimeter Regen. Das ist zu wenig für Reben ohne Bewässerung. Erste Reben sind auch schon am Absterben. Für sie ist dieser Wasserstress ein echter Überlebenskampf. Doch statt zu resignieren, haben die Lignères gehandelt. Gemeinsam mit unseren Winzerberatern Daniel Wyss und Arina Schefer haben sie das Weingut Schritt für Schritt an die neue Realität angepasst. Das Ziel: der Trockenheit mit durchdachten, naturnahen Massnahmen zu begegnen.
Bäume auf La Baronne
Bei einem gemeinsamen Rundgang durch die Parzellen von La Baronne zeigt Jean Lignères, was sie in den letzten zwei Jahren umgesetzt haben: «Wir haben Hunderte Bäume und Sträucher gepflanzt für Schatten, Windschutz, Biodiversität und ein besseres Mikroklima. Ausserdem haben wir Wasserretentionsbecken angelegt, damit das kostbare Regenwasser nicht verloren geht.» Und siehe da: Volle Gräben und Pfützen vom letzten kräftigen Schauer vor dem Seminar zeigen, dass die Massnahmen greifen. Das Wasser sickert langsam in den Erdkörper ein, anstatt abzufliessen.
Doch nicht nur die Rebflächen spielen eine Rolle. Marlène Vissac, Spezialistin für Wasserretentions- und Agroforstsysteme, unterstrich, wie wichtig es ist, die gesamte Landschaft mitzudenken: «Der Weinberg beginnt nicht erst beim Weinstock. Auch oberhalb der Parzellen lässt sich Wasser verlangsamen und zurückhalten mit gezielter Bepflanzung, kleinen Rückhaltesystemen und einer durchdachten Geländemodellierung.»
Die Natur zeigt, wie es geht
Dass die Massnahmen der Lignères wirken, liegt auch an der Qualität des Bodens. Dafür ging es beim Seminar wortwörtlich in die Tiefe: Bodenexperte Nicola Fagotto, der schon beim letzten Winzerseminar spannende Impulse lieferte und Jean und Anne seitdem betreut, zeigte anhand von Spatenproben und Profilgrabungen in den Reben, welches Umfeld die Wurzeln brauchen: «Ein gesunder Boden ist ein aktiver Speicher, den wir mit lebendiger Bodenstruktur, Begrünung, Mulch und Komposttee stärken. Wir schaffen einen Schwamm statt Beton. Die Natur zeigt uns, wie es geht.»
Wie vielfältig und empfindlich das Bodenleben ist, erläuterte Bodenbiologe Thibault Debailleuil. In seinem wissenschaftlich fundierten, aber praxisnahen Beitrag machte er deutlich: «Mikroorganismen sind Schlüsselakteure für Bodenstruktur und Nährstoffverfügbarkeit. Wenn wir ihnen ein stabiles Umfeld bieten, erhöhen wir die Widerstandskraft des ganzen Systems. »
Gearbeitet wurde tagsüber im Weinberg und im Keller der Lignères, der zum Sitzungsraum umfunktioniert wurde. Geplaudert, diskutiert und genossen wurde im grossen Wohnzimmer von Jean und Anne beim Mittagessen mit regionaler Küche. Abends haben wir in Carcassonne gespeist, dieser wunderschönen mittelalterlichen Stadt, die dem Treffen eine besondere Kulisse verlieh. Beim Abendessen wurden die mitgebrachten Weine unserer Winzer gekostet, ergänzt durch eine Auswahl an Weinen aus robusten Rebsorten aus dem Delinat-Sortiment.
Was bleibt von diesen Tagen? Inspiration, Mut und der feste Wille, weiterzumachen. Nicht nur bei Familie Lignères, sondern bei vielen anwesenden Winzerinnen und Winzern, die mit der Trockenheit zu kämpfen haben. «Unsere Treffen sind wichtig», meint Winzerberater Daniel Wyss. «Wir stehen vor grossen Herausforderungen, aber wir sind nicht allein. Jede und jeder bringt Erfahrung mit, und gemeinsam entwickeln wir Lösungen, die nicht nur funktionieren, sondern auch im Einklang mit der Natur stehen.»
Wir danken allen Beteiligten und besonders Jean und Anne Lignères für ihre Gastfreundschaft und ihr Vorbild. Ihr Mut, neue Wege zu gehen, ist glücklicherweise ansteckend.
Dieser Artikel entstand für die Veröffentlichung in der WeinLese Nummer 79 vor dem Brand in den Rebbergen der Familie Lignères.
Über die Autorin
Stefanie Zillner, Social Media Managerin
Lässt man der Natur ihren Lauf, entwickeln sich gesunde Ökosysteme. Unsere Winzer sorgen für die optimale Bedingungen rundherum. Bei Delinat bringt jeder seine Stärken und Ideen ein – und erhält Orientierung und Ressourcen, um Gutes zu schaffen. Deshalb arbeite ich gerne hier.