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Bordeaux, wo der Wein am Wasser wohnt

Beeindruckende Architektur, lebhaftes Flair, ein UNESCO-Weltkulturerbe, das Geschichten aus der Vergangenheit erzählt und dabei zuversichtlich sowie selbstbewusst in die Weinzukunft blickt. Eine Reise in die Nouvelle-Aquitaine mit Delinat-Reiseleiterin Katrin Burow.

22.09.2025

Bordeaux bezaubert verkehrsberuhigt und mit einer wiederbelebten Strassenbahn
Bordeaux bezaubert verkehrsberuhigt und mit einer wiederbelebten Strassenbahn.

«Wenn ich nach Frankreich ziehen würde, stünde Bordeaux ganz sicher an oberster Stelle. So viel steht für mich fest.» Und in der Tat: Wer einmal durch die charmanten Gassen der Altstadt flaniert, wer am «Miroir d’eau» barfuss durch das Wasser spaziert – ein Brunnen zum Spüren und nicht nur zum Ansehen – und das sonore «Dingdong» der erst 2003 wieder in Betrieb genommenen, traditionellen Innenstadt- Strassenbahn vernimmt, weiss, warum Bordeaux so ein besonderes Fleckchen Erde für Kulturfreunde ist. Seit 1995 hat der spätere Innenminister Frankreichs und damalige Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé, sich für eine verkehrsberuhigte Innenstadt eingesetzt. Die Vollendung fand mit der Revitalisierung der Strassenbahn statt, deren Betrieb in den 1950er-Jahren eingestellt worden war. «Für mich gehört die Innenstadtbahn zu Bordeaux wie der Wein selbst.» Nicht umsonst ist die malerische Altstadt als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet.

Dabei liegt Bordeaux nicht an einem, sondern in der Nähe gleich mehrerer Gewässer: Durch die Stadt Bordeaux fliesst die Garonne. Nördlich der Stadt vereint sie sich mit der Dordogne zur Gironde, der grossen Flussmündung, die in den Atlantik führt. An den weiten Uferpromenaden kann man kilometerlang flanieren mit Blick auf historische Brücken, kleine Bars und einladende Bistros. Bordeaux ist eine pulsierende Weltstadt des Weins, und dennoch geht es hier nicht hektisch zu. «Für mich strahlt die Stadt eine einmalige Ruhe und trotz ihrer Grösse eine gewisse Erhabenheit beziehungsweise Unaufgeregtheit aus, die nur Städte verbreiten, die auf eine jahrhundertealte Geschichte zurückblicken können. Es ist wie ein kleines Paris, das man fussläufig, ganz ohne Autolärm, erkunden kann, hat mein Kollege, Reiseleiter Martin Schäppi, letztens treffend gemeint.»

Von Cognac bis Chartrons – ein Fest für Geniesser

Wer sich mit Delinat auf die Reise ins südwestliche Frankreich begibt, beginnt in der Weinstadt Bordeaux. Nach einem gemütlichen ersten Ankommen und Hineinspüren in die Region führt uns der Weg weiter Richtung Norden ins Departement Charente-Maritime, Heimat einer weltberühmten Spirituose: Cognac. Hier empfängt uns Winzer und Brenner Bruno Arrivé in seinem Familienbetrieb, der Domaine Elisabeth. Seine Spezialität: der Cognac Elisabeth, hergestellt nach althergebrachter Tradition, gebrannt aus den weissen Traubensorten Ugni Blanc und Colombard. «Mein Vater fragt mich jedes Mal, ob ich seine Freundin Elisabeth wieder aus Frankreich mitgebracht habe – das hat bei uns schon fast Kultstatus.»

Das Brennereigebäude, in dem wir mit Bruno Arrivé nebst den handgehämmerten Charente-Kupferkesseln in die Geheimnisse der Cognac-Herstellung abtauchen, liegt mitten in den Reben. Zum Mittagessen geht es nach Talmond-sur- Gironde, laut Gütesiegel eines der «schönsten Dörfer Frankreichs» und somit auch im echten Leben. Von einem Kalksteinplateau aus, das Familie Arrivé als Rebberg bewirtschaftet, überblickt man die vom Tidenhub des nahen Atlantiks geprägte Landschaft. Sogar in die alte Schule des Dorfes geht es mit dem leidenschaftlichen Cognac-Brenner, denn dort reifen seit der Renovierung durch Bruno Ideen in Cognac-Form im alten Gewölbekeller.

Weinromantik im Märchenschloss

Romantisch geht es am darauffolgenden Tag in der Weinregion Bordeaux weiter. Denn die Reise führt uns zu Château Couronneau – einem verwunschen anmutenden Schloss inmitten sanfter, sattgrüner Hügel. 1994 hat es Familie Piat aus dem Dornröschenschlaf erweckt, 1999 die Weinbewirtschaftung auf Bio und 2009 auf biodynamischen Anbauumgestellt . Heute leitet der junge Winzer Grégoire den Betrieb mit modernen Ideen, jugendlicher Euphorie und international erworbenem Fachwissen. Eine Kombination, die als Wein aus regionalen und modernen, robusten Sorten, ausgebaut in feinsten Eichenfässern bis hin zu Tonamphoren, vorzüglich mundet.

Mein Kollege, Reiseleiter Martin, ist überzeugt: «Gerade weil Bordeaux ein so traditionelles Weinbaugebiet ist, tut es gut, zu sehen, wie hier neue Wege beschritten werden.» Landschaftlich fühlt man sich jedoch kurz in die Vergangenheit versetzt – wie ein Gemälde von Monet mutet das Licht an, das durch den Wald auf die Reben fällt. Dazwischen das Schloss, die Ruhe und dann doch wieder die sehr gegenwärtige und ansteckende Freude am Wein der Familie Piat.

Urbanes Leben und Kulinarik in Bordeaux

Auf dem Rückweg stoppt die Delinat- Weingruppe in Saint-Émilion. Ein Ort wie aus dem Bilderbuch und aus der Zeit gefallen. Kopfsteinpflaster, steinerne Treppen, Türmchen, Weingeschäfte an jeder Ecke. Zurück in Bordeaux empfiehlt sich ein Besuch im ehemaligen Weinhändler- Quartier Chartrons. Wo einst Fässer verladen wurden, schlendert man heute zwischen Kunstgalerien, Boutiquen und Marktständen. Der Marché des Chartrons, ein Markt im Stadtzentrum, ist mit all seinen Köstlichkeiten unbedingt einen Besuch wert.

Eine Empfehlung aus der Gegenwart des Weins im Bordeaux gilt der Cité du Vin, einem futuristischen Weinmuseum in Form eines Weinglases am Ufer der Garonne. Hier wird Wein zum multimedialen Erlebnis, auch für Weinkenner. Am besten, man plant zumindest einen halben Tag ein, um den Wein in dieser interaktiven Form zu erleben. Hier kann wirklich jeder noch etwas dazulernen.

Abschied mit Aussicht

«Nicht selten kommt es vor, dass Gäste der Reise ihren Aufenthalt nach den von Delinat organisierten Tagen individuell verlängern», weiss auch mein Kollege Martin. Ursprünglich wollten die meisten nur ein paar Tage bleiben. Einige sind dann zwei Wochen geblieben, weil es ihnen so gut gefallen hat. Denn auch im direkten Umland von Bordeaux gibt es neben den vielen Weindörfern noch zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Einen Besuch wert ist im Norden beispielsweise das Städtchen Royan direkt an der Mündung der Gironde. Im Süden liegen die endlosen Sandstrände der Côte d’Argent, der «Silberküste », etwa 60 Kilometer von Bordeaux entfernt.

Die Bucht Bassin d’Arcachon schliesst die Halbinsel Cap Ferret ein. Das Wasser ist hier meist ruhig – perfekt für einen Strandtag. In der Nähe liegt die Dune du Pilat . Sie ist mit einer Höhe von rund 110 Metern die höchste Wanderdüne Europas und ständig in Bewegung. Bordeaux und sein Umland sind eine Destination, die man nicht nur besucht, sondern erlebt.

Ein Ort, der Geschichte atmet und sich dennoch mit dem Blick in die Zukunft für die Herausforderungen der Weinwelt wappnet. Mit allen Sinnen. Mit Neugier. Mit dem Glauben an die Natur und mit einem guten Glas Wein in der Hand.

Alle unsere Weinreisen finden Sie unter: delinat.com/weinreisen

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