Auf ein Glas mit ... Natalie Maspoli Taylor und Klaus Gaar
2014 haben Natalie Maspoli Taylor und Klaus Gaar Sea Shepherd Switzerland gegründet. Sea Shepherd ist eine weltweit agierende NGO, die sich für den Schutz des Meeres und seiner Tier- und Pflanzenwelt einsetzt.
Text
Nina Wessely
Redaktorin 04.09.2025
Denn obwohl die Schweiz keinen direkten Zugang zum Meer hat, trägt Sea Shepherd Schweiz einen wesentlichen Teil zum Schutz der Ozeane bei. Wir haben mit Direktorin Natalie und Vorstandsmitglied Klaus über illegale Fischerei, den «Sea-Shepherd-Effekt» und Parallelen zum nachhaltigen Weinbau gesprochen.
WeinLese: Natalie, Klaus – die Schweiz hat bekanntlich kein Meer. Warum ist der Meeresschutz trotzdem ein Thema?
Natalie: Die Schweiz importiert jährlich rund 75’000 Tonnen Fisch – über 95 Prozent unseres Fischkonsums kommen aus dem Ausland. Pro Kopf sind das etwa neun Kilo pro Jahr. Das Problem: Wir wissen zu wenig darüber, inwiefern unser Fischkonsum die Meere gefährdet. Die Ozeane sind massiv überfischt. Zudem gibt es kaum Transparenz, sodass Worte wie «Beifang» oder «Schleppnetzfischerei», bei denen ein Grossteil der gefangenen und damit getöteten Tiere keinerlei Verwendung findet, gleich gar nicht erwähnt werden. Der Ozean ist in Gefahr.
Und genau da setzt die Arbeit von Sea Shepherd Schweiz an?
Klaus: Ja. Wir sind ein aktiver Teil des globalen Netzwerks von Sea Shepherd, das weltweit in 17 Ländern vertreten ist. Unsere Arbeit in der Schweiz umfasst Bildungsarbeit, Fundraising, Eventorganisation und die direkte Unterstützung internationaler Meeresschutzkampagnen – oft finanzieren wir gezielt Ausrüstungen oder Schiffsteile mit. Viele unserer Freiwilligen waren auch selbst auf Missionen wie kürzlich vor Westafrika oder in der Antarktis.
Natalie: Unsere Stärke liegt auch in der engen Vernetzung mit anderen Ländern, etwa mit Sea Shepherd Italien. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist Bewusstseinsbildung: Wir organisieren laufend Events, Schulbesuche oder Filmtouren.
Welche Erfolge brachte die jüngste Zeit?
Natalie: Da wäre im Mai diesen Jahres der weltweite Kinostart der Dokumentation «Ocean» von David Attenborough. Sea Shepherd ist mit seinen Aktionen zum Schutz der Meere Teil der Dokumentation. Das hat für breite Aufmerksamkeit für das Thema gesorgt, was uns natürlich freut.
Klaus: Ein sehr eindrückliches Beispiel auf hoher See ist Gabun. Durch unsere Kooperation mit der Regierung konnte dort die gesamte Shrimps-Fischerei mit Grundschleppnetzen eingestellt werden – das war ein riesiger Schritt. Und ist bestimmt auch dem Umstand zu verdanken, dass wir den Fischereiminister von Gabun überzeugt haben, einmal bei einer Fischerei dieser Art mit dabei zu sein. Einmal gesehen, folgte das Verbot auf dem Fuss. Weltweit wissen die wenigsten, was für ein Rattenschwanz an illegalen und gefährlichen Geschäften an der Ausbeutung der Meere noch einmal dranhängt. Die Thematik ist sehr komplex.
In anderen Regionen wie Liberia oder in der Antarktis patrouillieren wir gemeinsam mit den Behörden, stellen Schiffe, Crews und den Treibstoff. Wo Kontrollen stattfinden und Staaten aktives Interesse zeigen, ist die Erholung der Meeresgebiete deutlich messbar. Die Biodiversität in diesen Schutzgebieten erholt sich erfreulich gut – das nennen andere auch den «Sea-Shepherd-Effekt», was uns natürlich freut.
Weintipp: Albet i Noya Aventurer blanc
Wir haben den Albet i Noya Aventurer blanc ausgewählt, weil er zu unseren Überzeugungen passt: biologisch und vegan erzeugt, aus pilzwiderstandsfähigen PIWI-Rebsorten, die im Umkehrschluss die Biodiversität schützen. Nachhaltiger Wein aus Meeresnähe, der Genuss und Umweltschutz verbindet. Und Schweizer Expertise ist durch die Zusammenarbeit mit Valentin Blattner auch noch mit dabei. Albet i Noya Aventurer blanc Penedès DO 2023 [/box]
Apropos Biodiversität: Gibt es Berührungspunkte zu einem nachhaltigen Weinbau?
Natalie: Absolut! Viele Weingüter, zum Teil kennen wir diese sehr gut, weil sie Sea Shepherd fördern, arbeiten in ihren Weingärten sehr nahe an der Natur und schützen damit die Tier- und Pflanzenwelt in und rund um ihre Rebflächen. Sie zeigen, wie Landwirtschaft im Einklang mit der Natur funktionieren kann. Und genau darum geht es auch uns: Ökosysteme bewahren, nicht übernutzen. Wer heute verantwortungsvoll wirtschaftet, denkt auch an kommende Generationen – ob im Weinberg oder auf dem Meer.
Klaus: Es benötigt einen kompletten Wertewandel. Weg von Monokulturen, mehr Raum für Wildnis, unberührte Natur, um die Artenvielfalt zu erhalten. Wenn wir immer nur nehmen und ausbeuten, Pflanzen und Tieren den Lebensraum nehmen, dann ist das System irgendwann nicht mehr tragfähig. Weder auf dem Land noch im Wasser.
Was kann der einzelne Konsument konkret tun?
Natalie: Die wichtigste Frage lautet tatsächlich: Muss ich überhaupt Fisch essen? In Ernährungsratgebern heisst es, Fisch sei gesund. Dabei lassen wir ausser Acht, wie zerstörerisch die industrielle Fischerei ist. Auch vermeintlich nachhaltiger Fisch ist schwer zu kontrollieren und auch Zuchtbetriebe wirken sich auf die Meere aus. Raubfische wie Lachs oder Thunfisch werden oft mit Fischmehl aus «Trash Fish» gefüttert, der aus Südamerika importiert wird. Daher: wenn man Fisch essen möchte, dann bestenfalls lokal aus kleinen Seen und bewusst eingekauft.
Wie kann man Sea Shepherd unterstützen?
Klaus: Es gibt viele Wege in der Schweiz: Als Freiwilliger kann man bei Events, im Schulteam oder in der Öffentlichkeitsarbeit helfen. Wer mindestens ein Jahr aktiv mitarbeitet, kann sogar Teil von internationalen Kampagnen werden. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden – alles, was wir tun, wird aus freiwilligem Engagement finanziert.
Was ist eure Vision für die Zukunft?
Natalie: Die UN hat sich zum Ziel gesetzt, bis ins Jahr 2030 dreissig Prozent der Meeresfläche unter Schutz zu stellen. Denn derzeit ist es nur etwa ein Prozent, effektiv geschützt sogar noch weniger. Das ist wild! Damit Schutzgebiete wirken, müssen sie aktiv überwacht und kontrolliert werden. Denn wir glauben daran, dass sich die Ozeane erholen können – aber nur, wenn wir sie in Ruhe lassen. Und wenn wir unser Verhältnis zum Meer, zu den Tieren und zum Konsum grundlegend überdenken.
Klaus: Im Idealfall wäre Sea Shepherd eines Tages überflüssig. Das ist derzeit natürlich leider noch alles andere als greifbar. Darum kämpfen wir weiter – mit Leidenschaft, Überzeugung und einer klaren Botschaft: Der Ozean beginnt auch in der Schweiz.
Sea Shepherd Schweiz ist Teil der internationalen Meeresschutzorganisation Sea Shepherd. Sie setzt sich aktiv für den Schutz mariner Ökosysteme und den Erhalt bedrohter Arten ein. Durch Aufklärung, Kampagnen und direkte Aktionen kämpft Sea Shepherd Schweiz gegen illegale Fischerei, Walfang und Umweltverbrechen. Natalie Maspoli Taylor als Direktorin und Klaus Gaar als Vorstandsmitglied stehen Sea Shepherd Schweiz in ehrenamtlicher Funktion vor. www.seashepherd.ch
Über die Autorin
Nina Wessely, Redaktorin
Ich liebe Wein. Und ich liebe die Natur. Beides bei Delinat gefunden zu haben, macht mich glücklich. Und von diesem Glück erzähle ich gerne.