500 Schafe grasen im Weinberg

In den vergangenen Wochen hatten wir spezielle Gäste auf unserem Weingut. Ein Wanderhirte aus der Provence hat bei uns mit seinen rund 500 Schafen Halt gemacht. In einer etwa drei Hektar grossen Weinbergparzelle haben sich die blökenden Tiere während zwei Wochen an den Gräsern und Kräutern, die bei uns zwischen den Rebzeilen gedeihen, gütlich getan. War das ein (Fest-)Fressen! Mittlerweile ist die Herde weitergezogen – allerdings nicht ohne wertvollen Naturdünger im Weinberg zurückzulassen.

Schafe auf Duvivier

Ungewohntes Bild im Weinberg: die Schafherde auf Château Duvivier

Achtung: Hotspot in Gefahr

An den Reben selber können die Schafe im Winter keine Schäden anrichten. Problemlos zirkulieren sie zwischen den Rebstöcken und unter den Drähten durch. Aufpassen mussten wir lediglich, dass sie uns nicht die ganzen Hotspots mit den vielen leckeren Kräutern leerfrassen. Möglicherweise kehrt die Herde gegen Ende März/Anfang April nochmals zurück. Dann allerdings heisst es zusätzlich aufpassen. Wenn die frischen Triebe der Reben schon weit vorgestossen sind, landen sie natürlich rasch auf dem Menüplan der Schafe.

Meditatives Rebenschneiden

Bis zur allfälligen Rückkehr der Schafherde beschäftigt uns nun der Rebschnitt intensiv. Verteilt auf die Monate Dezember, Januar und Februar schneiden vier Personen die über 100 000 Rebstöcke auf Château Duvivier. Damit wird bereits der wichtige Grundstein für die nächste Ernte gelegt. Für das Rebenschneiden sind wir auf trockenes Wetter angewiesen. Bei Regen und an zwei bis vier Tagen pro Monat, die aufgrund der Mondkonstellation ungünstig sind, wird nicht geschnitten. Der Rebschnitt ist zwar eine aufwändige Handarbeit, gleichzeitig aber auch eine schöne, schon fast meditative Tätigkeit in einer noch weitgehend kahlen und stillen Natur.

Emil Hauser
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6 comments

  1. „Meditatives Rebenschneiden“, das wäre ja vielleicht etwas für eine Meditations-Gruppe ?
    Zuerst Schnellkurs im Rebenschneiden, dann Meditatives Rebenschneiden im Schweigen.

  2. Zum Rebschnitt und den Winterarbeiten gibt es viele recht gute Videos auf Youtube (Suchbegriffe „Rebschnitt“, „Reben schneiden“, z.B.
    http://www.youtube.com/watch?v=UQ3CtNeUB9g&feature=related
    Illustrierend sind natürlich auch entsprechende Einträge zu den einzelnen Erziehungsmethoden wie z.B. Guyot
    http://de.wikipedia.org/wiki/Jules_Guyot
    oder Kordon (Cordone speronato; sehr schöne Erklärung, leider in italienisch)
    http://www.youtube.com/watch?v=8hBcamA-N18
    Dieses Video zeigt, dass dass der Rebschnitt nicht auf allen Weingütern sehr meditativ ist, nämlich wenn zum Beispiel pneumatische Rebscheren gebraucht werden und ständig Kompressoren laufen:
    http://www.youtube.com/watch?v=l_KTWduVCO4
    Oder mechanisches Vorschneiden der Reben:
    http://www.youtube.com/watch?v=nMjvyQlkmlM

    Ich selbst schaue immer, dass es nicht zu sehr zur Serienarbeit wird, ich schneide eine Reihe und binde dann nachher gleich an dieser Reihe die Ruten an.

    In Italien z.B. werden auf den grossen Weingütern immer mehr völlig durchorganisierte Arbeitsgruppen aus Weinländern der Südhalbkugel für den Rebschnitt importiert, die in einem immensen Tempo und zu tiefsten Kosten Reben schneiden.

  3. Die Vorstellung von 500 grasenden Schafen im Weinberg erwärmt mir das Herz. Und der zurückgelassene wertvolle Naturdünger… Hoffentlich macht sowas öfter Schule!

  4. Mit Besondere Mondkonstellation ist ein Mondknoten gemeint.
    Unter dem Mondknoten versteht man den Schnittpunkt der Mondumlaufbahn mit der Bahn der Sonne (Ekliptik)auf dem Sternenhimmel. Die natürliche Mondbeeinflussung der Erde kann sich in dieser Periode verändern. Arbeiten an Pflanzen und Bodenbewegungen sind daher wenn möglich zu vermeiden. Ausschlaggebend für eine sinnvolle Arbeitseinteilung sind jedoch keine stur festgelegten Kalenderdaten sondern ein feinfühliges interpretieren seines Terroirs.

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