Schädlinge und Schädigungen bedrohen die Reben aus vielen Richtungen – Nützlinge halten dagegen

Pheromone, Fressfeinde, Bewässerungsschläuche – gegen Schädlinge und Schädigungen müssen sich Winzer etwas einfallen lassen.

Die Weinrebe ist einer Reihe von Gefahren ausgesetzt. Diese können den Rebstock als Ganzes betreffen, aber auch nur einzelne Teile wie etwa die Trauben. Solche Schädigungen können durch meteorologische Ereignisse erfolgen, aber auch durch Krankheiten oder Schädlinge.

Schädigungen durch meteorologische Ereignisse

Meteorologische Ereignisse, die Schädigungen verursachen können, sind beispielsweise Starkregen, Hagel, Frost, Sturm oder Trockenheit.

Frost

Zu starker Frost tritt vor allem im Winter auf. Im Frühling fürchten die Winzer hingegen Spätfröste. Reben sind relativ gut an das jeweilige Klima angepasst, und mehrjähriges Holz hält in der vegetationslosen Zeit Temperaturen von -20 °C stand. Allerdings sind die einzelnen Rebsorten unterschiedlich frosthart. Riesling ist beispielsweise weniger frostempfindlich als Silvaner oder gar als Merlot. Ein grösseres Problem stellen jedoch Spätfröste dar, sofern der Austrieb schon begonnen hat. Augen, Triebe und sogar Gescheine (also die Blütenstände der Rebe) können so stark geschädigt werden, dass erhebliche Ernteverluste eintreten.

Regen und Hagel

Fällt zu viel Regen, kann der Boden mit Wasser übersättigt werden oder überflutet sein. Wesentlich häufiger ist allerdings die indirekte Gefahr, dass sich nämlich nach Niederschlägen bei relativ hohen Temperaturen Pilzkrankheiten verbreiten. Einen direkten Einfluss des Niederschlags auf die Rebe gibt es bei Hagel. Hagelschäden, bei denen Blätter, Triebe und Beeren zerstört werden können, kommen beispielsweise häufig in Argentinien am Fusse der Anden vor, aber durchaus auch in Mitteleuropa. Da es sich meist um eher punktuelle Ereignisse handelt, ist es nicht selten, dass eine Weinlage einen Totalverlust erleidet, während in benachbarten Weinbergen keine Schäden auftreten.

Trockenheit

Trockenheit als Schädigung der Reben hat insbesondere durch den Klimawandel an Bedeutung gewonnen. Reben in semiariden oder gar ariden Klimata (Kalifornien, Südafrika, Australien) litten seit jeher unter zu geringen Niederschlägen während der Vegetationsperiode. Neben traditionellen Anbaumethoden wie im spanischen Kastilien (Reberziehung als Buschreben, grosser Pflanzabstand) wird in diesen im Sommer trockenen Gegenden deshalb häufig bewässert. In Mitteleuropa war dies bislang kaum notwendig, aber zunehmende und vor allem länger anhaltende Trocken- und Hitzephasen machen auch in Europa den Reben zu schaffen. Dies betrifft besonders die früheren Gunstlagen mit starker Sonnenexposition und flachgründige Böden. Die Delinat-Methode erlaubt Bewässerung, aber nur im Zusammenhang mit der Retention von Regenwasser.

Rebkrankheiten

Zu Rebkrankheiten gibt es im Delinat-Weinwissen ein eigenes Kapitel. Die wichtigsten Krankheiten in hiesigen Breiten werden durch Pilze verursacht (Echter Mehltau, Falscher Mehltau, Botrytis).

Tierische Schädlinge

Tierische Schädlinge können die Rebe in jedem Zustand befallen. Am offensichtlichsten ist dies, wenn die Trauben kurz vor der Ernte reif am Stock hängen. In dieser Phase sind Amseln, Drosseln und Stare Schädlinge, vor denen die Reben verschiedenenorts mit Netzen geschützt werden.. Für den Rest des Jahreskreislaufs gelten Singvögel als Nützlinge, weil sie sich von Insekten ernähren. Schädlinge und Nützlinge sind deshalb Kategorisierungen, die kontextgebunden benutzt werden sollten.

Reblaus

Der bekannteste Schädling im Zusammenhang mit dem Weinbau ist sicherlich die Reblaus. Sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts aus Nordamerika eingeschleppt und 1863 in Europa zum ersten Mal festgestellt. Sie greift in ihrem unterirdischen Lebenszyklus die Wurzeln der Rebstöcke an. Während nordamerikanische Reben gegen die Reblaus resistent sind, richtete die Reblaus in europäischen Weinbaugebieten grosse Schäden an. Als Reaktion darauf begann man in Europa amerikanische Unterlagsreben zu verwenden, auf die dann die jeweiligen Rebsorten aufgepfropft werden. Weil mittlerweile fast alle Reben in Europa derart veredelt sind, stellt die Reblaus heutzutage im Weinbau kein Problem mehr dar. Eine direkte Bekämpfung der Reblaus ist kaum möglich. Lediglich in sandigen Böden kann sie nicht überleben.

Traubenwickler und Verwirrmethode

Traubenwickler sind Schädlinge, die, anders als die Reblaus, die oberirdischen Teile der Rebe befallen. Der Traubenwickler ist ein Nachtfalter («Motte»), von dem zwei Arten existieren, die jeweils zwei, in warmen Sommern sogar drei Generationen während der Vegetationsperiode hervorbringen können. Ab Mai sind die Falter flügge und legen ihre Eier an den Blütenkäppchen ab. Die Larven (Heuwürmer) fressen dann an den Gescheinen und verspinnen die Einzelblüten. Nach der Puppenruhe folgt die zweite Generation an Faltern, die ihre Eier nun an den Beeren ablegen. Die Larven der zweiten Generation (Sauerwürmer) fressen über drei bis vier Wochen in den Beeren, bevor sie die Winterverstecke aufsuchen, um sich zu verpuppen.

Die Bekämpfung des Traubenwicklers erfolgt im konventionellen Weinbau durch Insektizide und durch die Verwirrmethode. Letztere wird verstärkt im ökologischen Weinbau eingesetzt, da sie keine anderen Arten gefährdet. Die Verwirrmethode macht sich die Tatsache zunutze, dass die Weibchen des Traubenwicklers Pheromone (Sexuallockstoffe) verströmen, um Männchen anzuziehen. Sogenannte Pheromonkapseln, die im Weinberg aufgehängt werden, verströmen den gleichen Duft und verwirren die Männchen, die die Weibchen nun nicht mehr gezielt finden können. Die Population wird dabei zwar nicht zerstört, aber auf einem niedrigen Niveau gehalten. Im Weinberg kann man die Pheromonkapseln als mit Flüssigkeit gefüllte braune Kunststoffampullen erkennen, die möglichst im Schatten an den Drähten befestigt werden. Um erfolgreich mit dieser Methode zu sein, muss das Einsatzfeld möglichst grossräumig sein, am besten mindestens 10 ha. Die Delinat-Methode sieht eine weitere, natürliche Massnahme gegen Traubenwickler vor. Fledermauspopulationen helfen ganz wesentlich den Falter zu bekämpfen. Deshalb sind das Anbringen von Nistkästen und das Pflanzen von Bäumen in den Reben wichtig. Sie helfen den Fledermäusen sich zu orientieren, damit sie nachts Jagd auf den schädlichen Traubenwickler machen können.

Milben und andere Insekten

Weitere Schädlinge, die eine Bedeutung im Weinbau haben, sind verschiedene Milbenarten (Spinnmilben, Blattgallmilben, Kräuselmilben) oder die Grüne Rebzikade. Milben werden im konventionellen Weinbau mit chemischen Mitteln (Netzschwefel, Akarizide) bekämpft. Sie können aber auch in ihrem Bestand dadurch deutlich eingeschränkt werden, dass man Raubmilben, ihren natürlichen Feinden, gute Lebensbedingungen ermöglicht.

Nützlinge als Feinde der Schädlinge

Raubmilben gelten deshalb als Nützlinge im Weinbau. Wenn Schädlinge diejenigen Tiere sind, die sich von Teilen der Rebpflanze ernähren, dann sind Nützlinge im Weinbau solche Tiere, die Schädlinge als Nahrung oder als Wirt benutzen. Und davon gibt es eine ganze Reihe.

Die natürlichen Feinde der Spinnmilben sind Raubmilben und Florfliegen. Heu- und Sauerwurm vom Traubenwickler dienen Ohrwürmern als Nahrung und Raupenfliegen als Wirte. Tausendfüssler, Webspinnen und Marienkäfer sind weitere Nützlinge gegen Dickmaulrüssler, Schildläuse oder Erdraupen. Der Regenwurm als vielleicht wichtigster Nützling im Weinberg vertilgt zwar keine Schädlinge, lockert aber den Boden auf. Mäuse sorgen ebenfalls für einen Durchlockerung des Bodens, Wühlmäuse können hingegen die Wurzeln schädigen.

Wichtig für den Weinbau allgemein und für den ökologischen Weinbau ganz zentral ist eine möglichst grosse Artenvielfalt im Weinberg. Biodiversität sowohl im pflanzlichen als auch im tierischen Bereich sorgt dafür, dass die Natur stärker im Gleichgewicht bleibt. Sprunghafte Vermehrung oder massenhaftes Auftreten bestimmter Schädlinge kann dadurch zwar nicht ausgeschlossen werden, aber das Vorhandensein natürlicher Feinde im selben Habitat senkt das Risiko erheblich. Die Delinat-Richtlinien waren europaweit die ersten und lange Zeit die einzigen, die eine Förderung der Biodiversität mittels konkreten Massnahmen verlangen.

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