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Château Tour Petit Puch

Die Magie der Bordeaux-Weine ist rational kaum erklärbar. Unter den wenigen Weinen, die Wein-Investoren als «Blue Chips» bezeichnen, sind die berühmten Premier Crus aus Bordeaux bis auf wenige Ausnahmen unter sich. Doch Bordeaux ist mehr: Im Département Gironde bewirtschaften mehr als 12'000 Erzeuger rund 100'000 Hektar Reben. Schon der Barde und Dichter François Villon (1431 bis 1463) pries Wein aus Bordeaux als besonderen Nektar. Doch das Einzigartige an Bordeaux sind nicht die berühmten und teuren Crus, sondern die Tatsache, dass wir in Hunderten von vermeintlich «einfacheren» Weinen jenen «Gout du Terroir» erkennen, den wir intuitiv sofort mit Bordeaux verbinden.
In keinem anderen Segment der Bordeaux-Weine lassen sich so viele Weine entdecken, die mit ihrer ehrlichen, feinfruchtigen und leicht maskulin anmutenden Art zu gefallen wissen, wie bei Bordeaux supérieur. Rund 10'000 Hektar stehen für diese AC-Kategorie zur Verfügung. Im Vergleich zu einem «normalen» AC-Rotwein muss ein Supérieur einen um 0,5 Prozent höheren Mindestalkoholgehalt aufweisen. Zudem ist der Ertrag auf maximal 40 Hektoliter pro Hektar limitiert. Trotz dieser qualitätsfördernden Einschränkungen verliert ein guter «Sup» seinen Charme nicht, der massgeblich auf einem moderaten Alkoholgehalt von selten mehr als 12,5 Volumenprozent Alkohol beruht.
Ein Klassiker ohne Allüren

Im östlich von Bordeaux gelegenen Château Tour Petit Puch wird bedeutend weniger geerntet als es das Gesetz erlauben würde, nämlich nur gerade 25 Hektoliter pro Hektar. Der Grund liegt in der Verwendung von weniger ertragreichen Rebsorten sowie in einer rigorosen Arbeit in den Reben. Mit dieser Philosophie sind der Familie Herice in den letzten Jahren erstaunliche Weine gelungen. Den 2003er bezeichnen sie selber als ihren bisher besten Jahrgang. Tatsächlich zeigt der Wein ein vielschichtiges Bukett von dunklen Früchten, sowie Aromen von Waldbeeren, Kaffee, Holz und Lakritze. Im Gaumen zeigt er sich füllig und weich. Ein eleganter Bordeaux, getragen von edler Extraktsüsse, feinkörnigem Tannin und saftig-reifer Säure.
Cécile und Hugues Herice mit ihren zwei Kindern Charlotte und Baptiste passen nicht so recht ins Bild einer klassischen Bordelaiser-Winzerfamilie. Obwohl Cécile Herice als Winzertochter aufwuchs, zog es sie nach der Schule in die pulsierende Grossstadt und war am Weinbau wenig interessiert. Hugues Herice hingegen ist ein ausgebildeter Informatiker und kam erst durch die Bekanntschaft mit seiner Frau zum Weinbau. Als noch Elie Coudreau, der Vater von Cécile, das Weingut führte, half man jeweils bei der Ernte mit. So wuchs Hugues Interesse am Weinbau allmählich.

Als der Schwiegervater starb wagten die jungen Herices den Schritt ins Winzerleben und übernahmen im Jahr 1990 den Hof. Soweit Hugues Herice sich zurück erinnern kann, wurden auf Château Tour Petit Puch nie Chemikalien zur Bekämpfung von Krankeiten und Insektenbefall eingesetzt. Dieser Umstand und der Wille, diese Tradition weiterzuführen, bewegte die Familie Herice schliesslich im Jahr 1998, ihr Weingut auf einen kontrolliert biologischen Betrieb umzustellen. Im Jahr 2000 entstand eine intensive Zusammenarbeit mit Delinat. Gemeinsam gelang es, für die Delinat-Kunden durch gezielte Selektion qualitativ hochstehende Crus zu moderaten Preisen abzufüllen.
