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Domaine de Lauzières

Eigentlich war es ganz einfach. Weil die beiden Spitzenwinzer Jean-Daniel Schlaepfer und Gérard Pillon in ihrer Schweizer Heimat keine Möglichkeit mehr sahen, ihr Weingut zu vergrössern, folgten sie der Rhône, die an ihren Rebgärten in Genf vorbeifliesst, flussabwärts und landeten schliesslich in einer abgelegenen Talsenke im Herzen der kargen, felsigen Hügelzüge von Les Alpilles, zwischen Avignon und Marseille in westlicher Richtung gelegen. Hier konnten sie die Domaine de Lauzières übernehmen.
Ein Wein-Komet im tiefen Süden

Der Wein von Lauzières galt schon in früher als der Spitzenwein der Region. Auf alten Karten findet man die «Pleine de Lauzières» eigens aufgeführt. Jean-Daniel Schlaepfer erneuerte diese Tradition, in dem er den Weinen zusätzlich Eleganz und Finesse verlieh. Neu gepflanzte, standortgerechte Traubensorten wie Syrah, Grenache und Mourvèdre tragen dazu bei. Vor allem der «Solstice» zeigt eindrücklich die Entwicklung vom kraftvollen Wein mit teils rustikalen Tanninen zu mehr Geschmeidigkeit und Finesse. Zunehmend prägt der warme Charakter der Sorte Grenache den Wein. Frankreichs führende Tageszeitung «Le Monde» sowie der renommierte Weinführer «Bettane et Dessauve» haben inzwischen das Potenzial des Gutes erkannt.

Die AOC «Les Baux-de-Provence» wurde erst 1995 anerkannt. Mit 340 Hektar ist sie eine der kleinsten Frankreichs. Klima und Böden sind wie geschaffen für den biologischen Weinbau. Karge Terroirs aus Kalkmergel mit toniger, steiniger Erde bieten den Reben eine gesunde Basis. Das trockene Klima wird regelmässig von einer Brise vom nahen Mittelmeer aufgelockert. Auf Rat des französischen Wein-Wissenschaftler Alain Carbonneau wurden auch einige Hektar mit der seltenen, in Bordeaux heimischen Sorte Petit Verdot bepflanzt. Während die Sorte im feucht-kühlen Bordeaux selten voll ausreift, war Carbonneau sicher, dass sie in der Hitze der südlichen Provence ideale Bedingungen vorfindet.
Ein Top-Wein ohne Namen

Er sollte mit dieser Prognose Recht behalten. Vor allem in Verbindung mit der vollfruchtigen Grenache entstehen vorzügliche Weine. Weil die AOC aber den Anbau diese Sorte verbietet, muss die Spitzen-Cuvée aus Petit Verdot und etwas Grenache als einfacher «Vin de Table de France» ohne Jahrgang und ohne Nennung des Produzenten vermarktet werden. Doch der schlaue Schlaepfer wäre nicht Schlaepfer, wenn er aus dieser Not nicht eine Tugend gemacht hätte. Er nannte den Wein schlicht «Sine Nomine». Die Weinliebhaber wissen schon, was sich hinter dem Rätsel verbirgt.
